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    Breite Allianz für den Sonntag

    Die Debatte um die Ladenöffnungszeiten zeigt: Die Mehrheit der Bevölkerung ist für den Sonntagsschutz von Sebastian Sasse

    Weihnachtsgeschäft
    Stille Nacht, heilige Nacht. Entschleunigung und Konsumverzicht am 24. Dezember bedeuten mehr Zeit für Familie und Freun... Foto: dpa

    Der Sonntag ist den Deutschen heilig. Auch dann, wenn sie nicht unbedingt immer in ihm einen Tag zur religiösen Erbauung sehen. Als Ruhetag wollen sie ihn, der die Woche zwischen Arbeitstagen und Freizeit teilt. Diese Erfahrung hat die Bundesvorsitzende der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB), Maria Etl, in den letzten Tagen gemacht. Vor kurzem hatte ihr Verband eine Kampagne gestartet: Die 100 000 Mitglieder wurden aufgerufen, sich an die Einzelhändler in ihrer Stadt zu wenden. Mit der Forderung: Heiligabend, der in diesem Jahr auf einen Sonntag fällt, bleiben die Geschäfte zu. „Ich war überrascht von der großen Resonanz, die wir darauf bekommen haben“, so Etl gegenüber dieser Zeitung. Auch große Handelsketten haben schon reagiert: Aldi wie auch REWE werden am 24. Dezember geschlossen haben.

    Die Debatte um den Heiligenabend will Etl nun nutzen, allgemein die Öffentlichkeit stärker für den Sonntagsschutz zu sensibilisieren. Denn unabhängig von den Weihnachtsfeiertagen haben sich schon vor längerer Zeit unterschiedliche Organisationen zusammengeschlossen, um sich für dieses Ziel stark zu machen. In den Bundesländern bestehen zur Zeit unterschiedliche Regelungen für verkaufsoffene Sonntage. Im Moment sind diese die Ausnahme. Aus Sicht der KAB bestehe aber die Gefahr, dass die Ausnahme immer mehr zur Regel werde. Die Folge: „Der Sonntag wird zu einem Tag wie jeder andere.“ Maria Etl ist froh, dass sich in der Sonntagsallianz Gruppen mit ganz unterschiedlichen weltanschaulichen Hintergründen zusammengeschlossen haben. So sind etwa die Gewerkschaften mit dabei. „Wir unterscheiden uns teilweise darin, warum wir den Sonntag schützen wollen. Einig sind wir uns aber darin, dass wir es gemeinsam tun“, so Etl. Aus Sicht der KAB-Vorsitzenden ein interessantes Signal. Denn auch bei anderen gesellschaftspolitischen Grundsatzdebatten könnte man unter Umständen an diese Zusammenarbeit anknüpfen.

    „Es ist natürlich klar, dass bestimmte Berufsgruppen auch am Sonntag arbeiten werden, die Feuerwehr, die Ärzte und Krankenschwestern. Das steht aber auch gar nicht zur Debatte. Uns geht es vor allem um den Einzelhandel.“ Denn dort arbeiteten vor allem Frauen. Und die seien es eben größtenteils, die am Wochenende und auch an Feiertagen das Familienleben gestalteten. „Heiligabend wird es natürlich besonders deutlich: Wer bereitet denn die Bescherung vor, sorgt für das Essen? Das sind in der Regel diese Frauen. Da kann es nicht sein, dass sie dann auch noch an diesem Tag arbeiten müssen.“

    Aber auch unabhängig von dieser speziellen Situation stellt Etl fest, dass es in der Bevölkerung eine Mehrheit gebe, die einen festen Ruhetag in der Woche wichtig findet. „Es muss Pausen geben. Die Menschen brauchen Zeit für ihre Familie, für ihre Freunde, aber auch für sich selbst. Und schließlich noch ein anderer wichtiger Punkt: Auch das Ehrenamt braucht Zeit. Und gerade das ehrenamtliche Engagement hat eine besondere gesellschaftspolitische Bedeutung.“

    Mit dem bisherigen Verlauf der Debatte ist Etl zufrieden. Die 52-Jährige, die ursprünglich aus Österreich stammt, hat sogar schon festgestellt, dass die Diskussion in ihre Heimat übergeschwappt ist. „Letztlich können die Menschen als Kunden Signale geben. Wenn sie an Sonntagen und Feiertagen nicht einkaufen gehen, dann werden die Handelsketten auch nicht öffnen.“ Die Reaktionen von Aldi und REWE hätten ja gezeigt, dass man dort aufmerksam registriere, wie die Kundschaft zu dieser Frage denkt.

    In dieser Hinsicht hat sich gestern auch der Bischof von Dresden, Heinrich Timmerevers geäußert. Er hat die Verbraucher dazu aufgerufen, ein Herz für Verkäufer zu zeigen. „Auch die Angestellten in den Kaufhäusern haben ein ruhiges Weihnachtsfest und mehr Zeit für Familie und Freunde verdient, und es ist ihnen von Herzen zu gönnen“, sagte er. Timmerevers sprach sich klar gegen Ladenöffnungen an Heiligabend aus. Die Bürger hätten in den Tagen vor Weihnachten ausreichend Gelegenheit, einkaufen zu gehen. Deswegen sollten sie den Angestellten im Einzelhandel „eine kleine Weihnachtsfreude bereiten“, indem sie auf den Konsum verzichten. „Dass der 24. Dezember in diesem Jahr auf einen Sonntag fällt und somit ein besonders ruhiger und friedlicher Tag werden könnte, sollten wir als Chance sehen“, so Timmerevers. In Sachsen dürfen nach dem dortigen Ladenöffnungsgesetz bestimmte Geschäfte zwischen 7 und 14 Uhr höchstens drei Stunden öffnen, wenn der Heiligabend auf einen Sonntag fällt. Dies gilt etwa für Lebensmittelläden, Bäckereien, Zeitschriften- und Blumenhändler sowie Weihnachtsbaum-Verkaufsstellen.