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    Kolumne: Die Kirche und die Banken

    In diesem Sommer hat Papst Franziskus eine weitere Etappe bei der Umgestaltung des gemeinhin als Vatikanbank bezeichneten „Instituto per le Opere di Religione“ eingeleitet. Nachdem bereits unter seinem Vorgänger Benedikt XVI. eine Wende vollzogen wurde, mit einer komplett neuen Geschäftsleitung, der Überprüfung aller und Sperrung beziehungsweise Löschung problematischer Konten sowie der Einstellung von ethisch fragwürdigen und intransparenten Praktiken, wurden nach der erstmaligen öffentlichen Vorlage eines Geschäftsberichts im Juli 2014 die Aufgaben der Bank weiter eingeschränkt. Wie der im Februar eingesetzte päpstliche „Wirtschafts- und Finanzminister“ George Kardinal Pell mitteilte, sollen nur noch „katholische Institutionen, Mitglieder des Klerus, Angestellte des Vatikan sowie Diplomaten und Botschafter am Sitz des Heiligen Stuhls“ Konten bei der Vatikanbank haben dürfen.

    Professor Frank Zschaler. Foto: priv.

    In diesem Sommer hat Papst Franziskus eine weitere Etappe bei der Umgestaltung des gemeinhin als Vatikanbank bezeichneten „Instituto per le Opere di Religione“ eingeleitet. Nachdem bereits unter seinem Vorgänger Benedikt XVI. eine Wende vollzogen wurde, mit einer komplett neuen Geschäftsleitung, der Überprüfung aller und Sperrung beziehungsweise Löschung problematischer Konten sowie der Einstellung von ethisch fragwürdigen und intransparenten Praktiken, wurden nach der erstmaligen öffentlichen Vorlage eines Geschäftsberichts im Juli 2014 die Aufgaben der Bank weiter eingeschränkt. Wie der im Februar eingesetzte päpstliche „Wirtschafts- und Finanzminister“ George Kardinal Pell mitteilte, sollen nur noch „katholische Institutionen, Mitglieder des Klerus, Angestellte des Vatikan sowie Diplomaten und Botschafter am Sitz des Heiligen Stuhls“ Konten bei der Vatikanbank haben dürfen.

    Das 1942 gegründete Finanzinstitut der römischen Kurie war seit dem Skandal um die Banco Ambrosiana Ende der 1970er nicht mehr aus den Negativschlagzeilen herausgekommen und hatte sich den zweifelhaften Ruf eingehandelt, eines der Offshore-Finanzzentren Europas zu sein. Darunter versteht man einen Finanzplatz mit abgesichertem Bankgeheimnis, aber einer nicht beziehungsweise kaum bestehenden Bankenaufsicht, was fragwürdige Transaktionen, zum Beispiel zur Steuervermeidung in anderen Staaten beziehungsweise Geldwäsche ermöglicht. Die in der Satzung der Bank von 1990 vorgesehenen Aufsichtsgremien konnten diese Praktiken nicht wirkungsvoll unterbinden. Dass so etwas möglich war, kann nur zum Teil mit dem Versagen von Personen erklärt werden. Es waren auch fehlende institutionelle Grundlagen, die gutes Banking behinderten, darunter effiziente Regeln zur Bankenaufsicht und zur Transparenz. Mit den oben erwähnten Reformschritten wurden diese Defizite überwunden. Wie wichtig Papst Franziskus eine institutionelle Neuausrichtung der Kurie in diesem Bereich ist, zeigt besonders die Gründung eines Wirtschaftssekretariats mit Zuständigkeit für alle wirtschaftlichen und finanziellen Fragen, geleitet von Kardinal Pell, sowie die Berufung eines aus Klerikern und Laien bestehenden Wirtschaftsrats als Experten- und Beratungsgremium.

    Dabei besteht eigentlich gar kein Antagonismus zwischen der Kirche und kirchlichen Bankgeschäften. In Deutschland bestehen gegenwärtig sieben Banken in Trägerschaft der katholischen und zwei in Trägerschaft der evangelischen Kirche sowie weitere freikirchliche. Bei ihnen legen nicht nur die Kirchen und die kirchlichen Institutionen sowie deren Angestellte einen großen Teil ihres Geldes an, sondern immer mehr Privatkunden. Um nur zwei Beispiele von katholischer Seite zu nennen: Die Pax-Bank Köln, 1917 als Selbsthilfeorganisation von Priestern gegründet, ist heute ein genossenschaftliches Kreditinstitut, das als Universalbank alle Bankgeschäfte abwickelt. Ebenfalls 1917 entstand der Vorgänger der heutigen LIGA-Bank, eine eingetragene Genossenschaft in Regensburg, die neben Universalbankgeschäften Versicherungsleistungen anbietet und sich als Finanzdienstleister für die katholische Kirche im süddeutschen Raum versteht.

    Beide Banken verfolgen ethische und nachhaltige Anlagestrategien, was sie in den letzten Jahrzehnten immer attraktiver für private Anleger werden ließ. Kriterien für die Aufnahme von Wertpapieren in Anlage-Portfolios sind unter anderem die ethischen Werte und Einstellungen der entsprechenden Unternehmen, ihr Umgang mit den Mitarbeitern, ökologische Standards sowie die wirtschaftlichen Ziele, die nicht ausschließlich auf Profitmaximierung ausgerichtet sein sollen. In der Finanzberatung wird nicht nur auf die jeweilige persönliche Situation des Kunden eingegangen, sondern explizit auf Risiken von Anlagen hingewiesen. Bereits auf den Homepages erfolgen Risikohinweise, was nichtkirchliche Banken in dieser Konsequenz nicht praktizieren. Dennoch arbeiten die beiden kirchlichen Banken erfolgreich gewinnorientiert und publizieren die Jahresbilanzen sowie die Gewinn- und Verlustrechnungen in ihren auf den Homepages öffentlich zugänglichen Geschäftsberichten.

    Banken sind, darüber kann es keine Zweifel geben, wichtige Finanzintermediäre in einer immer komplexeren Welt. Aber sie sollten, wie der Begriff des Intermediärs ja naheliegt, als Vermittler bei der Realisierung nachhaltiger, ethischer, sozialer, ökologischer und ökonomischer Ziele eine dienende Funktion einnehmen, dem Erhalt und der Verbesserung der menschlichen Lebensgrundlagen dienen und nicht eine unbegrenzte Gewinnmaximierung betreiben. Dass so etwas möglich ist, zeigen auch die kirchlichen Banken in Deutschland.

    Der Autor ist Professor für Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und Gastprofessor für Wirtschaftsgeschichte und Wirtschaftsethik an der Steinbeis Hochschule Berlin.