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    Bouaké/Elfenbeinküste

    Gerangel um den Eco

    Am „Eco“, der neuen Währung in Westafrika, scheiden sich die Geister. Aufbruch in eine neue Phase der Entkolonialisierung, sagen die einen, für die anderen ist er die Zementierung der Abhängigkeit.

    Frankreichs Präsident Macron besucht Bouake
    Der französische Staatspräsident Emmanuel Macron (l.) und der Präsident der Elfenbeinküste Alassane Ouattara (r) stellte... Foto: Reuters

    In diesem Jahr soll er eingeführt werden. Kurz vor Weihnachten hatten der französische Präsident Emmanuel Macron und sein Amtskollege aus der Elfenbeinküste (Côte d'Ivoire), Alassane Ouattara, den Nachfolger des bisherigen CFA-Francs in der ivorischen Hauptstadt Abidjan vorgestellt.

    Eco in acht Staaten Westafrikas

    Laut Macron und Ouattara soll der Eco in acht frankophonen Staaten Westafrikas eingeführt werden: Senegal, Mali, Niger, Burkina Faso, Guinea-Bissau, Togo, Benin und der Elfenbeinküste. Die sechs zentralafrikanischen Staaten des Wirtschaftsraums Cemac wollen später dazustoßen.

    Bis es soweit ist, muss jedoch noch ein Herstellungsort in Afrika gefunden werden, denn Chamalieres als Druckstätte des CFA-Franc (in Zentralfrankreich) kommt wohl nicht mehr infrage. Die Kappung der Verbindung zum früheren Mutterland Frankreich soll schließlich auch nach außen hin sichtbar werden. So ist jedenfalls das Kalkül derer, die sich vom Eco mehr Emanzipation Westafrikas von der ehemaligen Kolonialmacht erhoffen.

    Tatsächlich bringt er eine gewichtige Neuerung mit sich: Die teilnehmenden Staaten müssen nicht mehr die Hälfte ihrer Geldreserven bei der Banque de France in Paris deponieren, wie es unter dem CFA der Fall ist. Die Franzosen sind zudem nicht mehr in den Kontrollgremien vertreten. Aber: Der Eco soll wie der CFA-Franc an den Euro gekoppelt bleiben.

    Währungsparität zwischen Euro und Eco

    Die Währung der afrikanischen Volkswirtschaften hängt damit weiterhin von Vorgängen in Westeuropa, nicht in ihrem eigenen Land ab. Das schließt jede Abwertung aus und könnte deshalb der westafrikanischen Exportwirtschaft schaden. Die komplette Loslösung vom Euro stößt aber in Frankreich auf Widerstand. Sie werde, so hört man in Paris, nur dazu führen, dass sich die Westafrikaner nicht mehr bei der EU verschuldeten, sondern bei China.

    Tatsächlich ist Peking immer stärker präsent in Afrika mit zum Teil riesigen Investitionen. Der Run der Geber ähnelt einem Wettlauf um die besten Plätze am Buffet Westafrika. Kein Wunder, dass die Lobbyisten der europäischen, meist französischen Großkonzerne für eine absolute Währungsparität zwischen Euro und Eco plädieren. Das würde europäische Geschäfte und Gewinne absichern.

    China spielt derweil die Position des anglophonen Ghanas in die Karten. Es steht wirtschaftlich besser da als seine frankophonen Nachbarn, schließt aber nicht aus, den Eco zu übernehmen – jedoch nur, wenn dieser nicht mehr an den Euro gekoppelt wäre. Als Kompromiss schwebt der ghanaischen Regierung vor, dass der Eco einem Leitwährungsmix aus Dollar, Yuan und Euro in einer gewissen Bandbreite folgen sollte.

    Zusammenwachsen des Wirtschaftsraums unabdingbar

    Die Dinge sind also stark in Bewegung, zumal auch die Regionalmacht Nigeria ein Wörtchen mitreden will. Das wirtschaftliche Schwergewicht mit rund 200 Millionen Einwohnern – es stellt dank seiner Ölexporte allein 70 Prozent der Wirtschaftsleistung Westafrikas – will sich dem Eco nur anschließen, wenn die übrigen Partner Budgetdefizit, Staatsschuld und Inflation eingrenzen, wie man es vom EU-Maastrichtvertrag kennt. Bis zu einer solchen Sanierung ist der Weg allerdings noch weit.

    Ebenso könnte Großbritannien nach dem Brexit versuchen, seinen wirtschaftlichen Einfluss im prosperierenden Westafrika auszubauen. Auch London war als Kolonialmacht in der Region präsent, zwar nicht so umfassend wie Frankreich, doch mit Sierra Leone, Ghana und Nigeria beherrschte das Vereinigte Königreich ebenfalls wichtige Territorien. Und auch in Liberia wird Englisch gesprochen.

    Das spezielle Problem Westafrikas liegt darin, dass die einzelnen Länder untereinander nur wenig Handel treiben, sondern nach außen ausgerichtet bleiben – die Elfenbeinküste oder Ghana zum Beispiel mit ihren umfangreichen Agrarexporten nach Europa (etwa Kakao oder Obst). Ohne ein Zusammenwachsen des Wirtschaftsraums vor Ort verpufft die positive Wirkung einer Gemeinschaftswährung in einem gehörigen Maß.

    Neue Währung bringt Dynamik in den Handel

    Aber auch in dieser Frage gibt es Fortschritte. So hat die Afrikanische Union (AU) auf einem Gipfel in Nigers Hauptstadt Niamey im vergangenen Sommer die „operative Phase“ eines neuen AU-Freihandelsabkommens (AfCFTA) eingeleitet. 54 der insgesamt 55 AU-Mitgliedstaaten sind der AfCFTA beigetreten, nur Eritrea enthielt sich. Benin und Nigeria unterzeichneten als letzte Staaten den Vertrag. Nigeria war lange zögerlich. Abuja befürchtet, dass ausländische Billigprodukte den nigerianischen Markt überschwemmen. Protektionistisches Denken dürfte aber in Zukunft eher auf dem Rückzug sein in Westafrika.

    Viel spricht dafür, dass mit Einführung einer neuen Währung der innerafrikanische Handel an Dynamik gewinnt, zumal der bisherige CFA-Franc bei vielen Afrikanern verhasst ist, auch wenn er nicht aus ihrem Alltag wegzudenken ist. Das offizielle Zahlungsmittel in 14 west- und zentralafrikanischen Staaten mit insgesamt 160 Millionen Einwohnern wurde 1945 als Währung der „französischen Kolonien Afrikas“ („Colonies Françaises d'Afrique“, CFA) eingeführt. Später wurde sein Kürzel von den Franzosen – weil es besser klingt – in „Afrikanische Finanzgemeinschaft“ („Communauté Financiere Africaine“) umgedeutet.

    Positive Effekte eines gemeinsamen Marktes

     

    Die Abhängigkeit von Frankreich ist aber geblieben: Zuerst an den Franc gebunden, steht er heute in einem festen Wechselkurs zum Euro. Nicht auszuschließen sind auch positive Effekte eines gemeinsamen Marktes auf die Bekämpfung des in Teilen der Region verbreiteten gewaltbereiten Islamismus. Er ist vor allem dort präsent, wo Armut grassiert. Sie macht es Extremisten leichter, Anhänger zu rekrutieren. Man denke an die instabile Lage in Mali, Burkina Faso oder im Niger. Alle Anstrengungen, die helfen, diese Ländern wirtschaftlich nach vorn zu bringen, können die Bereitschaft in der Bevölkerung reduzieren, sich Scharfmachern anzuschließen.

    Beispiel Burkina Faso: Zu den im Land aktiven Terrororganisationen zählen laut Pater Mathieu Bere SJ unter anderem Gruppen wie Ansar-ul Islam oder der sogenannte „Islamische Staat“ in der Großsahara. Die mitunter in Nachbarländern lebenden Terroristen seien in der Lage, „zunehmend komplexe Militäraktionen und illegalen Warenverkehr zu unternehmen“. Einige hätten sich auch mit dem „Al-Qaida“-Netzwerk verbündet. „Die Beziehungen zwischen diesen Gruppen sind komplex und nicht immer stabil“, erklärt der Jesuit gegenüber Radio Vatikan, „sie alle haben sich ausdrücklich für Anschläge in Burkina Faso verantwortlich erklärt“.

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