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    „...nur der Mensch ist weiterhin nichts wert“

    Von Stephan Baier

    Von Stephan Baier

    Hatten wir nicht immer schon den Eindruck, dass immer alles teurer wird? Stimmt natürlich nicht. Es ist eher so, wie der genial-gefährliche Georg Kreisler schon vor Jahrzehnten sang: „Das Benzin wird teurer, ja ganz Wien wird teurer, nur der Mensch ist weiterhin nichts wert.“ Spitzenreiter bei den Preissteigerungen in Österreich waren – mit einer Teuerung von knapp 50 Prozent seit Mai – die Zitronen.

    Die Gesichter mancher österreichischen Politiker verraten auch, warum: Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Also haben die Österreicher jetzt teure Zitronen und einen Wahlkampf, in dessen Mittelpunkt die Teuerung stehen wird. Wie kämpfen wahlkämpfende Politiker gegen die Teuerung?

    Da wäre zunächst der Populismus für Anfänger: Statt Kugelschreiber und Luftballons könnten Kandidaten in den Fußgängerzonen Zitronen verteilen, statt Freibier könnten sie bei Dorffesten Heizöl ausschenken. Fortgeschrittene Populisten erklären mit Schaum (zumindest mit Bierschaum) vor dem Mund, dass der Euro an allem schuld sei. Klar, denn ohne Europäische Zentralbank könnte der Finanzminister – nach dem Vorbild Simbabwes – bei seiner Notenbank anrufen und frisches Geld nachdrucken lassen. Wodurch, wie die Ökonomen unter uns wissen, letztlich nur das Geld billiger und alles andere noch teurer würde.

    Immerhin sind durch den sommerlichen Wahlkampf die Politiker und Parteifunktionäre daran gehindert, ins Ausland zu reisen und dort in den Konsum zu investieren. Stattdessen wahlkämpfen sie im schönen Österreich und geben ihr Geld hier aus. Für Zitronen zum Beispiel. Werden Zitronen dadurch billiger oder noch teurer? Wer‘s weiß, ist ein ernsthafter Kandidat für das Amt des Finanzministers. Alle anderen müssen sich von der Politik weiter für dumm verkaufen lassen.