• aktualisiert:

    Krise wirft Afrika weit zurück

    Nach fünf Jahren kräftigen Wachstums wird die Konjunktur auf dem afrikanischen Kon-tinent weit zurückgeworfen. Die Organisa-tion für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) spricht in diesem Zusammenhang von einem „brutalen Absa-cken“. Viele Menschen würden in die Armut zurückfallen, warnen die OECD und die Entwicklungsbank. Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) zeigte sich besorgt, dass sich die Krise für die Entwicklungsländer zu einer massiven humanitären Krise entwickeln könnte.

    Nach fünf Jahren kräftigen Wachstums wird die Konjunktur auf dem afrikanischen Kon-tinent weit zurückgeworfen. Die Organisa-tion für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) spricht in diesem Zusammenhang von einem „brutalen Absa-cken“. Viele Menschen würden in die Armut zurückfallen, warnen die OECD und die Entwicklungsbank. Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) zeigte sich besorgt, dass sich die Krise für die Entwicklungsländer zu einer massiven humanitären Krise entwickeln könnte.

    Die Befürchtungen vieler Experten wachsen unterdessen, dass der wirtschaftliche Einbruch in Afrika schwerwiegende politische Konsequenzen haben werde. Die Lage bleibe in einigen Ländern angespannt und „neue Spannungen könnten wegen der verschlechterten wirtschaftliche Lage durch die globale Krise explodieren“, prophezeit die OECD. Die schrittweise Einbindung des afrikanischen Kontinents in die Weltwirtschaft in den vergangenen 15 Jahren habe seine Verletzlichkeit gegenüber plötzlichen Rückgängen der Finanzflüsse“, erklärte die OECD in einer Studie, die sie zusammen mit der Afrikanischen Entwicklungsbank und der UN-Wirtschaftskommission für Afrika vorstellte. So seien die Auslandsinvestitionen wegen der Krise in Afrika deutlich gesunken, und auch die Geldbeträge, die in Industrieländern arbeitende Afrikaner nach Hause überweisen, seien deutlich zurückgegangen. Gleichzeitig litten viele afrikanische Staaten unter dem Zusammenbruch des Welthandels und den gesunkenen Preisen für Rohstoffe. Hinzu käme die einseitige Subventionierung westlicher Produkte zum Nachteil afrikanischer Erzeugnisse.

    Die Wirtschaftsleistung in Afrika werde in diesem Jahr bestenfalls nur noch um durchschnittlich 2,8 Prozent wachsen nach 5,7 Prozent im Vorjahr. Diese Situation könne die jüngste schwer erkämpfte Stabilität gefährden und zur Rückkehr hoher Inflation führen. Durch die steigende Arbeitslosigkeit seien auch verstärkt Proteste zu er-warten, weil die Preise für Nahrungsmittel weiter hoch seien, betonte Jose Gijon, Leiter der Afrika-Abteilung der OECD. Dies könnte auch Fortschritte in der demokratischen Entwicklung einzelner Länder bremsen. Gewaltsame Konflikte und politische Unruhen schufen schwere wirtschaftliche Probleme in Simbabwe, Somalia, Madagaskar und Guinea-Bissau. Am stärksten trifft die Krise aber das südliche Afrika, dessen Wirtschaft mit plus 0,2 Prozent nahezu stagnieren dürfte. Der boomende Öl- und Diamanten-Exporteur Südafrika habe einen dramatischen Absturz von rund zwölf Prozent zu erwarten. Die Organisation sieht aber auch positive Anzeichen für Afrikas Entwicklung. So hätten viele afrikanische Länder eine vorsichtige Wirtschaftspolitik betrieben, was die Auswirkungen der Krise teilweise auffange. Es zeigten sich auch positive Ergebnisse der engen wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit der Volksrepublik China; Afrika habe die Abhängigkeit zum Westen gelockert, der tief in der Rezession stecke. Obwohl auch China von der Krise nicht unberührt bleibe, werde seine Wirtschaft voraussichtlich in diesem Jahr um sechs Prozent wachsen. Außerdem bleibe Chinas Bedarf an Rohstoffen aus Afrika nach wie vor groß.

    Ein ähnlich düsteres Szenario entwirft der jüngste Bericht von Weltbank und Interna-tionalem Währungsfonds (IWF). In Folge der Weltwirtschaftskrise steuerten die Ent-wicklungsländer auf einen dramatischen Entwicklungsnotstand zu, heißt es in dem Bericht. In mehr als der Hälfte der Länder werde die extreme Armut voraussichtlich weiter zunehmen. Die meisten der Entwick-lungsziele der Vereinten Nationen, darunter die zur Senkung von Hunger, Krankheiten und Kindersterblichkeit würden wahr-scheinlich nicht erreicht. Bis zum Jahr 2015 sollte die Ausbreitung von HIV/Aids ge-stoppt werden.

    Entwicklungsministerin Wieczorek-Zeul meinte allerdings, Deutschland werde trotz der Krise an seinen Zusagen für die Entwicklungshilfe festhalten. Gerade jetzt müsse geholfen werden, schließlich stünden viele arme Länder kurz vor dem Bankrott. Es gebe kein Entwicklungsland, das sich den Folgen der Krise entziehen könne. „Starke Entwicklungsländer sind Teil der Lösung und wichtig, um die Weltwirtschaft nach-haltig aus der Krise zu steuern“, betonte die Ministerin diese Woche in Brüssel. Deutschland habe in diesem Jahr erneut die Mittel erhöht, so dass inzwischen 0,38 Prozent des Bruttonationaleinkommens für Entwicklung geleistet werde.

    Weltbank und IWF riefen die Staatenge-meinschaft auf, die Hilfe auszubauen. Es bedürfe dringend der Finanzierung von sozialen Sicherungsnetzen, der Infrastruktur und von Kleinunternehmen in armen Ländern, um so eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung zu sichern. Der Präsident der Weltbank, Robert Zoellick, kündigte zusätzliche Ausgaben für Infrastruktur-Maßnahmen in Höhe von 15 Milliarden Dollar über drei Jahre an. Der Chefökonom der Welthandels- und Entwicklungskonferenz der Vereinten Nationen (UNCTAD), Heiner Flassbeck, unterstützte im Südwestrundfunk die Forderung von Hilfsorganisationen nach Konjunkturpaketen für Entwicklungsländer.

    Von Robert Luchs