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    Opel zwischen Rettungsplan und Pleite

    Im Kampf um die Rettung des angeschlagenen Autobauers Opel greifen auch die Beschäftigten und die Opel-Händler ins Steuerrad: In Bochum fordert der Betriebsrat eine Beteiligung der Mitarbeiter am Unternehmen. „Die Belegschaft ist ein wesentlicher Träger des Unternehmens und hat ein großes Interesse daran, dass es Opel gut geht. Wir können es besser machen“, sagte Rainer Einenkel, der Betriebsratschef des Bochumer Opel-Werks, am Donnerstag gegenüber der „Neuen Ruhr/Neuen Rhein-Zeitung“. Deswegen müsse über die Beteiligung der Belegschaft am Unternehmen diskutiert werden müsse. „Es geht darum, Kontrolle über das zu bekommen, was man produziert“, sagte Einenkel. Manager, die nur kurzfristig im Unternehmen blieben, hätten „möglicherweise nicht die gleiche soziale Bindung zu Opel wie Menschen, die jahrelang ihre Energie und Gesundheit für das Unternehmen eingebracht haben“.

    Im Kampf um die Rettung des angeschlagenen Autobauers Opel greifen auch die Beschäftigten und die Opel-Händler ins Steuerrad: In Bochum fordert der Betriebsrat eine Beteiligung der Mitarbeiter am Unternehmen. „Die Belegschaft ist ein wesentlicher Träger des Unternehmens und hat ein großes Interesse daran, dass es Opel gut geht. Wir können es besser machen“, sagte Rainer Einenkel, der Betriebsratschef des Bochumer Opel-Werks, am Donnerstag gegenüber der „Neuen Ruhr/Neuen Rhein-Zeitung“. Deswegen müsse über die Beteiligung der Belegschaft am Unternehmen diskutiert werden müsse. „Es geht darum, Kontrolle über das zu bekommen, was man produziert“, sagte Einenkel. Manager, die nur kurzfristig im Unternehmen blieben, hätten „möglicherweise nicht die gleiche soziale Bindung zu Opel wie Menschen, die jahrelang ihre Energie und Gesundheit für das Unternehmen eingebracht haben“.

    Auch die Opel-Händler denken an eine Beteiligung. Voraussetzung sei, dass Opel vom Mutterkonzern abgenabelt und General Motors nur noch eine Minderheitsbeteiligung habe, sagte Thomas Bieling, der Sprecher des Verbandes der Opel-Händler. Die Händler könnten sich einen teilweisen Verzicht auf Gewinnmargen vorstellen, der dann kapitalisiert werden könne. Über einen Zeitraum von zwei Jahren könnten so vierhundert Millionen Euro zusammenkommen, damit könne man sich bei Opel einkaufen. Die Belegschaft könnte einen Verzicht auf Gehaltsbestandteile kapitalisieren. Bisher handle es sich bei diesem Vorschlag aber nur um eine „Grundidee“, die noch in Deutschland und Europa abgestimmt werden müsse, hob Thomas Bieling hervor.

    Ob sich damit der Finanzbedarf von Opel decken lässt, ist fraglich: Schon das Sanierungskonzept, das die Opel-Manager der Bundesregierung vorgelegt haben, bittet die Opel-Belegschaft zur Kasse: Dreitausendfünfhundert Stellen sollen gestrichen, 1,5 Milliarden Euro gespart werden. Eigenen Angaben zufolge benötigt das Unternehmen mehr als sieben Milliarden Euro zusätzliches Kapital. 3,3 Milliarden Euro erwartet der Autobauer von seinem Mutterkonzern General Motors, drei Milliarden Euro Hilfe fordert Opel vom Staat. Unterdessen wird die Zeit knapp: Am Donnerstag warnte General Motors vor seiner eigenen Insolvenz. In dem bei der amerikanischen Börsenaufsicht eingereichten Jahresbericht warnten die Wirtschaftsprüfer von Deloitte & Touche, es bestünden grundsätzliche Zweifel, ob das Unternehmen fortgeführt werden könnte, falls es nicht in der Lage sein sollte, die Verluste zu beschränken und neue Barmittel zu beschaffen. Denn die Lage von General Motors verschlechtert sich von Monat zu Monat. Im Februar fiel der Absatz des Konzerns auf dem amerikanischen Markt um 53 Prozent auf 126 170 Fahrzeuge. Vor zwei Jahren konnte General Motors im selben Monat noch knapp 312 000 Wagen absetzen. Im vergangenen Jahr verzeichnete der ehemalige Weltmarktführer einen Verlust von knapp 31 Milliarden Dollar. Das ist das zweithöchste Defizit in der hundertjährigen Geschichte des Unternehmens. 2007 lag das Minus sogar bei 38,7 Milliarden Dollar.

    Nur staatliche Überbrückungskredite, derzeit 13,4 Milliarden Dollar, halten General Motors am Leben. Für den schlimmsten Fall hat der Konzern einen Bedarf von 16,6 Milliarden Dollar angemeldet. Darüber will die amerikanische Regierung auf der Basis eines Rettungsplans entscheiden, den General Motors Ende März vorlegen will. Als Sicherheit hat General Motors die für Opel überlebenswichtigen Patente an die amerikanische Regierung verpfändet.

    Das bedeutet nicht, dass Opel über seine Patente nicht mehr verfügen kann. Beide Unternehmen besäßen künftig lizenzfreien Zugriff, klärte Armin Schild, Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat von Opel, am Freitag im ARD-Morgenmagazin die Lage. Aber gerade solche Nachrichten steigern die Angst, die Insolvenz von General Motors könne Opel und damit auch Hilfen des Staates in den Abwärtsstrudel der Pleite reißen. Gegenüber dem Bayerischen Rundfunk forderte CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer eine undurchdringliche Brandmauer, die das Unternehmen vor dem Zugriff des amerikanischen Mutterkonzerns schütze. Dies sind nicht die einzigen Fragen, die sich an das Konzept der Opel-Manager richten: Alles sieht danach aus, dass Opel zusammen mit seiner bisherigen Schwesterfirma Vauxhall künftig ein selbstständiges Unternehmen bilden wird, in dem General Motors nur Anteilseigner wäre. Aber wäre ein solches Unternehmen groß genug, um in der Automobilbranche zu überleben?

    Die Bundeskanzlerin lehnt Staatshilfen für Opel ab, weil sie das Unternehmen nicht für systemrelevant hält: Auch ohne Opel würde die Automobilbranche fortbestehen. Ein Krisentreffen der Opel-Manager mit der Bundesregierung am Freitagvormittag wurde ergebnislos abgebrochen. Es gebe noch „viele Fragen, die zu klären sind“, sagte Wirtschaftsminister zu Guttenberg. Die Bundesregierung prüfe den Rettungsplan aber weiter.

    Eines ist klar: Die jetzigen Sparbeschlüsse von Opel werden wahrscheinlich mehrere tausend Arbeitsplätze kosten, eine Insolvenz dagegen vierhunderttausend Jobs in ganz Europa. Und sie würde weitere Insolvenzen auslösen. „Die Vernetzung in der Autoindustrie ist groß“, warnte Porsche-Chef Wendelin Wiedeking gegenüber dem „Handelsblatt“ vor den Folgen einer Pleite. „Wenn über Nacht ein großer Volumenhersteller wegfiele, würde das die Lieferanten treffen, und das könnte nicht jeder verdauen.“

    Unabhängig davon gilt: Die Schwierigkeiten von Opel und General Motors haben ihren Ursprung nicht in der Finanzkrise, sondern im strukturellen Wandel, dem die westliche Automobilindustrie ausgesetzt ist: Sie verliert ihre Wettbewerbsvorteile gegenüber Schwellenländern wie China und Indien und hat entscheidende umweltökonomische Entwicklungen verschlafen. Deshalb wird sie über kurz oder lang schrumpfen. Staatliche Rettungsaktionen lösen diese Krise nicht, sondern führen höchstens dazu, dass sich die Krise künstlich verlängert. Wie kostspielig, langwierig und vergebens solche Rettungsaktionen sein können, lehrt die Geschichte der subventionierten Landwirtschaft und des Bergbaus. Finanzhilfen für schrumpfende Branchen werden wahrscheinlich Arbeitsplätze erhalten, schwerlich neue schaffen.

    Es sei denn, der Staat würde seine Finanzhilfen mit der Auflage an die betroffenen Unternehmen verbinden, sich auf Märkten zu etablieren, die Zukunft und Wachstum versprechen. So gesehen war das Angebot von Solar-World aus dem vergangenen Jahr, Opel zum ersten grünen europäischen Autokonzern weiterzuentwickeln, durchaus nicht abwegig. Opel jedenfalls hat in seiner hundertzehnjährigen Unternehmensgeschichte nicht nur Autos hergestellt: In seinen ersten Jahren hatte das Unternehmen großen Erfolg mit der Produktion von Nähmaschinen. Ob das Management bei Opel bereit ist, jenseits von Sparplänen und Umstrukturierungen neue Wege zu gehen, ist ungewiss. Mitarbeiter und Betriebsrat haben mit ihrer Bereitschaft, sich an Opel zu beteiligen, aber gezeigt, dass sie zur Rettung des Unternehmens so manchen Veränderungsprozess mittragen wollen.

    Von Reinhard Nixdorf