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    KOLumne: Person und Gemeinschaft

    Dass Franziskus, der Papst vom anderen Ende der Welt, ein besonderes Gespür für Europa besitzt, hat er mehrfach unter Beweis gestellt: Den Anfang bildete seine allererste Reise, die ihn im Juli 2013 nach Lampedusa und damit an einen späteren Brennpunkt europäischer Politik geführt hat. Darauf folgte im November 2014 sein Besuch im Europaparlament in Straßburg, wo er Europa nicht einfach nur mit dem Vergleich einer unfruchtbar gewordenen Großmutter kritisierte, sondern den Kontinent mit seiner Botschaft der Hoffnung dazu ermunterte, seiner kulturellen und politischen Sendung gerecht zu werden. Bei der Verleihung des Karlspreises im Mai 2016, der ihm für seine Verdienste um die Europäische Einigung zugeeignet wurde, stellte er Europa vor drei Aufgaben: Dialog, Integration und die Fähigkeit, etwas Neues hervorzubringen. Dabei würdigte er die Soziale Marktwirtschaft in Deutschland als Beispiel einer guten Wirtschaftsordnung. Und schließlich empfing Franziskus im März 2017 die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union anlässlich des 60-jährigen Jubiläums der Römischen Verträge im Vatikan und unterstrich damit seine Unterstützung für die durch die Eurokrise, den Brexit und die Diskussion über Flüchtlingsströme ins Straucheln gekommene Europäische Union.

    Matthias Belafi. Foto: privat

    Dass Franziskus, der Papst vom anderen Ende der Welt, ein besonderes Gespür für Europa besitzt, hat er mehrfach unter Beweis gestellt: Den Anfang bildete seine allererste Reise, die ihn im Juli 2013 nach Lampedusa und damit an einen späteren Brennpunkt europäischer Politik geführt hat. Darauf folgte im November 2014 sein Besuch im Europaparlament in Straßburg, wo er Europa nicht einfach nur mit dem Vergleich einer unfruchtbar gewordenen Großmutter kritisierte, sondern den Kontinent mit seiner Botschaft der Hoffnung dazu ermunterte, seiner kulturellen und politischen Sendung gerecht zu werden. Bei der Verleihung des Karlspreises im Mai 2016, der ihm für seine Verdienste um die Europäische Einigung zugeeignet wurde, stellte er Europa vor drei Aufgaben: Dialog, Integration und die Fähigkeit, etwas Neues hervorzubringen. Dabei würdigte er die Soziale Marktwirtschaft in Deutschland als Beispiel einer guten Wirtschaftsordnung. Und schließlich empfing Franziskus im März 2017 die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union anlässlich des 60-jährigen Jubiläums der Römischen Verträge im Vatikan und unterstrich damit seine Unterstützung für die durch die Eurokrise, den Brexit und die Diskussion über Flüchtlingsströme ins Straucheln gekommene Europäische Union.

    Aufbauend auf diesen Reden und Symbolen hat Papst Franziskus nun eine weitere Botschaft an Europa gerichtet. Beim Kongress „(Re)thinking Europe“, den die Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Union (ComECE) zusammen mit dem Staatssekretariat vor zwei Wochen im Vatikan veranstaltet hat, sprach der Papst erneut über Europa. Dabei ergänzte er seine drei Schwerpunkte aus der Karlspreis-Rede und bezeichnete „Dialog, Inklusion, Solidarität, Entwicklung und Frieden“ als die „Mauersteine“ des europäischen Baus, zu dessen Fundamenten er die Person und die Gemeinschaft erklärte.

    Wie wichtig der Dialog ist, den der Papst eine „Grundverantwortung der Politik“ nennt, zeigt die Zunahme der Differenzen zwischen den verschiedenen europäischen Staaten. Wenn die EU nicht auseinanderdriften soll, ist es mehr denn je erforderlich, dass die Politik, dass aber auch die Gesellschaften in einem beständigen Dialog bleiben. Es gilt, miteinander und nicht übereinander zu sprechen. Unter dem Stichwort der Inklusion wiederholte Franziskus seine Forderung zur Flüchtlingsaufnahme in Europa. Die Solidarität betonte er vor allem mit Blick auf das Miteinander der Generationen. Europa habe sich als unfähig erwiesen, „den jungen Menschen die materiellen und kulturellen Werkzeuge zu übergeben, um sich der Zukunft zu stellen“. Vor allem unterstrich der Papst die Bedeutung der Bildung und beschrieb sie für die Persönlichkeitsentwicklung als Herausforderung für die ganze Gesellschaft.

    Bildung ist gleichzeitig aber auch Grundlage der sozialen Entwicklung. Daher forderte Franziskus Europa auf, zu einer Quelle der Entwicklung zu werden, und stellt den Wert der Arbeit für das Selbstwertgefühl und für gesellschaftliche Beteiligung heraus. Die nach wie vor hohe Arbeitslosigkeit, vor allem im Süden Europas und vor allem unter Jugendlichen, führt hingegen zu Perspektivlosigkeit. Die Europäische Union ist hier gefordert. Es geht um den Menschen, aber genau diese Orientierung an der Person ist auch Grundlage einer nachhaltigen Politik für die Gemeinschaft. Und schließlich betont der Papst den Frieden als die ursprüngliche Motivation der Europäischen Einigung, aber auch als fortdauernde Integrationsbegründung und als Verpflichtung zur weiteren Zusammenarbeit.

    Mit seinen konkreten sozialen Forderungen an Europa und der gleichzeitigen Betonung der grundsätzlichen Ziele der Integration macht Franziskus deutlich: Europa ist kein Selbstzweck, sondern muss dem Menschen und seiner Entwicklung sowie der Entwicklung der Gemeinschaft dienen.

    Von Matthias Belafi

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