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    Berlin

    Erzbischof Heiner Koch profiliert sich als Kommunikator

    Auch wenn dem Berliner Erzbischof die Unterschiede, die auf dem Synodalen Weg zu tage treten, unangenehm sind, steht für ihn die grundsätzlichen Frage nach dem Proprium des Christlichen außerfrage. Und an dieser Frage wird sich das das Los des Synodalen Weges entscheiden.

    Nicht mit populistischen Tönen, sondern mit geistlich reflektierten Gedanken, versucht Koch die immer stärker auseinande... Foto: KNA

    „Wir haben ein Angebot an die Welt!“ – davon ist Erzbischof Heiner Koch trotz allem fest überzeugt, lässt er die Regionalkonferenz des Synodalen Wegs wissen. Während andere Protagonisten des Synodalen Wegs unentwegt eine „Systemrelevanz von Kirche“ thematisieren, meldet sich der Berliner Oberhirte immer wieder mit nachdenklichen Äußerungen zu Wort. Vom Sonntagsschutz bis hin zu den Berliner Corona-Protesten zeigt er sich als unentwegter Kommunikator, der der katholischen Kirche in einer säkularen Stadtgesellschaft Gehör verschaffen kann. Nicht mit populistischen Tönen, sondern mit geistlich reflektierten Gedanken, die eine säkulare Gesellschaft gleichermaßen erreichen, wie die immer stärker auseinandertreibenden innerkirchlichen Milieus, die sich mit der Kommunikation untereinander immer schwerer tun.

    Als Koch vor fünf Jahren das Hauptstadtbistum übernahm, traf der vom rheinischen Katholizismus und der Sorge um das Schützenwesen geprägte Religionspädagoge nicht nur auf eine Großstadt, die vielgestaltiger Schmelztiegel ist, sondern auch auf ein Bistum, dessen Katholizismus gleichermaßen von der Erfahrung der Teilung, Zuzüglern aus dem Westen (vor allem aus seiner rheinischen Heimat) und vielfältigen fremdsprachigen Gemeinden geprägt ist.

    Brückenbauer in einer pluralen und geistlich fundierten Ortskirche

    Die geistlichen Leuchttürme und stillen Oasen kirchlichen Lebens, die aus Eigeninitiative von Priestern und Laien erwuchsen oder der Initiative der Missionarinnen der Nächstenliebe, geben dem katholischen Berlin eine prägende Schattierung, die man in den westdeutschen Diözesen, die sich bislang von üppigen finanziellen Möglichkeiten genährt sahen, vermissen wird. Mit dem charismatisch ausgerichteten Geistlichen Zentrum St. Clemens in Mitte oder den klassischen Oratorianern vom Institut Sankt Philipp Neri im traditionellen Arbeiterviertel Wedding hat Koch zwei prominente und in Deutschland einzigartige Gründungen, die nicht als Planungen am grünen Tisch entstanden. Vielmehr waren sie auf einmal einfach da. Und auch wenn die Stadt deutschlandweit als „heidnisch“ bezeichnet wird, Koch kann auf eine gleichermaßen plurale und doch geistlich fundierte Ortskirche bauen. Einfach ist die Aufgabe des Brückenbauers in einer solchen Gemengelage sicherlich nicht immer, aber sie ist eine gute Anleitung, die Spannungen auf dem Synodalen Weg aufzulösen. Die fundamentalen Unterschiede sind Koch sichtbar unangenehm, aber an seiner grundsätzlichen Frage, „Wo ist das Proprium des Alternativen, des Christlichen?“ wird sich das Los des Synodalen Weges entscheiden.

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