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    Washington D.C.

    Demokratische Abgeordnete will Heiligenstatue entfernen lassen

    Die demokratische Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez will die Statue des heiligen Damian de Deveuster aus dem Capitol entfernen, weil er angeblich ein weißer Rassist gewesen sei. Ein Bischof und andere Katholiken reagieren deutlich.

    Bildersturm im Kapitol?
    Die demokratische Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez will die Statue des heiligen Damian de Deveuster aus dem Capitol ... Foto: Shawn Thew (EPA)

    In einem Instagram-Post verwies die Abgeordnete der Demokratischen Partei im Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten, Alexandria Ocasio-Cortez, auf den heiligen Damian von Molokai als ein Beispiel „für das Patriarchat und die weiße rassistische Kultur“ (patriarchy and white supremacist culture“). Das berichtet das britische Magazin Catholic Herald. Ocasio-Cortez fügte hinzu: „Wenn wir Persönlichkeiten auswählen, um die Geschichten von kolonialisierten Orten zu erzählen, wird immer nur über Kolonisatoren und Siedler gesprochen – und nahezu über keinen anderen“. So sei die in einem Säulengang der National Statuary Hall im Washingtoner Kapitol ausgestellte Statue Damians ein Beispiel dafür, wen wir im Kapitol „vergöttern“ sollen: „praktisch alle Männer, alle Weißen, und meistens beide zusammen“. So sehe das Patriarchat und die „weiße rassistische Kultur“ aus: „Es ist nicht radikal oder verrückt, den Einfluss zu erkennen, den die weiße rassistische Kultur auf unsere gesamte Kultur historisch ausgeübt hat und wie sie noch heute auf die Gegenwart einwirkt“, fügte Ocasio-Cortez hinzu.

    Gegen "Vergötterung" 'weißer Männer'

    Die Kritik an dem Denkmal wurde jedoch von Katholiken, aber auch von Nichtkatholiken, scharf zurückgewiesen. Denn der heilige Damian von Molokai, auch unter seinem Zivilnamen Damian De Veuster bekannt, war in seiner Wahlheimat Hawaii ausgesprochen beliebt und wird dort noch heute als „Märtyrer der Nächstenliebe“ hochverehrt, nachdem er nach seinem elfjährigen Dienst in der Leprakolonie auf den Molukken das Schicksal der von ihm betreuten Kranken teilte und selbst an Lepra verstarb. So veröffentlichte der Weihbischof von Los Angeles, Robert Barron, ein Video auf Twitter als Antwort auf die historische Unkenntnis der Abgeordneten. Er fragte sie darin, ob sie „irgendeine Vorstellung davon hat, wer Damian von Molokai war“, bevor er das Leben des Heiligen kurz Revue passieren ließ: „Dieser Belgier wurde Priester und gehörte dem Missionsorden der Arnsteiner Patres an. Mitte des 19. Jahrhunderts ging er nach Hawaii, arbeitete dort mehrere Jahre und meldete sich freiwillig für die Insel Molokai, die in dieser Zeit der Ort war, zu dem man die Leprakranken schickte“.

    Dienst an den Leprakranken

    Damals, so Barron weiter, habe es noch keine Behandlung und keine Heilung gegeben. Wer die Krankheit hatte, wurde einfach auf die Insel verschifft, um dort den Rest seines Lebens zu verbringen und schließlich zu sterben: Damian war bewusst, dass er von diesem Dienst höchstwahrscheinlich nie mehr zurückkehren würde, wie es ja auch tatsächlich geschah“. Robert Barron kam in seiner Botschaft zu dem Schluss: „Diesen Mann in irgendeiner Weise mit Kolonialismus oder weißem Rassismus in Verbindung zu bringen, ist so lächerlich und frech und zeigt die Oberflächlichkeit und grobe Vereinfachung“ dieser Art von Kritik, die sich als „woke“ bezeichnet: „Was soll dieser Angriff auf katholische Heilige?“, fragt der Weihbischof.

    Andere Kommentatoren sagten, dass die Äußerungen von Ocasio-Cortez auf ihre Unkenntnis wesentlicher Fakten hindeuteten. Das linksliberale Nachrichtenmagazin „The Week“ bemerkte in Bezug auf die tiefe Verbundenheit Pater Damians mit der hawaiianischen Kultur: „Ocasio-Cortez weiß vermutlich nicht, dass die Statue des Heiligen eine Reproduktion eines Denkmals ist, das vor dem Hawaii State Capitol in Honolulu [Hauptstadt des US-amerikanischen Bundesstaates Hawaii] steht, dass er in der hawaiischen Sprache redete und predigte, dass sein Festtag auf Hawaii ein Feiertag ist und dass er in den Verzeichnissen der beliebtesten Persönlichkeiten der hawaiischen Neuzeit regelmäßig aufgeführt wird“.

    DT/ks

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