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    Berlin

    Klimaaktivist: „Ohne radikale Umweltschützer ginge es der Welt besser“

    In einem Interview mit Le Point wendet sich Klimaaktivist Shellenberger gegen die von Aktivisten wie Greta Thunberg in die Welt gesetzte Vorstellung, das Ende der Erde sei nahe. In seinem neuesten Buch „Apocalypse Never“ tritt der Befürworter der Kernkraft für eine Versachlichung der Debatte ein.

    Klimaaktivist Shellenberger engagiert für den  Regenwald
    Shellenberger wurde mit seinem Engagement für den Regenwald mit 16 Jahren zum Umweltaktivisten. Doch in einem Interview... Foto: Autumn Sonnichsen (dpa)

    Lautstarke und zuweilen auch gewalttätige Proteste gegen den Klimawandel und ein vermeintlich unzureichendes umweltpolitisches Engagement der Industriestaaten haben der Umweltbewegung ein fulminantes Echo in der Berichterstattung der Medien beschert. Einer ihrer Protagonisten war Michael Shellenberger. In seinem neuesten Buch „Apocalypse Never“ nun tritt der Befürworter der Kernkraft als der umweltfreundlichsten Energiequelle für eine Versachlichung der Debatte ein und beleuchtet die oftmals alarmistischen Behauptungen von Klimaaktivisten.

    "Wie konnte es nur so weit kommen zu meinen,
    dass sie einen radikalen Umbau von Gesellschaft und Wirtschaft erforderlich machten?"

    In einem Interview mit dem französischen Politikmagazin Le Point erläutert er, weshalb er mit seiner Neuerscheinung der unter anderem von Aktivisten wie Greta Thunberg in die Welt gesetzten Vorstellung entgegentreten will, das Ende der Erde sei nahe. Dabei entfaltet er drei Schwerpunkte: „Ich hinterfrage die Mythen im Hinblick auf den apokalyptischen Charakter von Umweltproblemen und des Klimawandels bis hin zur Umweltverschmutzung durch Plastik“. Sodann zeigt er, dass die Menschen die Natur retten können. Schließlich untersucht er „die Gründe, die Menschen dazu antreiben, sich so irrational in Bezug auf die Umweltfragen zu verhalten. Denn die Probleme, denen wir gegenüberstehen, sind beherrschbar! Wie konnte es nur so weit kommen zu meinen, dass sie einen radikalen Umbau von Gesellschaft und Wirtschaft erforderlich machten?“

    Klima-Apokalyptik als neuer Glaube

    Dass auch viele seriöse Wissenschaftler die Thesen radikaler Umweltschützer vertreten, habe zum einen finanzielle Beweggründe. Bestimmte Gruppen hätten ein großes Interesse daran, „ihre eigenen Lösungen als den einzig möglichen Ausweg aus einer katastrophalen Situation zu präsentieren: Dies ist der Fall bei den Unternehmen für erneuerbare Energien, die mit denen verbündet sind, die Erdgas verkaufen. Ihr Ziel besteht darin, die zivil genutzte Kernenergie zu ersetzen. Denn die Kernkraft ist eine Bedrohung für die anderen Energiequellen, weil sie unter einem ökologischen und ökonomischen Gesichtspunkt am besten abschneidet“.

    Aber auch ein „religiöser Aspekt“ sei von Bedeutung: „der Niedergang des religiösen Glaubens, insbesondere an das Leben nach dem Tod, hindert die meisten Menschen nicht daran, sich einen neuen Glauben zu suchen. Es scheint, dass die Mehrheit von uns das braucht, was die Psychologen als ‚Projekt der Unsterblichkeit‘ bezeichnen, damit wir sichergehen, dass unser Wesen auch noch jenseits des Todes fortbestehe“. Normalerweise sei der einfachste Weg dafür, Kinder und Enkelkinder zu haben. Doch manche Menschen hätten das Bedürfnis, zum Helden zu werden und „die Welt zu retten“.

    Im Hinblick darauf, dass Umweltschützer die zivile Nutzung von Kernenergie ablehnten, fragt Shellenberger: „Wenn ihr vor dem Klimawandel Angst habt, weshalb lehnt ihr dann die Alternativlösung der Kernenergie ab?“ Ein weiteres Paradoxon sei, „dass die meisten Umweltschützer die Umweltprobleme eher noch verschlimmerten“. Sie widersetzten sich der Intensivlandwirtschaft, „obwohl es kein Geheimnis ist, dass man Dünger, Traktoren und Bewässerungssysteme braucht“. Erst vor wenigen Wochen erschienen, belegt „Apocalypse Never“ die ersten Plätze in den Kategorien „Ökopolitik“ und „Umwelt“ des größten Online-Versandhändlers.

    DT/ks

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