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    Auf der Spur der Fehler

    Ein Flugzeug ist vom Himmel gefallen. Bestürzung allenthalben. Wie konnte das passieren? Doch anstatt sich in der Kunst vermutender Schuldüberlegungen zu üben, wird in der Luftfahrt handfeste Ursachenforschung in die Wege geleitet. Unverzüglich beginnt die Suche nach den Teilen, die mit einiger Wahrscheinlich die Ursache für das Unglück offenlegen können, den Flugschreibern. Also den informativen Kästchen, die gemeinhin Black Box genannt werden. Erlaubt doch vorrangig die Analyse der darin gespeicherten Daten seriöse Rückschlüsse auf die Umstände, die zum Absturz geführt, zumindest aber mit dazu beigetragen haben. Und – zukunftsorientiert, daraus die Schlüsse zu ziehen und Maßnahmen einzuleiten, die im Rahmen des Menschenmöglichen erlauben, die erkannten Ursachen auszuschließen.

    Ein Flugzeug ist vom Himmel gefallen. Bestürzung allenthalben. Wie konnte das passieren? Doch anstatt sich in der Kunst vermutender Schuldüberlegungen zu üben, wird in der Luftfahrt handfeste Ursachenforschung in die Wege geleitet. Unverzüglich beginnt die Suche nach den Teilen, die mit einiger Wahrscheinlich die Ursache für das Unglück offenlegen können, den Flugschreibern. Also den informativen Kästchen, die gemeinhin Black Box genannt werden. Erlaubt doch vorrangig die Analyse der darin gespeicherten Daten seriöse Rückschlüsse auf die Umstände, die zum Absturz geführt, zumindest aber mit dazu beigetragen haben. Und – zukunftsorientiert, daraus die Schlüsse zu ziehen und Maßnahmen einzuleiten, die im Rahmen des Menschenmöglichen erlauben, die erkannten Ursachen auszuschließen.

    Dieser konsequenten Fehleranalyse ist es zu verdanken, dass die Sicherheit der Fliegerei einen gewaltigen Schritt nach vorn getan hat. Und es ist diese Idee, aus der heraus der Londoner Journalist Matthew Syed sein Buch entwickelt und dem es seinen Titel verdankt: Das Black-Box-Prinzip. Und weshalb er Menschen, die gezielt darauf aus sind, nach Fehlerursachen zu forschen, aus dem Erkannten zu lernen und es im Weiteren nutzbringend anzuwenden „Blackbox-Denker“ nennt. Für sie macht er sich stark.

    In sechs Kapiteln legt er einleuchtend dar, „weshalb Fehler uns weiterbringen“: Die Logik des Scheiterns; Kognitive Dissonanz; Der Komplexität ins Auge sehen; Kleine Schritte und große Sprünge; Das Sündenbock-Spiel; Eine fortschrittsorientierte Kultur etablieren.

    Die Angst, Fehler zu machen, blockiert gerade in unserer Zeit gewaltiger technologischer Umbrüche die notwendigen Schritte ins Neue. Nur beherzter Versuch und eingestandener Irrtum ermöglichen es, in den Unternehmen ein Gefühl für das Neue zu entwickeln und es mehr und mehr in den Griff zu bekommen. An diesem Vorgehen führt für Syed kein Weg vorbei. In der Bereitschaft zum Risiko und dem Mut, vorübergehendes Scheitern in Kauf zu nehmen, sieht er die Türöffner zur Zukunft. Aufschlussreiche Erkenntnisse aus dem Bereich des Schiefgegangenen, der Offenlegung des dahinterstehenden „Darum“ und „Deswegen!“ reichert er mit Erkenntnissen aus Anthropologie, Psychologie und Historie an. Sein Credo: Fortschritt bei den meisten menschlichen Aktivitäten hängt in hohem Maß von der Bereitschaft ab, Fehler als unvermeidlich und sie als Treppenstufen zur Entwicklung anzusehen. Werden Fehlschläge mit dem Mäntelchen des Schweigens behängt und aus dem Bewusstsein verdrängt, verschenkt ein Unternehmen kostbarste Lernmöglichkeiten. In der Mühle der schuldzuweisenden Vorverurteilungen wie auch in der der überheblichen Besserwisserei wird nur zu oft die Unternehmenszukunft zermahlen.

    Bleibt also zu beherzigen, was der Neuropsychologe Professor Markus Ullsperger von der Universität Magdeburg zu bedenken gibt: „Fehler bestimmen unser Leben. Sie können fatale Folgen nach sich ziehen, tragen aber andererseits zur Optimierung unserer täglichen Handlungen bei. Überraschende und ungewollte Ergebnisse geben oft mehr Aufschluss als die bloße Bestätigung unserer Erwartungen. Fehler treiben also die Erkenntnis voran. Dazu müssen wir sie jedoch bemerken und entsprechende Konsequenzen ziehen. Nur dann gelingt es uns, schwerwiegende Pannen in der Zukunft hoffentlich zu vermeiden.“

    In manchen Ohren mag es wie Hohn klingen, wenn Syed Fehler als Chancen beschreibt. Zu sehr sind wir alle noch geprägt auf „fehlerfrei“ und umgetrieben von der Angst, Fehler zu machen und daran zu scheitern. Aber wenn irgendetwas einem solchen möglichen Scheitern auf persönlicher wie auf betrieblicher Ebene Vorschub leistet, dann ist es dieser Horror vor dem im alltäglichen Leben schlicht Unvermeidlichen. Denn der eigentliche schließlich zum Scheitern führende Fehler ist die Verkrustung im gewohnten Denken und die verbale Kastration beherzt Anders- und Weiterdenkender. Eugen Roth hat indirekt eine famose Lebensweisheit zu der ganzen Fehlerdiskussion beigesteuert: „Ein Mensch schaut auf die Zeit zurück, und sieht: Sein Unglück war sein Glück.“

    Matthew Syed: Das Black-Box-Prinzip – Warum Fehler uns weiterbringen. dtv premium, dtv Verlagsgesellschaft, München 2016, 382 Seiten, EUR 16,90