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    Kolumne: Humanität braucht Werte

    Die seit 2007 bestehende und noch immer nicht wirklich überwundene Finanz- und Weltwirtschaftskrise haben bei vielen die Frage nach der Qualität des Lebens, nach der Sinnfrage und dem eigentlichen Glück auftauchen lassen. Es geht auch um die Frage, welcher Fundamente eine funktionierende humane Gesellschaft bedarf? In diesem Zusammenhang ist der Ruf nach einer stärkeren Zuwendung zu ideellen Werten laut geworden.

    Professor Herbert Prybil. Foto: Archiv.

    Die seit 2007 bestehende und noch immer nicht wirklich überwundene Finanz- und Weltwirtschaftskrise haben bei vielen die Frage nach der Qualität des Lebens, nach der Sinnfrage und dem eigentlichen Glück auftauchen lassen. Es geht auch um die Frage, welcher Fundamente eine funktionierende humane Gesellschaft bedarf? In diesem Zusammenhang ist der Ruf nach einer stärkeren Zuwendung zu ideellen Werten laut geworden.

    Über „Werte“ zu schreiben ist schwierig, da man darunter Unterschiedliches verstehen kann. Im älteren deutschen Sprachgebrauch bezeichnet der Begriff „Grundwert“ den Wert von Grund und Boden. „Wert“ ist zunächst ein ökonomischer, dann aber auch ein ethischer Begriff. Wenn hier von „Werten“ oder „Grundwerten“ geschrieben wird, ist deren ethische Bedeutung gemeint.

    Unter dem Begriff „Wert“ in einem ganz allgemeinen Sinn versteht man das, was angestrebt und geliebt wird, was anerkennungs- und bewunderungswürdig ist. Ein Wert ist auch eine Auffassung von zu Wünschendem, der explizit oder implizit für ein Individuum oder für eine Gruppe kennzeichnend ist und welcher die Auswahl der zugänglichen Weisen, Mittel und Ziele des Handelns beeinflusst. In diesem Sinn kann man dann unter einem Grundwert das für ein Individuum, für eine Gruppe oder für ein umfassendes Sozialgebilde Wesentliche, besonders Bedeutende und Anzustrebende verstehen.

    Die Pastoralkonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils hält fest, „dass alles auf Erden auf den Menschen als seinen Mittel- und Höhepunkt hinzuordnen“ (Gaudium et spes 12) sei. Demnach ist die menschliche Person mit ihrer Würde der zentrale Grundwert, aus dem sich weitere Grundwerte ableiten lassen. Daraus leiten sich Gleichheit, Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität ab. Diese fordern aber ihre Realisierung. Der Grundwert der Solidarität fordert zum Beispiel einen innerstaatlichen, überregionalen und letztlich weltweiten Wohlstandsausgleich.

    Aus der Personwürde folgen neben den Grundwerten weitere Folgewerte. Zu diesen gehören Werte wie Liebe, Wahrhaftigkeit, Redlichkeit, Treue, Toleranz, Subsidiarität, Gemeinwohl, Friede, Ehe und Familie. Diese zum Teil sehr alten Werte sind um jene Werte zu ergänzen, die erst in den letzten Jahrzehnten ins Blickfeld des Interesses getreten sind. Es sind dies Werte, die mit dem Eigenwert der außermenschlichen Schöpfung zusammenhängen und die als Grundwerte im weiteren Sinn des Wortes bezeichnet werden können. Die Natur und ihre Bewahrung und Schonung im Sinne von Nachhaltigkeit sind solche zu beachtenden Werte.

    Wo beispielsweise Machtbegehren, Profitstreben, Geltungssucht, Neid und Maßlosigkeit die Menschlichkeit bedrohen, können die grundlegenden Werte der Solidarität, der Gleichheit und der Gerechtigkeit zur Rettung und zur Förderung von Humanität führen.

    Fasst man Humanität als jenes Wertebündel, in dem Grundlegendes über die schöpfungsbezogene Menschlichkeit und Prinzipielles zur Verwirklichung solcher Menschlichkeit ausgedrückt ist, dann ist die humane Zukunft durch etliche Krisenfaktoren besonders bedroht. Zu diesen Krisenfaktoren zählen ein möglicher ökologischer Kollaps infolge der Umweltverschmutzung, die radioaktive Strahlenbelastung durch Atomabfallprodukte sowie der internationale Terrorismus. Gerade dieser internationale Terrorismus kann heute als große Bedrohung der menschlichen Grundwerte angesehen werden.

    Die gravierenden Bedrohungen einer humanen Zukunft der Menschheit rufen nach einer Wertebesinnung und nach einer Festigung jener Werte, die um des gemeinsamen Überlebens willen allgemein zu akzeptieren und zu respektieren sind. Humanität bedarf zu ihrer Verwirklichung bestimmter ideeller Wertvorstellungen.

    Der Autor ist Professor für Ethik und Christliche Gesellschaftslehre sowie Vorstand des Instituts für Ethik und Sozialwissenschaften an der Phil.-Theol. Hochschule Benedikt XVI. Heiligenkreuz bei Wien.