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    Österreich fördert Mildtätigkeit

    Wien (DT) Nach monatelangen, dem Vernehmen nach durchaus zähen Verhandlungen hat das österreichische Finanzministerium vor wenigen Tagen eine Liste von Organisationen erstellt und veröffentlicht, an die rückwirkend ab 1. Januar 2009 steuerbegünstigt gespendet werden kann. In Österreich sind Spenden als freiwillige Zuwendungen grundsätzlich nicht abzugsfähig. Ausnahmen waren schon bisher bestimmte Museen, Erwachsenenbildungs- und Forschungsprojekte, die das Finanzministerium auf 17 Seiten penibel auflistet. Dazu kommen nun 271 Einrichtungen und Vereine, die in einem vom Ministerium geprüften und für ausreichend befundenen Maß „selbst mildtätige Zwecke verfolgen oder Entwicklungs- oder Katastrophenhilfe betreiben oder für solche Zwecke Spenden sammeln“. Darüber können sich insbesondere kirchliche Organisationen freuen. Die Caritas, die Diakonie, die Päpstlichen Missionswerke (Missio), die Dreikönigsaktion und der Malteser Hospitaldienst stehen ebenso auf der heiß umkämpften Liste wie das „Haus der Barmherzigkeit“, die Lebensschutzorganisation „Aktion Leben“, die Schwesterngemeinschaft Caritas Socialis oder das Don-Bosco-Flüchtlingswerk.

    Wien (DT) Nach monatelangen, dem Vernehmen nach durchaus zähen Verhandlungen hat das österreichische Finanzministerium vor wenigen Tagen eine Liste von Organisationen erstellt und veröffentlicht, an die rückwirkend ab 1. Januar 2009 steuerbegünstigt gespendet werden kann. In Österreich sind Spenden als freiwillige Zuwendungen grundsätzlich nicht abzugsfähig. Ausnahmen waren schon bisher bestimmte Museen, Erwachsenenbildungs- und Forschungsprojekte, die das Finanzministerium auf 17 Seiten penibel auflistet. Dazu kommen nun 271 Einrichtungen und Vereine, die in einem vom Ministerium geprüften und für ausreichend befundenen Maß „selbst mildtätige Zwecke verfolgen oder Entwicklungs- oder Katastrophenhilfe betreiben oder für solche Zwecke Spenden sammeln“. Darüber können sich insbesondere kirchliche Organisationen freuen. Die Caritas, die Diakonie, die Päpstlichen Missionswerke (Missio), die Dreikönigsaktion und der Malteser Hospitaldienst stehen ebenso auf der heiß umkämpften Liste wie das „Haus der Barmherzigkeit“, die Lebensschutzorganisation „Aktion Leben“, die Schwesterngemeinschaft Caritas Socialis oder das Don-Bosco-Flüchtlingswerk.

    Das Nachsehen hatten Tierschützer und Menschenrechtsorganisationen, die vielfach nun gegen die Entscheidung der Regierung wettern. Das BZÖ will sich dafür einsetzen, dass auch die Freiwilligen Feuerwehren auf die Liste kommen. Die Grünen werfen der Regierung mangelndes Demokratieverständnis vor, weil „Umwelt- und Tierschutzanliegen“ nicht spendenbegünstigt sind. Finanz-Staatssekretär Reinhold Lopatka (ÖVP) will sich persönlich dafür einsetzen, dass Amnesty International auf die Liste kommt. Er rechnet damit, dass bis Jahresende 300 Organisationen das neue Privileg genießen.

    Leicht war es auch für die heute glücklichen 271 nicht: Sie hatten nicht nur nachzuweisen, dass sie seit mindestens drei Jahren im Sinne des Ministeriums „mildtätig“ sind oder mehr als 75 Prozent ihrer Gesamttätigkeit der Entwicklungszusammenarbeit oder der Katastrophenhilfe zuzurechnen ist. Sie müssen künftig jährlich mit aktuellen Zahlen und Testat eines Wirtschaftsprüfers belegen, dass sie weiterhin den Anforderungen entsprechen. Privatpersonen können Geldspenden an die gelisteten Vereine und Einrichtungen bis zu einer Höhe von 10 Prozent ihrer Jahreseinkünfte steuerlich geltend machen. Unternehmen dürfen Geld- und Sachspenden in Höhe von bis zu zehn Prozent des Jahresgewinns absetzen. Im Finanzministerium rechnet man mit Mindereinnahmen von 100 Millionen Euro jährlich.

    In den begünstigten Organisationen dagegen ist man mit Prognosen eher zurückhaltend. Der Leiter des Österreichischen Instituts für Spendenwesen (ÖIS), Gerhard Bittner, meinte gegenüber der „Austria Presse Agentur“ (APA), er rechne mit einer Steigerung des Spendenvolumens um 30 bis 40 Millionen Euro. Das wäre immerhin ein Zuwachs von rund zehn Prozent, denn die Österreicher spendeten im Vorjahr etwa 300 Millionen Euro; wenn man die Firmenspenden hinzurechnet sogar mehr als 400 Millionen. Das ist im internationalen Vergleich weniger glorreich als man in Österreich gemeinhin annimmt: Während die Österreicherin oder der Österreicher im Durchschnitt 37 Euro pro Jahr spendete, gab der beziehungsweise die durchschnittliche Deutsche 61 Euro, Herr und Frau Schweizer sogar 71 Euro. Wie groß der Spendenzuwachs seitens der Unternehmen sein wird, ist nicht nur wegen der Wirtschaftskrise fraglich: Viele Firmen gaben ihre Unterstützung bisher in Form von „Sponsoring“ mit Werbeeffekt, um die Spende auf diesem Umweg als Werbung steuerlich geltend machen zu können. Nun muss sich zeigen, ob sie zusätzlich spenden, oder statt Sponsoring spenden.

    Caritas-Präsident Franz Küberl macht aber angesichts der Wirtschaftskrise auch eine erhöhte Solidarität und Bereitschaft zum Teilen aus. Viele Spender würden sich jetzt nach den genauen Regeln erkundigen, um den Steuervorteil zu nutzen. Ähnlich wie bei der Caritas registriert man auch bei den Päpstlichen Missionswerken in Österreich (Missio) eine steigende Zahl von Anfragen. Zumindest bis jetzt habe die Wirtschaftskrise nicht zu einem Rückgang der Spendeneinnahmen geführt, sagt Missio-Pressesprecher Eugen Waldstein im Gespräch mit dieser Zeitung. Er hat sich für seine Spender und für alle, die es werden wollen, einen besonderen Service einfallen lassen: Ein Internet-Spendenrechner (www.spendenrechner.at) berechnet anonym und blitzschnell den persönlichen Steuervorteil. Der spendenfreudige Österreicher muss nur aus den Kategorien „Angestellter“, „Arbeiter“, „Selbständig erwerbstätig“ und „Pensionist“ wählen, dann – wegen der steuerlichen Progression – sein monatliches Bruttoeinkommen und die Höhe der beabsichtigten Spende eingeben, und schon nennt der Spendenrechner die Steuerersparnis. Knapp 4 000 Zugriffe hatte die mit Hilfe eines Wirtschaftsprüfers und Steuerberaters konzipierte Internetseite bereits in der ersten Woche, berichtet Waldstein.

    Die Päpstlichen Missionswerke sind mit Spendeneinnahmen von jährlich rund 13,6 Millionen Euro der viertgrößte Spendenempfänger in Österreich: nach dem Roten Kreuz (39 Millionen), der Caritas (37,3 Millionen) und SOS Kinderdorf (35,7 Millionen). Die Tatsache, dass nun jede Spende an Missio steuerlich absetzbar ist, hält Waldstein für eine gute Sache. Dass eine Ausweitung der Liste der begünstigten Organisationen zu einem Spendenabfluss führen könnte, glaubt er nicht: „Wir haben ein ganz klares Profil. Das kennen und schätzen unsere Spender.“

    Von Stephan Baier