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    Kommentar um "5 vor 12"

    Die Aschermittwoch-Ampel steht auf Gelb

    CSU- Chef Markus Söder erteilt in seiner Aschermittwoch-Rede den Grünen eine Abfuhr und erklärt die FDP zum "prioritären Partner". Was steckt dahinter?

    Politischer Aschermittwoch in Bayern - CSU
    Statt Bier war zwar Cola Light im Krug - politisch bewies Markus Söder bei seiner Aschermittwochs-Rede allerdings ein we... Foto: Peter Kneffel (dpa Pool)

    Der Aschermittwoch ist ein Tag der Demut. Das Aschekreuz erinnert den Menschen an seine Sterblichkeit. Der Politische Aschermittwoch ist für die CSU allerdings alles andere als ein Tag, an dem man in Sack und Asche geht. Er ist von alters her ein Tag des Triumphs. Der Ministerpräsident hält als Wahl-Kini eine Art Thronrede und empfängt dafür den Jubel seines Volkes.

    Weiß er, wie die Leberkäs-Etage wirklich tickt?

    Freilich steckt dahinter doch auch etwas mehr Demut als der nicht-bajuwarische Beobachter auf den ersten Blick zu erkennen scheint. Der Anführer wird zwar von seinen Anhängern aufs Schild gehoben - das klappt aber natürlich nur dann, wenn auch genügend Anhänger da sind, die ihn auch tatsächlich aufs Schild heben. Der Aschermittwoch verschafft dem jeweiligen Ministerpräsidenten  einen Blick auf die Seele der Partei. Auf welche Themen springen die Leute besonders an, welche Kalauer über den politischen Gegner zünden besonders gut? Hier merkt der CSU-Anführer, ob er noch weiß, wie die Leberkäs-Etage wirklich tickt. Und sollten sich hier Mängel auftun, muss er schnell reagieren, am besten noch in der Rede selbst. Der Politische Aschermittwoch ist so etwas wie der jährliche TÜV für die Volkspartei CSU.

    Diese unmittelbare Begegnung zwischen Parteichef und Parteivolk war nun wegen Corona nicht gegeben. So sehr sich die Regie auch darum bemühte, eine solche Nähe herzustellen, kann dies bei aller technischen Perfektion in der Inszenierung einfach nicht gelingen. Und doch klang auch in der Söder-Rede, die er vom konstruierten Wohnzimmer aus, einer Mischung aus Komödienstadl-Bauernstube und Büro, an die Basis richtete, eine Spur von Anführer-Demut an. Allerdings nicht im Hauptteil, in dem  Söder zwar viel von Demut sprach, im Grunde aber nur die komprimierte Fassung dessen bot, was man auch schon bisher vom Ministerpräsidenten über seinen Kampf gegen Corona und seine Motive dabei hören konnte - die "Süddeutsche Zeitung" spricht zurecht von einem "Best of".

    Söder umarmt Bäume, nicht Anton Hofreiter

    Die Demut gegenüber der Basis spielte vielmehr in der Frage nach künftigen Koalitionspartnern eine Rolle: Seit Söder die Ökologie als Thema erkannt hat, schleicht sich bei vielen CSUlern der Verdacht ein, ihr Ministerpräsident wolle auch eine schwarz-grüne Koalition. Dies wies er nun klar zurück, gewürzt um den Kalauer, er umarme zwar Bäume, aber nicht Anton Hofreiter. Stattdessen sei die FDP aus seiner Sicht der "prioritäre Partner" für die Union. Söders Modernisierungskurs der Partei - Öffnung für ökologische Themen oder auch die Frauenförderung - waren von Kritikern schon immer als eine Vergrünung der CSU empfunden worden. Söder machte nun klar, auch das nicht zum ersten Mal, dass es ihm nicht darum ginge, die Grünen zu imitieren, sondern auf ökologische Fragen eigene Antworten zu geben. Ob freilich dies gerade mit der FDP besonders gut gelingen könnte, die mit dem bei Christsozialen beliebten Schlagwort von der "Bewahrung der Schöpfung" wenig bis nichts anzufangen weiß, muss fraglich bleiben.

    Trotzdem: Söder reagierte hier ganz deutlich auf den Unmut im Parteivolk, der angesichts schwarz-grüner Spekulationen lauter wird. Zuletzt auch bei der Schwesterpartei: Vor einigen Tagen hatte der CDU-Bundestagsabgeordnete Christoph Ploß, ein Merzianer, einer Koalition mit der Öko-Partei eine klare Absage erteilt. Söders Signal an die Partei: "Ich habe verstanden. Ich werde es mit der Vergrünung nicht übertreiben."

    Ein wenig fehlte Aschermittwoch-Demut

    Bleibt die Frage, ob es Söder nur bei Ankündigungen belässt oder nun tatsächlich bald ein umfassendes CSU-Konzept zur Umweltpolitik vorlegt, mit dem den Grünen die Meinungsführerschaft abgerungen werden kann. Söder steht hier gerade auch mit Blick auf eine mögliche Kanzlerschaft in direkter Konkurrenz zu Armin Laschet, der ja gestern auch - eine Premiere für einen CDU-Vorsitzenden - zugeschaltet wurde. So ein inhaltlicher Wettkampf könnte für den Wahlkampf der Union fruchtbar werden.

    Aber ist das nicht alles ein bisschen viel auf einmal für Söder: Kanzlerkandidatur, Kampf gegen Corona und dazu noch ein Öko-Konzept und die Parteireform. Vielleicht fehlt hier dann noch etwas Aschermittwoch-Demut: Bedenken Sie, Herr Ministerpräsident, dass auch Sie nur sterblich sind.

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