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    Beirut / München

    Gastkommentar: Beten wir für den Libanon!

    Die Explosion in Beirut hat den Libanon in einer Phase schwerer politischer und wirtschaftlicher Probleme getroffen, meint das päpstliche Hilfswerk "Kirche in Not".

    Beirut: Blick über den Schauplatz nach der massiven Explosion im Hafen
    Blick über den Schauplatz nach einer massiven Explosion im Hafen von Beirut. Foto: Hussein Malla (AP)

    Fassungslos und traurig sehen wir, welche Schneise der Zerstörung die Explosion im Hafen der libanesischen Hauptstadt Beirut am Dienstag geschlagen hat. Unser Mitgefühl gilt den mindestens 73 Todesopfern und den über 3.000 Verletzten. Der Schock sitzt tief, und niemand kann die Folgen der Katastrophe abschätzen. Erschwerend kommt hinzu: Das Unglück hat das Land in einer Phase schwerer politischer wie wirtschaftlicher Probleme getroffen. „Kirche in Not“ hat im Libanon viele Projektpartner. Wir standen mit einigen von ihnen in Kontakt, sie sind gottlob unversehrt. Allerdings berichten sie: „Es sieht hier aus wie im Krieg.“

    Politischer Sprengstoff hinter der Katastrophe

    Als wäre die Detonation nicht schon schlimm genug, steckt noch weiterer politischer Sprengstoff hinter der Katastrophe. Das machen die (vor)schnellen Schuldzuweisungen und Vorwürfe aus dem In- und Ausland deutlich. Die Explosion hat den ganzen Libanon, den Nahen Osten und die ganze Welt erschüttert. Sie zeigt einmal mehr, welches politische Pulverfass der Nahe Osten ist – mit weitreichenden und nicht absehbaren Folgen auch für den Westen.

    Denn der Libanon ist für viele Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak ein Hort der Sicherheit geworden. Gerade die Kirchen unterschiedlicher Konfessionen im Libanon haben Unglaubliches geleistet, um Flüchtlinge und Menschen in Not aufzunehmen und zu versorgen. Während andere sich reflexhaft mit Schuldzuweisungen beschäftigen, gilt das Augenmerk von „Kirche in Not“ und anderen Organisationen den betroffenen Menschen. Sie brauchen jede Hilfe, um das Unglück zu verarbeiten. Das gilt sowohl seelisch und geistlich, als auch karitativ und mitmenschlich. Wir dürfen den Libanon nicht vergessen, Zuflucht- und Hoffnungsort seit biblischen Zeiten. Weniger Säbelrasseln und Vergeltungsrufe, mehr Solidarität und Deeskalation: Das ist jetzt das Gebot der Stunde. Beten wir für den Libanon – und helfen wir!

    Der Autor ist Geschäftsführer des Hilfswerkes „Kirche in Not“ Deutschland

     

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