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    Meylan

    Französischer Bürgermeister gegen Bau einer Kirche der Piusbrüder

    Den Antrag auf Aufhebung einer Baugenehmigung für eine Kirche der Piusbruderschaft hat ein Gericht abgelehnt. Der Bürgermeister von Meylan wolle in seiner Gemeinde keinen „religiösen Extremismus“. Der Bischof von Grenoble sieht in dem Vorfall die Folgen des „Separatismusgesetzes“.

    Kirche Nuestra Senora Corredentora der Pius-Bruderschaft
    Der Bürgermeister vom französischen Ort Meylan möchte den Bau einer Kirche der Piusbruderschaft verhindern. In La Reja, ... Foto: DB Jan-Uwe Ronneburger (dpa)

    Vor einem Jahr zum Bürgermeister von Meylan östlich von Grenoble im französischen Departement Isère gewählt, habe sich der Politiker der „Diversen Linken“ laut dem französischen Magazin "Valeurs actuelles" „in den Kopf gesetzt, die Priesterbruderschaft St. Pius X., eine traditionalistische katholische Bewegung, in die Knie zu zwingen, die in der Gemeinde eine Kirche bauen möchte“. Doch das Verwaltungsgericht von Grenoble hat am 15. April anders entschieden und den Antrag auf Aufhebung einer zuvor - von einer früheren Mehrheit im Gemeinderat - erteilten Baugenehmigung abgewiesen. Der Aufhebungsantrag war 2018 von dem linken Verband „Medya“, der dem derzeitigen Bürgermeister Philippe Cardin nahesteht, gestellt worden.

    Bruderschaft seit 25 Jahren in der Gemeinde ansässig

    Trotz dieses Rückschlages beharre, so das Magazin weiter, Cardin auf seiner ablehnenden Haltung und bitte den Staat um Unterstützung: „Ich ersuche um die Unterstützung der Vertreter des Staates, der Regierung und unserer Parlamentarier, um unserer Verantwortung zum Kampf gegen den Obskurantismus und alle religiösen Extremismen gerecht zu werden“, erklärte er in einer Pressemitteilung.

    Vor zweieinhalb Jahren stimmte der ehemalige Bürgermeister der Gemeinde, Jean-Philippe Blanc, für die Baugenehmigung dieser Kirche der Priesterbruderschaft. Was eine durchaus logische Entscheidung gewesen sei, bemerkt Valeurs actuelles, da die Priesterbruderschaft St. Pius X. hier bereits ein Priorat und eine 1992 gegründete Privatschule unterhält. Damals erklärte Blanc: „Die Bruderschaft ist seit 25 Jahren in der Gemeinde ansässig“. Es sei immer ruhig um sie gewesen.

    Diskussion offenabart Problematik des Separatismusgesetzes

    Auch wenn es nie Probleme gegeben habe, möchte der neue Bürgermeister den Kirchenbau dennoch untersagen. Als Grund nennt er: „Sie sind gegen die Glaubensfreiheit, die Meinungsfreiheit, die Gewissensfreiheit“. Wenn diese Kirche tatsächlich gebaut würde, „werden diese Personen Leute versammeln, die Gewalt und Spannungen schüren“, warnt Cardin. Der Bischof von Grenoble, Guy de Kerimel habe die Auseinandersetzung „behutsam“ zur Sprache gebracht.

    Auch wenn er keinen Grund sehe, „sich dem Bau dieser Kirche zu widersetzen“, erkenne er darin doch einen problematischen Kontrapunkt bei dieser Angelegenheit. Seiner Ansicht nach sei das Tauziehen zwischen den Bürgermeister und der Priesterbruderschaft der Beweis für die Problematik des Separatismusgesetzes: „Diese Situation zeigt die ganze Anfälligkeit dieses Gesetzes auf. Die verschiedenen Aspekte sind nicht klar definiert, sodass es den Politikern vielleicht ein wenig an Objektivität fehlt“.

    Privatschule von islamistischer Bewegung genehmigt

    Kürzlich habe sich der Bürgermeister der Gemeinde von Albertville (19.000 Einwohner) nordöstlich von Meylan vom Verwaltungsgericht gezwungen gesehen, den Bau einer muslimischen Privatschule für 400 Schüler der islamistischen Bewegung Milli Görüs zu genehmigen. Dieses Projekt wurde vom Präfekten des Departements, Pascal Bolot, als „separatistisch“ und „überdimensioniert“ bezeichnet.

    Für den Bürgermeister von Meylan könne es keine Unterschiede bei der Behandlung zwischen islamistischen Bewegungen und einer traditionalistischen Strömung der Kirche geben, erläutert Valeurs actuelles. „Was in dem Separatismusgesetz gesagt wird ist, dass der Staat all diejenigen bekämpfen will, die die Wurzeln und die Werte der Republik bekämpfen. Und ich glaube, dass Civitas und die Priesterbruderschaft St. Pius X. die Werte der Republik bekämpfen“, sagte Cardin in einem Interview.

    Distriktobere der Priesterbruderschaft beklagt Angriff auf Glaubensfreiheit

    Valeurs actuelles gegenüber hob Pater Benoît de Jorna, der französische Distriktobere der Priesterbruderschaft St. Pius X., die widersprüchlichen Äußerungen des Bürgermeisters hervor: „Wir sollen gegen die Glaubensfreiheit sein, und gleichzeitig will man uns einen Gottesdienstort verbieten, an dem wir unseren Glauben bekennen. Wer ist denn hier gegen diese Freiheit?“ Außerdem merkte Pater de Jorna an, dass die Republik wohl sehr anfällig sein müsse, wenn „eine kleine Kirche in der Provinz mit weniger als 300 Plätzen sie dermaßen bedroht!“ Genau das sei das Problem dieses Separatismusgesetzes, schreibt das Magazin, dass die „Tradis“ mit dem „separatistischen Bad ausgeschüttet“ würden.  DT/ ks

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