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    Madrid

    Kommentar: Spaniens Klammer

    Spaniens Monarch Juan Carlos galt einst als Retter der Demokratie im Land. Nun hat sich das Bild des Altkönigs tief verdunkelt.

    Ex-König Juan Carlos verlässt Spanien
    Ein Einwohner liest in einer Zeitung, deren Schlagzeile von der heimlichen Ausreise des ehemaligen spanischen Königs Jua... Foto: Alvaro Barrientos (AP)

    Die Bilder sind unvergesslich: Am 23. Februar 1981 stürmte Oberstleutnant Tejero mit zweihundert Polizisten das spanische Parlament, schoss am Rednerpult in die Decke und schrie: "Klappe halten, verdammt!" Einige Panzer rasselten aus ihren Kasernen, aber der Oberbefehlshaber der Armee, König Juan Carlos, befahl den Generälen den Rückzug und hielt in voller Uniform eine Fernsehansprache. Der Putsch brach zusammen, der Monarch gilt seither als Retter der Demokratie in Spanien.

    Korrupt und ein wenig senil

    Dieses strahlende Bild hat er in den letzten Jahren tief verdunkelt. Skandale häuften sich. Heute gilt er als Elefanten- und Schürzenjäger, als korrupt und auch ein wenig senil. Königin Sophia litt still, Kronprinz Felipe zog die Reißleine und zwang den charakterlich schwankenden König zur Abdankung. Als die Kette der Skandale nicht abriss, strich er die Apanage, um die offizielle Trennung vom Königshaus zur Person des unkontrollierbaren Altkönigs zu demonstrieren. Ob gewollt oder gedrängt: Mit seinem fluchtartigen Abgang hat Juan Carlos der Monarchie in Spanien noch einen letzten Dienst erwiesen.

    Es ist jetzt Thema der Klatschpresse, was mit dem Altkönig passiert, ob er noch vor Gericht kommt wegen Steuerhinterziehung oder im Exil die letzten Jahre verbringt. Der edlere Teil der Familie, Königmutter Sophia, die täglich in die Messe geht, und König Felipe mit Familie werden die Hauptfunktion des royalen Hauses erfüllen: das Land zusammenhalten. Das war übrigens auch die Intention Francos: mit der Rückkehr eines Bourbonen-Sprösslings und der Fortsetzung der Monarchie das von fanatisierten Kommunisten und Nationalisten gespaltene Land wieder zu vereinen.

    Nationalisten bedrohen die Einheit Spaniens

    Das ist heute dringender denn je. Nationalisten vor allem in Katalonien, sowie Autonomiebestrebungen in anderen Regionen bedrohen die Einheit Spaniens. Auch geistig ist das Land gespalten. Vom katholischen Erbe vergangener Jahrhunderte ist nicht mehr viel übrig. Die sozialistischen und auch bürgerliche Regierungen haben es zu politischen Schleuderpreisen feilgeboten. Der König ist die letzte Klammer. Die sollte ethisch rostfrei bleiben.

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