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    München / Würzburg

    Im Dienst der Demokratie

    Wenn die Hanns-Seidel-Stiftung in den Medien erwähnt wird, dann steht meistens davor "CSU-nah".

    Wenn die Hanns-Seidel-Stiftung in den Medien erwähnt wird, dann steht meistens davor „CSU-nah“. Das Modell der parteinahen Stiftungen gibt es in dieser Form nur in Deutschland – wodurch zeichnet sich dieser Ansatz aus?

    Die parteinahen Stiftungen, auch Politische Stiftungen genannt, sind thematisch orientiert am Wertefundament der Parteien, denen sie nahestehen. Für die Hanns-Seidel-Stiftung gelten christlich-soziale Grundsätze, daher CSU-nah. Dennoch sind die Stiftungen von den Parteien finanziell, organisatorisch und rechtlich getrennt. So hat auch das Bundesverfassungsgericht im Jahr 1986 geurteilt. Die Hanns-Seidel-Stiftung arbeitet seit 1967 gemäß dem Slogan „Im Dienst von Demokratie, Frieden und Entwicklung“.

    Politische Bildungsarbeit ist ein wichtiges Arbeitsfeld der Stiftung. Wie sieht die heute aus und welche Personengruppen sprechen Sie damit an?

    Politische Bildung ist wichtiger denn je! Denn jede Demokratie braucht Demokraten. Demokratie muss von jeder Generation neu verinnerlicht und gelebt werden. Auf der Welt gibt es viele Länder ohne demokratischen Aufbau oder in denen die Demokratie nicht gefestigt ist.

    Häufig sind Meinungsfreiheit und Menschenrechte eingeschränkt. Auch dort sind wir tätig. In Deutschland bietet die Hanns-Seidel-Stiftung Seminare (circa 1 500 pro Jahr), in denen Politik erklärt oder analysiert wird.

    Jetzt, im Vorfeld der Kommunalwahlen, schulen wir Kandidatinnen und Kandidaten. Wir sprechen grundsätzlich alle Bürgerinnen und Bürger an, die sich politisch oder gesellschaftlich engagieren möchten, dazu zählt zum Beispiel auch die Führung eines Vereins.

    Die Hanns-Seidel-Stiftung hat Angebote für Menschen jeden Alters. Für junge Leute bis 32 Jahre bieten wir zudem Stipendienprogramme. Voraussetzung hierfür ist gesellschaftliches Engagement. Das kann neben dem sozialen oder politischen auch das kirchliche Engagement sein.

    Sie unterhalten auch Büros im Ausland. Welche Standorte sind hier von besonderer Bedeutung?

    Alle Standorte sind wichtig, sonst wären wir nicht dort. Aufgabe der Politischen Stiftungen ist neben dem internationalen Dialog auch die Entwicklungszusammenarbeit. Wir führen hochrangige politische Dialoge mit Büros in Washington, Brüssel, Moskau und weiteren Städten, leisten aber gleichzeitig in über 50 Ländern dieser Erde mit Partnern vor Ort einen Beitrag zur Entwicklungszusammenarbeit der Bundesrepublik Deutschland. Vorrangig fördern wir die Strukturen der Demokratie, der Rechtstaatlichkeit (Good Governance), setzen uns für bessere Bildungsangebote ein und helfen insgesamt, die Armut in den Ländern des Globalen Südens zu bekämpfen, indem wir Hilfe zur Selbsthilfe anbieten.

    Wie finanziert sich die Stiftung?

    Die Hanns-Seidel-Stiftung – wie alle anderen Politischen Stiftungen – erhalten öffentliche Mittel aus dem Bundeshaushalt. Der Deutsche Bundestag stellt die Mittel zur Verfügung, Bundesbehörden überwachen die zweckgebundene Verwendung. Basis für die Höhe der Zuweisungen ist ein Verteilungsschlüssel, der die letzten drei Bundestagswahlergebnisse der jeweils nahestehenden Partei heranzieht, in unserem Fall die CSU. Projektgebunden erhalten wir auch noch Mittel der Europäischen Union oder des Freistaats Bayern. Einen Teil erwirtschaften wir selbst durch Seminartätigkeit oder Vermietung unserer Tagungsräume. Insgesamt stehen uns pro Jahr circa 70 Millionen Euro für unsere Arbeit in Deutschland und weltweit zur Verfügung. Wir stärken die demokratischen Strukturen, bieten über 1 200 jungen Menschen ein Stipendium und setzen uns für bessere Lebensbedingungen der Menschen ein.

    Im Überblick

    Die Hanns-Seidel-Stiftung steht der CSU nah. Neben ihr existieren noch sechs weitere parteinahe Stiftungen (Konrad-Adenauer-Stiftung: CDU; Friedrich-Ebert-Stiftung: SPD; Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit: FDP; Heinrich-Böll-Stiftung: Grüne; Rosa-Luxemburg-Stiftung: Die Linke; Desiderius-Erasmus-Stiftung: AfD). Die Hanns-Seidel-Stiftung ist nach dem bayerischen Ministerpräsidenten Hanns Seidel (1901–1961) benannt, er regierte zwischen 1957 und 1960. Oliver Jörg ist seit diesem Jahr Generalsekretär der Stiftung. Vorsitzende ist die ehemalige bayerische Staatsministerin für Bundesangelegenheiten, Ursula Männle.

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