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    Portrait

    Portrait der Woche: Fernando Grande-Marlaska

    Wer ist der Mann, den die zweitgrößte spanische Tageszeitung "El Mundo" als den einflussreichsten Homosexuellen Spaniens bezeichnet? Von José García

    Spanien Innenminister Fernando Grande-Marlaska
    Aus seiner „sexuellen Neigung“ hat der ehemalige Richter am Nationalen Gerichtshof von Spanien nie einen Hehl gemacht. Foto: dpa

    Fernando Grande-Marlaska gilt – laut der zweitgrößten spanischen Tageszeitung „El Mundo“ – als der „einflussreichste Homosexuelle Spaniens“. Was damit zusammenhängt, dass der 56-Jährige seit Juni 2018 amtierender Innenminister ist.

    Aus seiner „sexuellen Neigung“ hat der ehemalige Richter am Nationalen Gerichtshof von Spanien nie einen Hehl gemacht. Bereits vor einem Jahrzehnt unterstützte er etwa eine Sonderausgabe der genannten Zeitung zum „Gay-Pride-Tag“. Seitdem gilt er als Galionsfigur der LGTB-Bewegung – oder vielleicht eher galt?

    Denn kürzlich hat der Minister in einem Interview mit „El Mundo“ im Hinblick auf die in einigen spanischen „Comunidades Autónomas“ (etwa mit den deutschen Bundesländern vergleichbar) verbotene Konversionstherapie manche Aussagen gemacht, die ihm den Zorn der LGTB-Lobby einhandeln könnten.

    „Jeder darf sich, wenn er es
    frei und freiwillig tut,
    diesen Therapien unterwerfen“
    Spaniens Innenminister Grande-Marlaska zu Konversionstherapien

    Auf die Frage, ob er als Berufsrichter „Therapien zur Neuorientierung der Homosexualität“ für legal halte, antwortete der Innenminister: „Jeder darf sich, wenn er es frei und freiwillig tut, diesen Therapien unterwerfen.“ Allerdings zweifle er daran, dass dies bewusst geschehe. Denn „das ist Selbstverleugnung“. Deshalb möge er nicht davon reden, ob diese Behandlungsmethoden legal oder illegal seien: „Der Hintergrund ist von größerer Bedeutung, ist die Leugnung der menschlichen Identität.“ Und wenn Eltern eines 16-Jährigen ihr Kind zu einer solchen Therapie zwingen? Fernando Grande-Marlaska hält es dann für angezeigt zu fragen, „ob die Haltung der Eltern ein Eingreifen der Behörde zum Wohle des Kindes veranlassen“ könnte. Ein öffentliches Eingreifen ist demnach für den spanischen Innenminister nicht wegen der „Konversionstherapie“ an sich geboten, sondern wegen der vermeintlichen Nachteile, die eine solche Behandlung bei einem rechtsunfähigen Minderjährigen verursachen könnte. In dem Interview äußert sich Grande-Marlaska ebenfalls zur Leihmutterschaft. Auch in der Frage vertritt der Minister eine zur offiziellen Linie der LGBT-Lobby gegensätzliche Meinung: „Ich kann mir keine Frau vorstellen, die bewusst, freiwillig, ohne mittelbaren oder unmittelbaren Zwang schwanger wird und das Kind anderen Menschen überlässt. Wenn dies in Einzelfällen geschehe, sehe er keine Notwendigkeit, dies gesetzlich zu regeln. Der Minister zeigt sich ebenfalls abgeneigt, spanischen homosexuellen Paaren die Möglichkeit einzuräumen, im Ausland eine Leihmutter unter Vertrag zu nehmen. „Wir können solche Praktiken nicht akzeptieren, also sagen: ,Das geht hier nicht, ihr könnt aber ins Ausland gehen?“

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