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    Frankfurt a.M.

    Bürger auf die Barrikaden?

    Markus Krall und die Atlas Initiative hoffen auf eine „bürgerliche Revolution“ im Zeichen libertärer und christlicher Werte.

    Protestkundgebung der Initiative 'Querdenken'
    Sind die Corona-Protest-Demos Vorboten der "bürgerlichen Revolution", die Markus Krall sich erhofft? Foto: dpa

    Seine Kritiker nennen ihn einen „Crash-Propheten“. Markus Krall sagt selbst über sich: „Im Mittelpunkt meiner publizistischen Tätigkeit steht nicht der Crash, sondern die Freiheit.“ Krall, promovierter Volkswirt und einer der prominentesten Kritiker der Wirtschafts- und Finanzpolitik der Regierung Merkel, war einst selbst CDU-Mitglied. Aus Protest gegen die Energiepolitik der Kanzlerin trat er aus der Partei aus. Vor allem die Politik der Europäischen Zentralbank hat er ins Visier genommen.

    Die Krise im Zeitraffer

    Schon in seinen früheren Publikationen prognostizierte Krall einen Finanz-Crash. Sein jüngstes Buch aber erschien unter besonderen Bedingungen: „Die Bürgerliche Revolution“ ging im März an den Start und schaffte es gleich in die Spiegel-Bestsellerliste, zeitweise sogar dort auf den zweiten Rang. Dieser Erfolg lässt sich als Symptom für eine Stimmungslage lesen – viele sehen in dem Werk wohl das Buch zur Corona-Krise. Führt Corona nun zu dem Crash, den Krall schon so lange voraussagt? „Durch die Pandemie wurde die Krise in einen Zeitraffer gepackt.

    „Das Auseinanderlaufen von Warenangebot und Geldmenge wird auf direktem Wege in die Hyperinflation führen.“ Markus Krall

    Corona hat einen Prozess in Gang gesetzt, der die in Jahren angestauten Ungleichgewichte falscher Geld- und Wirtschaftspolitik wie Dominosteine zum Kippen bringen wird“, sagt Krall gegenüber dieser Zeitung. „Der in meinem Krisenszenario prognostizierte Ablauf von Deflation, Geldschwemme und folgender Hyperinflation wird durch den panikartigen Übergang zum quasi-Helikoptergeld im März des Jahres von Quartalen auf Monate oder gar Wochen komprimiert.“ Seine Prognose für den weiteren Verlauf: „Noch vor dem Kollaps der Zombieunternehmen und der Banken fluten die Zentralbanken die Wirtschaft mit Geldsummen jenseits jeder Fähigkeit, diese gewaltigen Summen auch in die halbwegs zielführende Verwendung steuern zu können.

    Eine gewaltige Gießkanne überschüttet erst die großen, dann die kleinen Unternehmen und schließlich auch die Bürger, ihre Kaufkraft wird nicht mehr durch die Verfügbarkeit von Geld limitiert, sondern durch die Rationierung von Waren. Das Auseinanderlaufen von Warenangebot und Geldmenge wird auf direktem Wege in die Hyperinflation führen.“

    Die Krise als Katharsis

    Krall versteht dabei die Krise nicht in einem apokalyptischen Sinne, sondern deutet sie als eine Art „Katharsis“, eine Reinigung, die zu einer Renaissance von aus seiner Sicht bürgerlichen Werten führen könnte. Interessant ist dabei die Mischung dieser Werte: Krall ist ein strikter Ordo-Liberaler, ja eher schon ein Libertärer, der sich an Friedrich August von Hayek, Ludwig von Mises oder auch an der in Deutschland noch weitestgehend unbekannten, in der USA aber etwa für die „Tea Party-Bewegung“ sehr einflussreichen Ayn Rand orientiert. Gleichzeitig vertritt Krall, der seinen christlichen Glauben betont, dezidiert wertkonservative Positionen.

    So plädiert er für das traditionelle Familienbild und sieht in der Familie die Keimzelle des Staates. Seine wertkonservative Haltung, so Krall, habe letztlich auch zu seinem Bruch mit dem herkömmlichen politischen Liberalismus geführt: „Die Bruchstelle markiert meine Auseinandersetzung mit der Abtreibungsfrage. Mir ist in dieser Debatte klar geworden, dass der aktuelle politische Liberalismus das Individuum vergötzt ohne Sinn für Bindung und Selbstbeschränkung. Freiheit findet ihre Grenze aber in den Rechten Dritter und die Ehe und die Familie sind die Institutionen, die unsere Gesellschaft am Laufen halten. Sie sind Grundvoraussetzung einer freien Gesellschaft."

    Deutsche Tea Party?

    Krall hat auch einen Verein an seiner Seite: Er ist Vorsitzender der Atlas Initiative. Zurzeit hat die Gruppe etwa 3 000 Mitglieder. Ob sie das Zeug hat, zu einer Art deutscher „Tea Party-Bewegung“ zu werden? Krall hätte wohl nichts dagegen.

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