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    Kommentar: Aporie der Währungshüter

    Die schon mehrfach gestellte Diagnose, dass die Euro-Staaten – und damit vor allem die Europäische Zentralbank (EZB) – sich mit den sich verschärfenden Entwicklungen einer Deflation befassen müssen, wird durch die neuesten Daten bestätigt: In der Eurozone liegt die Inflationsrate bei schlappen 0,4 Prozent. Und auch in Deutschland liegt sie bei mageren 0,8 Prozent. Derweilen liegt die Rendite für zehnjährige deutsche Staatsanleihen bei etwas mehr als einem Prozent. Viele Marktteilnehmer stellen sich bereits – vor allem angesichts der geopolitischen Großwetterlage – die Frage, wann denn die Untergrenze von weniger als einem Prozent erreicht ist, weil dann deutsche Staatstitel praktisch die ihnen keineswegs zugedachte Funktion von Bargeld übernehmen würden.

    Die schon mehrfach gestellte Diagnose, dass die Euro-Staaten – und damit vor allem die Europäische Zentralbank (EZB) – sich mit den sich verschärfenden Entwicklungen einer Deflation befassen müssen, wird durch die neuesten Daten bestätigt: In der Eurozone liegt die Inflationsrate bei schlappen 0,4 Prozent. Und auch in Deutschland liegt sie bei mageren 0,8 Prozent. Derweilen liegt die Rendite für zehnjährige deutsche Staatsanleihen bei etwas mehr als einem Prozent. Viele Marktteilnehmer stellen sich bereits – vor allem angesichts der geopolitischen Großwetterlage – die Frage, wann denn die Untergrenze von weniger als einem Prozent erreicht ist, weil dann deutsche Staatstitel praktisch die ihnen keineswegs zugedachte Funktion von Bargeld übernehmen würden.

    In diesen Zusammenhang passen auch die etwas überraschenden Erklärungen der EZB sowie die der deutschen Bundesbank, die Tarifparteien täten gut daran, eine auf drei Prozent Zuwachs gerichtete Lohnerhöhung anzustreben. Natürlich sind solche – erstmals erhobenen – Forderungen, auch wenn sie nur recht moderat vorgetragen werden, nicht Sache der Währungshüter. Denn Tarifpolitik ist den Tarifvertragsparteien vorbehalten; sie ist nicht Sache der Geldpolitik.

    Doch es zeigt sich darin die ganze Aporie der Währungshüter. Sie versuchen alles, um die Inflation anzukurbeln. Denn wenn die Löhne steigen, dann – so die Rechnung – werden sich auch die Konsumausgaben der Haushalte steigern, was einen Anstieg der Preise nach sich zieht. Allerdings ist es eine Binsenwahrheit, dass ein Anstieg der Löhne ohne gleichzeitigen Zuwachs der Produktivität auf tönernen Füßen steht. Investitionen müssen her, zukunftsorientiert, nicht nur für das Tagesgeschäft. Genau hier aber liegt das Problem.

    Zwar gibt es keinerlei Anzeichen, dass in Deutschland die Kreditvergabe durch die Banken schleppend oder gar zurückhaltend wäre. Doch nach wie vor liegt das Schwergewicht der nachgefragten Kredite im Bereich der Immobilienfinanzierung. In den Peripherieländern – das ist ein Merkmal der Krise – ist die Versorgung der Realwirtschaft durch Kredite nach wie vor sehr schwierig. Ob das jüngst für diese Staaten von der EZB aufgelegte „Kreditprogramm“ zugunsten von Wachstum und Ankurbelung der Investitionen daran etwas ändert, wird man abwarten müssen. Es ist ungewiss.

    Viel wahrscheinlicher scheint es, dass die Prognose der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) – im Gegensatz zur EZB – Recht haben dürfte. Die seit Jahren von der EZB verfolgte Politik des billigen Geldes neigt dazu, Blasen auf dem Immobilien- und auch auf dem Aktienmarkt zu schaffen, die irgendwann platzen. Und auch das Beispiel Japans schreckt immer mehr: Die Deflation, die dort seit Jahrzehnten herrscht, schafft eine langanhaltende Rezession, und die Geldpolitik – vor allem auch die des billigen Geldes – schafft keinen nachhaltigen Ausweg oder eine dauerhafte Umkehr. Die Eurozone nähert sich dieser Wegmarke.