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    Abgekocht und fortgespült

    Kocht man Teewasser mit einem Wasserkocher, stellt sich dieser automatisch ab, sobald das Wasser zu kochen beginnt: Schließlich soll er das Wasser erwärmen, aber es nicht verdunsten. Ist wirklich kein Wasser verdunstet? Um einen Liter Wasser von zwanzig auf hundert Grad Celsius zu erhitzen, braucht der Wasserkocher etwa 0,1 Kilowattstunde Strom. Aber in einem Kohle- oder Atomkraftwerk werden etwa zwei bis drei Liter Wasser verbraucht, um eine Kilowattstunde Strom zu erzeugen. 0,2 bis 0,3 Liter Wasser verdunsten also für die Produktion von 0,1 Kilowattstunde Strom. Wenn sich der Wasserkocher also abstellt, hat das Kraftwerk schon eine ganze Tasse Wasser verdunstet – für die Erzeugung des Stroms.

    Problem Energieerzeugung: Forscher prophezeien Wasserknappheit. Foto: dpa

    Kocht man Teewasser mit einem Wasserkocher, stellt sich dieser automatisch ab, sobald das Wasser zu kochen beginnt: Schließlich soll er das Wasser erwärmen, aber es nicht verdunsten. Ist wirklich kein Wasser verdunstet? Um einen Liter Wasser von zwanzig auf hundert Grad Celsius zu erhitzen, braucht der Wasserkocher etwa 0,1 Kilowattstunde Strom. Aber in einem Kohle- oder Atomkraftwerk werden etwa zwei bis drei Liter Wasser verbraucht, um eine Kilowattstunde Strom zu erzeugen. 0,2 bis 0,3 Liter Wasser verdunsten also für die Produktion von 0,1 Kilowattstunde Strom. Wenn sich der Wasserkocher also abstellt, hat das Kraftwerk schon eine ganze Tasse Wasser verdunstet – für die Erzeugung des Stroms.

    Denn in Kohle-, Öl-, Gas- und Atomkraftwerken müssen die Anlagen zur Stromerzeugung ständig gekühlt werden – etwa mittels eines Kühlturms, in dem das Kühlwasser zum Teil verdunstet. Um den Kühlkreis nicht zu unterbrechen, muss kontinuierlich Frischwasser hinzugegeben werden. Und was an Kühlwasser nicht verdunstet, sondern in seine Entnahmequelle zurückfließt – etwa in den Fluss, der am Kraftwerk vorbeifließt – ist nicht mehr frisch, sondern um einige Grad wärmer und stört das Ökosystem: Durch die höhere Temperatur wird der Sauerstoff knapp: Das führt zum Tod von Fischen und anderen Wasserorganismen.

    Der Durst der Kraftwerke ist enorm: Die Wassermenge, die in den Vereinigten Staaten pro Minute zur Kühlung der Kraftwerke benötigt wird, ist dreimal so groß wie das Volumen, das in der gleichen Zeit die Niagarafälle hinunterstürzt: 168 000 Kubikmeter. Europa steht vor ähnlichen Herausforderungen. Der Europäischen Umweltagentur zufolge nutzen europäische Stromerzeuger 37 Prozent des entnommenen Süßwassers für Kühlzwecke. Deutschland, Frankreich und Polen verbrauchen mehr als die Hälfte ihrer Süßwasserentnahme auf diese Weise. Das gibt Anlass zur Sorge, denn gemäß Schätzungen der Umweltagentur leben 19,5 Prozent der europäischen Bevölkerung in wasserarmen Ländern.

    Nationale wie internationale Programme gegen die Wasserknappheit zielen häufig auf die Landwirtschaft. Aber es sind keine Maßnahmen oder Konferenzen bekannt, die den Wasserverbrauch in der Energieerzeugung problematisieren. Doch ohne Umstellung bei der Energie könnte die globale Wasserversorgung bis 2040 schwierig werden, lautet das Ergebnis einer am Mittwoch in Aarhus veröffentlichten Studie zum Wasser- und Energieverbrauch in China, Indien, Frankreich und Texas. An der Studie „A Clash of Competing Necessities – Water Adequacy and Electric Reliability in China, India, France and Texas“ waren Wissenschaftler der Universität Aarhus, Forscher der Vermont Law School und der CNA Corporation in den Vereinigten Staaten beteiligt. Die Studie identifizierte zunächst den aktuellen Energiebedarf in China, Indien, Frankreich und Texas, um dann eine Prognose für 2040 zu treffen. Ergebnis: Es wird unmöglich sein, weiter auf traditionelle Weise Strom zu erzeugen und gleichzeitig den Wasserbedarf zu decken. In den meisten Ländern verbrauche die Stromerzeugung am meisten Wasser, weil Kraftwerke Kühlsysteme benötigen, um zu funktionieren. Die Studie empfiehlt deshalb den Wechsel zu Wind- und Solaranlagen als einzigen Energiesystemen, die keine Kühlung erfordern.

    Die Wissenschaftler kamen zudem zur überraschenden Erkenntnis, dass die meisten Stromversorger nicht einmal registrieren, wie viel Wasser verwendet wird. ,,Es ist ein großes Problem, dass dem Energieversorgungsunternehmen gar nicht bewusst ist, wie viel Wasser sie benötigen. Und zusammen mit der Tatsache, dass wir nicht über unbegrenzte Wasserressourcen verfügen, könnte es zu einer schweren Krise führen, wenn nicht sehr bald jemand reagiert“, warnte Professor Sovacool von der Universität Arhus. Die Kombination der neuen Forschungsergebnisse mit den Prognosen über Wasserknappheit und eine wachsende Weltbevölkerung zeige, dass schon bis 2020 in vielen Gebieten der Welt die Menschen keinen Zugang mehr zu sauberem Trinkwasser haben werden. Nach Angaben der Forschergruppe werden bis 2020 bereits dreißig bis vierzig Prozent der Weltbevölkerung unter Wasserknappheit leiden, der Klimawandel beschleunige diese Entwicklung noch. „Das heißt, wir müssen entscheiden, wofür wir in Zukunft unser Wasser verwenden wollen. Wollen wir die Kraftwerke weiterlaufen lassen oder es als Trinkwasser nutzen? Wir haben nicht genug Wasser, um beides zu tun“, betonte Sovacool.