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    Berlin

    Eine Stimme für Katholiken in der CDU schaffen

    Katholiken in der CDU wollen einen bundesweiten Arbeitskreis gründen. Damit soll Katholiken wieder eine Stimme in der Volkspartei gesichert werden.

    CDU- Parteitag
    Ein katholischer Arbeitskreis soll eine katholische Stimme in die CDU bringen. Foto: Kay Nietfeld (dpa)

    Die Geschichte der Katholiken in der CDU hat Tradition. Die Anfänge der Partei im Rheinland, aber auch an anderen Orten, waren zumeist geprägt durch engagierte Katholiken. Sie hatten zuvor ihre politische Heimat zum Teil in der Zentrumspartei, waren in Verbänden wie Kolping oder der KAB organisiert. Diese Prägung war in den Anfangsjahren ein bedeutender Markenkern der CDU. Heute sieht die Situation anders aus: Viele Kritiker bezweifeln sogar, dass das „C“ in der Partei noch ausreichende inhaltliche Wurzeln hat. Auch deshalb hat sich in zwei ostdeutschen Bundesländern in den letzten Jahren ein Katholischer Arbeitskreis gegründet. Mathias Kretschmer leitet diesen Arbeitskreis in Sachsen, den es schon seit neun Jahren gibt. In seinem Bundesland ist die Organisation zwar nicht als Vereinigung, wie etwa die Frauen Union oder die Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft (CDA), aber als „sonstige Gruppe“ anerkannt. Das heißt, dass der Vorsitzende des Arbeitskreises als kooptiertes Mitglied im erweiterten Landesvorstand der Partei sitzt. 

    Katholiken befürchten Marginalisierung

    Kretschmer hofft, dass ein solcher konfessioneller Arbeitskreis bald auch auf der Bundesebene etabliert werden kann. „Es wäre wichtig, dass das gelingt und wir es so schaffen, katholische und christliche Themen in der Partei wieder in den Fokus zu nehmen“, betont Kretschmer. Auch deshalb, weil sich die Wahrnehmung der katholischen Kirche in den letzten Jahren verändert habe. „Die Menschen haben zunehmend das Gefühl, dass selbst dann, wenn sie sich für unsere katholischen Themen engagieren, sie am Ende doch nicht durchdringen. Das führt dann dazu, dass sie zum Teil nicht bereit sind, ihre Zeit dafür einzusetzen“, erklärt Kretschmer. Deshalb will der Katholische Arbeitskreis auch Bindeglied zwischen Politik und Kirche sein, um gemeinsame Themen und Interessen besser zu vernetzen. Das könne dann auch wieder Menschen mit christlichem Hintergrund bewegen, die CDU zu wählen.

    Katholische Themen

    Gerade bei Themen wie der aktiven Sterbehilfe oder dem Vorrang für Familien, glaubt Kretschmer, dass eine wahrnehmbare katholische Stimme in der Partei dem christlichen Profil nutzen würde. Das gleiche Ziel verfolgt Claudia Heber. Sie leitet den Katholischen Arbeitskreis der CDU in Thüringen, er existiert seit fünf Jahren. Der Wunsch zum politischen Engagement vor diesem Hintergrund resultiert aus der besonderen Situation in den neuen Ländern, wo der Anteil der Katholiken gering ist. „Der Anteil der Mitglieder in der CDU ohne christliche Konfession steigt und es gibt den Wunsch, auch über katholische Themen unter dem Dach der Partei mit dem ,C‘ zu sprechen“, erklärt Heber. Im Gegensatz zu den katholischen Arbeitskreisen auf der Landesebene sei der Evangelische Arbeitskreis schon lange in der Partei etabliert. „Er wirkt inzwischen oftmals als christliches Gewissen der CDU“, beschreibt die Thüringerin. Naheliegende Überlegungen, einen ökumenischen „Christlichen Arbeitskreis“ aus der Taufe zu heben, seien daran gescheitert, dass der EAK innerhalb der Evangelischen Kirche eine wichtige Stimme sei, die dort auch weiterhin so wahrgenommen werden wolle. Ein Katholischer Arbeitskreis könne eine vergleichbare Stimme  sein, brauche aber auch entsprechende Strukturen. 

    Im Gespräch mit der Bundespartei

    Bislang hat die CDU laut Statut sieben Vereinigungen, die speziell die junge Generation, die Frauen, Arbeitnehmer, Kommunalpolitiker, Unternehmer, die Vertriebenen und Flüchtlinge sowie die Älteren ansprechen wollen. Außerdem gibt es Sonderorganisationen: den Evangelischen Arbeitskreis und den Ring Christlich-Demokratischer Studenten. Heber ist aktuell im ständigen Gespräch mit den Verantwortlichen der Satzungskommission, die auf dem kommenden Parteitag strukturelle Veränderungen vorschlagen will. So sollen beispielsweise die 800 organisierten Lesben und Schwulen in der Union (LSU) als so genannte Sonderorganisation anerkannt werden. Eine solche satzungsrechtliche Verankerung hätten Heber und Kretschmer gerne auch für die Katholiken. Wichtig dafür sei es, der Partei deutlich zu machen, dass ein Bedarf für eine solche Sonderorganisation bestehe – und zwar bundesweit. Für Claudia Heber ist das „C“ in der CDU zwar noch wahrnehmbar. „Aber es wird schwieriger, diese Positionen in der öffentlichen Wahrnehmung deutlich zu machen.“ 

     

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