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    Mönchengladbach

    Kolumne: (Noch) Zeit zum Handeln

    2020 kann auch mit Blick auf den Klimawandel ein gutes neues Jahr werden.

    Thomas Berenz
    Thomas Berenz ist Leiter des Arbeitsbereiches Erwachsenen- und Familienbildung in Berlin. Foto: privat

    Zum Ende des Jahres 2019, das seit Beginn der regelmäßigen Messungen im Jahr 1881 in Deutschland im Durchschnitt das drittwärmste Jahr war, hatte sich noch einmal gezeigt, wie viel Zündstoff im Thema „Klimawandel“ steckt. Ein als musikalisch-satirischer Beitrag gedachtes Video des WDR, in dem ein Kinderchor der Generation der Großeltern eine erhebliche Mitschuld an den Folgen des Klimawandels gab, sorgte für Aufregung im weihnachtlichen Familienfrieden.

    „Fridays for Future“- Bewegung auch 2020

    Hinzu kam die Debatte um ein generelles Verkaufsverbot von Feuerwerkskörpern, die vor allem in der Silvesternacht eine große Menge an CO2 und Feinstaub freisetzen. Damit ging ein Jahr zu Ende, in dem der Klimawandel, seine Ursachen, Folgen und die daraus resultierenden Herausforderungen für uns heute wohl das bestimmende Thema in Deutschland war.

    Doch wie wird es weitergehen? Auch im Jahr 2020 wird die „Fridays for Future“- Bewegung vor allem wieder junge Menschen mobilisieren, die lautstark einen effizienten Klimaschutz einfordern. Inwiefern diese Forderung bei den politischen Akteuren Gehör findet, wird sich in diesem Jahr zeigen müssen.

    In ihrer Neujahrsansprache hat Bundeskanzlerin Angela Merkel versprochen, sich mit aller Kraft dafür einzusetzen, ökonomisch, ökologisch und sozial „alles Menschenmögliche“ zu unternehmen, den Klimawandel in den Griff zu bekommen.

    Verantwortung trägt jeder Einzelne

    Dass der noch so gute Wille in der Umsetzung schnell an seine Grenzen kommen kann, hat der Minimalkompromiss der UN-Klimakonferenz in Madrid ebenso gezeigt, wie das Klimapaket der deutschen Bundesregierung.

    Doch anstatt ausschließlich auf die großen nationalen oder globalen staatlichen Lösungen zu warten, steht jeder Einzelne bereits heute in der Verantwortung, seinen persönlichen Beitrag zum Schutz des „gemeinsamen Hauses“, das uns von Gott treuhänderisch anvertraut ist, zu leisten. Zum Glück streiten die meisten Menschen den Klimawandel nicht ab. Getan wird aber, vor allem in unseren Breitengraden, trotzdem immer noch viel zu wenig.

    Gebot der Gerechtigkeit

    Die Angst vor dem Wandel des eigenen Lebensstils scheint fast größer zu sein, als die Angst vor den Folgen des Klimawandels. Es wäre daher ein guter Vorsatz für das neue Jahr, den eigenen Lebensstil, das eigene Konsum- und Mobilitätsverhalten kritisch zu überdenken und an die Stelle einer Ökonomie des Wachstums, des Immer-Mehr, eine verantwortungsvolle Ökonomie des Genug, der Genügsamkeit zu setzen.

    Dies ist auch ein Gebot der Gerechtigkeit: der Gerechtigkeit gegenüber den Menschen, die in besonderer Weise unter den Folgen des Klimawandels und unter den Folgen unseres Konsums leiden, der Gerechtigkeit gegenüber den jüngeren und kommenden Generationen und letztlich der Gerechtigkeit gegenüber der Schöpfung insgesamt, deren Teil der Einzelne ist und der er sich solidarisch verpflichtet fühlen sollte.

    Wenn uns das mehr und mehr bewusst wird und uns zum Handeln anregt, dann kann 2020 auch mit Blick auf den Klimawandel ein gutes neues Jahr werden.

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