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    Washington, D.C.

    USA: Macht Pro-choice für Christen unwählbar?

    Kann man den demokratischen Präsidentschaftsbewerber Joe Biden trotz seiner Position zu Abtreibungen wählen? US-Katholiken sind gespalten – was auch die jüngsten Wortmeldungen zweier Bischöfe belegen.

    Wahlkampf in den USA - Joe Biden
    Joe Biden, demokratischer Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur und ehemaliger US-Vizepräsident, hält während einer... Foto: Carolyn Kaster (AP)

    Zwei Wochen vor den Präsidentschaftswahlen setzt sich in den USA eine intensive Debatte darüber fort, ob Christen guten Gewissens für einen Kandidaten stimmen können, der für ein Recht auf Abtreibung eintritt. So betonte jüngst beispielsweise der katholische Bischof der kalifornischen Diözese von San Diego, Robert McElroy, Katholiken könnten die Position des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden akzeptieren, da es in den Bereich „überlegter Beurteilung“ falle, individuelle Gesetze bezüglich Abtreibung zu formulieren. So äußerte sich der Bischof im Rahmen einer virtuellen Diskussionsrunde mit dem Titel „Wählen als wahrhafter Schüler“. 

    Biden setzt sich für abtreibungsfreundliche Gesetze ein

    Der Demokrat Joe Biden gilt zwar persönlich nicht als entschiedener Befürworter von Abtreibungen, er spricht sich jedoch für das Grundsatzurteil Roe vs. Wade und somit für ein Recht auf straffreie Abtreibungen aus. Sollte ein Oberster Gerichtshof mit konservativer Mehrheit die Entscheidung aus dem Jahr 1973 kippen, will er sich dafür einsetzen, dass in den einzelnen Bundesstaaten abtreibungsfreundliche Gesetze gelten.

    Weiter führte Bischof McElroy aus, dass er die Position nicht teile, dass Katholiken automatisch solche Kandidaten unterstützen müssten, die Handlungen wie Abtreibung als „intrinsisch böse“ betrachteten. Eine spezifische Abtreibung sei zwar „intrinsisch böse“, nicht aber das Ausformulieren individueller Gesetze zum Thema Abtreibung. Es sei zwar für Katholiken geboten, Ungeborene gesetzlich zu schützen. Jedoch seien sich auch überzeugte Lebensschützer in einigen Punkten uneins, so etwa wie mit Abtreibungen nach Missbrauch, Inzest oder bei Gefahr für das Leben der Mutter umzugehen sei. 

    Lebensschutz als moralisches Kernthema

    Dieser Position widersprach der katholische Bischof der Diözese Spokane im Bundesstaat Washington, Thomas Daly. Der Lebensschutz sei für Katholiken das hervorstechende moralische Thema, so der Bischof gegenüber der US-Zeitschrift „National Catholic Register“. McElroy habe dies jedoch nie erwähnt. Faktisch würden die Äußerungen des Bischofs von San Diego einer Verteidigung Bidens und anderer prominenter katholischer Amtsträger gleichkommen, die sich offen für einen ungehinderten Zugang zu Abtreibungen aussprechen würden. Jedoch sei es nun einmal die Wahrheit, dass das Leben mit der Empfängnis beginne und beschützt und verehrt werden müsse bis zum natürlichen Tod. „Diese Auffassung bestimmt, wer wir als Katholiken sind“, so Bischof Daly. 

    Joe Biden habe auf aggressive Weise alles Mögliche getan, um Abtreibungen verfügbar zu machen, so Daly weiter. Sollte er die Präsidentschaftswahlen gewinne, werde er sich weiter für liberale Abtreibungsgesetze einsetzen. 

    Umfrage: 51 Prozent der Katholiken für Biden

    Aktuelle Meinungsumfragen belegen, dass US-Katholiken insgesamt gespalten sind hinsichtlich der Frage, ob man guten Gewissens für einen politischen Kandidaten stimmen kann, der für ein Recht auf Abtreibung eintritt. Wie eine Umfrage des in Washington ansässigen Pew Research Center jüngst herausfand, würden weiße Katholiken am 03. November mit knapper Mehrheit für den republikanischen Amtsinhaber Donald Trump stimmen (52 zu 44 Prozent). In der Gruppe der Katholiken mit hispanischen Wurzeln führt Joe Biden jedoch deutlich mit 67 zu 26 Prozent. Auch im Gesamtdurchschnitt liegt beiden vorne – mit 51 zu 44 Prozent.  DT/mlu

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