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    Kolumne: Hüter dieser Erde?

    „Wir sind Hüter, nicht Herren unserer Erde. Jeder ist persönlich verantwortlich für die Bewahrung der Schöpfung, kostbares Geschenk Gottes.“ Dieser Tweet von Papst Franziskus vom 30. Mai 2016 – der als ordentliches Magisterium gelten darf – zeigt nicht nur die persönliche Dimension der Verantwortung für das gemeinsame Haus. Darüber hinaus ist die Tatsache, dass diese Mikronachricht unmittelbaren Zugang auf unsere Mobilgeräte oder Computer fand, ein Zeichen dafür, dass wir im Informationszeitalter leben.

    Christian Rolando Loza Adaui. Foto: privat

    „Wir sind Hüter, nicht Herren unserer Erde. Jeder ist persönlich verantwortlich für die Bewahrung der Schöpfung, kostbares Geschenk Gottes.“ Dieser Tweet von Papst Franziskus vom 30. Mai 2016 – der als ordentliches Magisterium gelten darf – zeigt nicht nur die persönliche Dimension der Verantwortung für das gemeinsame Haus. Darüber hinaus ist die Tatsache, dass diese Mikronachricht unmittelbaren Zugang auf unsere Mobilgeräte oder Computer fand, ein Zeichen dafür, dass wir im Informationszeitalter leben.

    Information ist ein fundamentales Element der Entscheidungsfindung. Die Qualität und Quantität der verfügbaren Informationen können nicht nur die Qualität einer Entscheidung beeinflussen, sondern auch als Grundlage für die Etablierung der Grenzen der persönlichen Verantwortung dienen. Dies zeigt sich zum Beispiel in unseren täglichen Kaufentscheidungen.

    Einige Wirtschaftsmodelle nehmen beispielsweise an, dass im Markt vollkommene Transparenz vorhanden ist, so dass Kaufentscheidungen in erster Linie durch Informationen über den Preis und die Qualität der Produkte angetrieben werden. Nach diesem Modell würden Produkte mit niedrigeren Preisen und/oder höherer Qualität immer bevorzugt. Es kann sogar der Kauf von einigen Produkten zu einem hohen Preis aufgrund ihrer höheren Qualität gerechtfertigt werden.

    Komplizierter wird es, wenn die vorhandenen Produktinformationen Aspekte moralischen Charakters beinhalten: Verfügt man etwa über Auskünfte über moralisch nicht vertretbare Arbeitsbedingungen, unter denen Arbeitskräfte für die Produktion bestimmter Güter arbeiten; oder es könnte sein, dass man sich selbst, aufgrund der Informationen über Umweltverschmutzungen, die durch die Produktion von bestimmten Produkten entstehen, nicht als „Hüter“ der Erde ansehen kann. In solchen Situationen wird evident, dass die moralische Neutralität wirtschaftlicher Entscheidungen nur ein Schein ist.

    In diesen Zusammenhang schrieb Papst Benedikt XVI. in der Enzyklika Caritas in veritate: „Es ist gut, dass sich die Menschen bewusst werden, dass das Kaufen nicht nur ein wirtschaftlicher Akt, sondern immer auch eine moralische Handlung ist. Die Konsumenten haben daher eine soziale Verantwortung, die mit der sozialen Verantwortung des Unternehmens einhergeht“ (Nr. 66).

    Eine der Möglichkeiten, die das Informationszeitalter eröffnet, ist, die wirtschaftliche Entscheidungsfindung aus einer normativen Perspektive neu zu konfigurieren. Diese Chancen sind nur einen Handgriff weit entfernt, tatsächlich ermöglichen dies die Smartphones und Mobilgeräte, die viele von uns tagtäglich benutzen. Zahlreich sind die Initiativen, die dieses Ziel verfolgen. Es gibt nicht nur viele Gütesiegel, die eine höhere Transparenz bezüglich bestimmter Themen in den Markt bringen, wie zum Beispiel die Fairtrade-, Bio-, Lokal-, Regional-, Carbonneutral-, und ähnliche Siegel. Es gibt auch Applikationen, die den Verbraucher bei mangelnden Informationen unterstützen, zum Beispiel „Codecheck“ und „Barcoo“. Hier wird auch klar, wie mehr und auch bessere Information einen größeren Freiheitsraum für wirtschaftliche Entscheidungen eröffnet. Derzeit erleben wir das Phänomen, dass, wenn man moralisch relevante Informationen besitzt, der Käufer berufen wird, subsidiär zu handeln und immer mehr persönliche Verantwortung zu übernehmen.

    Es ist klar, dass Wissen nicht unbedingt Handeln impliziert; das heißt, es ist möglich, dass eine Person die Absicht hat, ein nicht nur qualitativ hochwertiges, sondern auch ein unter moralisch vertretbaren Umständen entstandenes Produkt zu kaufen, dieses jedoch nicht bezahlen kann, da der entsprechende Preis möglicherweise sehr hoch sein könnte.

    Eine solche Situation ist etwas besonderes, weil sie das Freiheitsverständnis innerhalb der Wirtschaft in Frage stellt. Sie erweitert den Entscheidungshorizont in Richtung eines qualitativen Freiheitsverständnisses, in dem die wirtschaftliche Rationalität mit moralischer Rationalität bereichert wird. Dazu schrieb Papst Franziskus in seiner Enzyklika Laudato si: „Die christliche Spiritualität schlägt ein anderes Verständnis von Lebensqualität vor und ermutigt zu einem prophetischen und kontemplativen Lebensstil, der fähig ist, sich zutiefst zu freuen, ohne auf Konsum versessen zu sein“ (Nr. 222).

    Der Autor ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und Mitglied des International Observatory Card. Van Thuân for the Social Doctrine of the Church.