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    Karachi

    Corona: In Pakistan werden Muslime bevorzugt

    Christen werden im Zuge der Pandemie in Pakistan diskriminiert.

    Coronavirus in Pakistan
    Die Corona-Krisen prägten auch das Ende des Fastenmonats Ramadan in Pakistan. Hier vor der Moschee in der Stadt Karachi. Foto: Fareed Khan (AP)

    Küssen Sie den Koran oder verhungern Sie“. Dies ist die Alternative, vor der viele Christen in Pakistan seit dem Ausbruch der Coronavirus-Epidemie vielerorts stehen. Normalerweise ist es schon nicht gut, Christ in Pakistan zu sein, aber in einer Zeit, in der das Coronavirus die Wirtschaft lähmt, nimmt die Diskriminierung in Form von Lebensmittelerpressung eine ganz neue Dimension an. „Einige Menschen nutzen die allgemeine Blockade, die durch Covid-19 geschaffen wurde, und die Verzweiflung der Armen aus, um den Übertritt zum Islam zu erzwingen, indem sie sie erpressen, Muslime zu werden, um Nahrung zu bekommen", sagte Pater Anjum, ein katholischer Priester und Präsident des „Verbandes der Minderheitenlehrer in Pakistan“, gegenüber der Nachrichtenagentur Fides am 5. Mai 2020.

    Die Nothilfe liegt in den Händen muslimischer Verbände

    Diese ungeheuerliche Praxis wurde auch von einem katholischen Abgeordneten, Anthony Naveed, der Mitglied der Pakistanischen Volkspartei in der Provinz Sindh ist, bestätigt und angeprangert. Seiner Ansicht nach liegt die Nothilfe, insbesondere die Verteilung von Mahlzeiten an die Ärmsten, in den Händen der muslimischen Verbände, die davon profitieren wollen. Diskriminierungen wurden vor allem in der Region Karatschi, aber auch im Punjab beobachtet. Dort fordern Imame eine vorherige Konversion zum Islam, um in den Genuss von Nahrungsmittelhilfe zu kommen.

    In Karatschi berichtet AsiaNews, dass der Saylani Welfare International Trust, eine Nichtregierungsorganisation, die gegründet wurde, um Obdachlosen und Saisonarbeitern zu helfen, Hindus und Christen die Nahrungsmittelhilfe mit der Begründung verweigert hat, dass die Hilfe nur für sunnitische Muslime bestimmt sei. Islamische Organisationen und Moscheegemeinden haben Christen und andere religiöse Minderheiten bei der Verteilung von Lebensmitteln und anderen Nothilfen dezidiert zurückgewiesen. Dies ist zum Beispiel in einem Dorf in der Nähe von Lahore der Fall gewesen. In einem anderen Dorf in der Provinz Punjab sind 100 christliche Familien von der Lebensmittelverteilung ausgeschlossen worden.

    Spenden, die nur Muslimen zukommen dürfen

    Bei Rückfragen erteilten Islamgelehrte die Antwort, dass es sich um Spenden aus der „Zakat“, der islamischen Armensteuer, handle. Diese Spenden dürfen nach islamischer Lesart nur Muslimen zugutekommen.  Die Verweigerung der Coronahilfe an Nichtmuslime passiert nicht in einem vom „Islamischen Staat“ beherrschten Gebiet, sondern in einer dem Westen eher wohlgesonnenen Regierung, unter Leitung von Imran Khan, einem ehemaligen Liebling des internationalen Jetset, solange er noch ein international bekannter Kricketspieler war. Auch die US-Kommission für Internationale Religionsfreiheit hat auf diesen skandalösen Zustand der religiösen Diskriminierung bei hingewiesen. Johnnie Moore von der Kommission forderte Imran Khan auf, "den Weg zu weisen", indem er religiöse Minderheiten nicht außen vor lässt.

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