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    Magdeburg

    Haseloff, der Anti-Söder

    Reiner Haseloff hat vorerst seine Kenia-Koalition mit Grünen und SPD gerettet und gleichzeitig seine CDU befriedet. Und er zeigte Eigenschaften, die ihn von seinen Ministerpräsidenten-Kollegen abheben.

    Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Haseloff
    Reiner Haseloff (CDU), Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, spricht im Werk des Impfstoffherstellers IDT Biologika in D... Foto: Hendrik Schmidt (dpa-Zentralbild/)

    Das war eine Überraschung und vielleicht auch ein Befreiungsschlag: Am Dienstag  hat Reiner Haseloff, Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, die Erhöhung der Rundfunkgebühren gestoppt. Den Gesetzesentwurf zum neuen Staatsvertrag nahm er überraschend aus der Landtagssitzung. Dass die Erhöhung damit endgültig vom Tisch ist, erscheint fraglich – die öffentlich-rechtlichen Sender haben schon eine Klage in Karlsruhe angekündigt. Für Haseloff dürfte aber etwas viel wichtiger sein: Er hat vorerst seine Kenia-Koalition mit Grünen und SPD gerettet und gleichzeitig seine CDU befriedet. Hätten Teile der Christdemokraten zusammen mit der AfD gegen die Erhöhung gestimmt, wäre nicht nur die Regierung Geschichte gewesen, auch die CDU hätte ein Erdbeben erlebt, mit Druckwellen bis ins Berliner Adenauer-Haus.

    Eher Landesvati als Landesvater

    Bei diesem Coup zeigte Haseloff Eigenschaften, die ihn von seinen Ministerpräsidenten-Kollegen abheben. Er ist sozusagen vom Typ her der Anti-Söder. Während der Franke, nicht nur, wenn die Kanzlerin Herrenchiemsee besucht, die ganze Pracht weiß-blauer Herrlichkeit und vor allem auch sich selbst in Szene zu setzen weiß, kommt der Regierungschef von Sachsen-Anhalt eher als Landesvati, denn als Landesvater daher.

    Mit seiner Bodenständigkeit, die allerdings nicht mit einem Mangel an politischem Gestaltungswillen zu verwechseln ist, lässt der 66-Jährige gar nicht erst das Gefühl von Abgehobenheit aufkommen. Haseloff könnte auch der örtlichen Sparkassenfiliale vorstehen, Abteilungsleiter bei der Krankenkasse oder Chef des Arbeitsamtes sein (das war er von 1992 bis 2002 in seiner Heimatstadt Wittenberg tatsächlich). Hinzu kommt die Fähigkeit, sich in der wahrlich nicht einfachen Koalitionskonstellation als möglichst neutraler Sachwalter der ganzen Regierung zu präsentieren und gleichzeitig bei der eigenen Parteibasis keine Sympathiepunkte zu verlieren. Haseloff unterscheidet sich aber noch in anderer Weise: Der Wittenberger ist gläubiger Katholik. Das ist nicht nur in der Lutherstadt ungewöhnlich, sondern für Ostdeutschland insgesamt, wo sich die große Mehrheit zu gar keiner Konfession bekennt.

    Verwurzelt im Glauben

    Im  Interview mit der „Tagespost“ hat Haseloff beschrieben, wie es nicht zuletzt sein Glaube und die daraus abgeleitete Verantwortung für das Gemeinwohl gewesen seien, die ihn nach der Wende in die Politik geführt hätten. Auch wenn er den großen Krach erst einmal gestoppt hat, in der CDU in Sachsen-Anhalt brodelt es weiter. Seine gelassene Souveränität wird Reiner Haseloff bald wieder unter Beweis stellen müssen.

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