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    Latehar

    Christenverfolgung in Indien nimmt zu

    Das Europäische Zentrum für Recht und Gerechtigkeit (ECLJ) berichtet auf seiner Webseite über die weiter ansteigende Verfolgung von indischen Christen. Jetzt interveniert es beim UN-Menschenrechtsrat.

    Christen in Indien
    ARCHIV - Christen beten auf einer Straße am 25.03.2016 während einer Karfreitagsprozession in Jammu (Indien). Christen s... Foto: Jaipal Singh (EPA)

    Wie das Europäische Zentrum für Recht und Gerechtigkeit, ECLJ, mitteilt, sind die Christen in Indien zum Ziel von Schikanen und Verfolgungen geworden. Die amerikanische Angliederung der in Straßburg ansässigen Organisation, ACLJ (American Centre of Law and Justice), veröffentlichte in diesem Sommer den Bericht von Christen, die von einer Menschenmenge attackiert wurden.

    Brutale Angriffe

    Darin heißt es, dass sich im Juli 2020 die Leiter eines hinduistischen Dorfes im Distrikt Latehar versammelt hätten, um gegen christliche Dorfbewohner, die ihren Glauben nicht aufgeben wollten, Maßnahmen zu ergreifen. Bei dieser Versammlung beschlossen sie, dass die Christen zum Verlassen ihrer Dörfer gezwungen werden sollten, wenn sie sich weigerten, dem Christentum abzuschwören und sich zum Hinduismus zu bekehren: „Als sechs christliche Familien des Dorfes sich tatsächlich weigerten, vom Glauben abzufallen, wurden sie von zahlreichen Hindus brutal angegriffen und verprügelt“. Statt die Familien zu beschützen und ihnen zu helfen, „ordnete die Polizei den sechs christlichen Familien ebenfalls an, entweder ihren Glauben aufzugeben oder aus der Stadt zu fliehen, und sie gab ihnen für ihre Entscheidung einen Monat“. Eines der Opfer beschrieb den Überfall wie folgt: „Sie haben uns die Hände und Beine mit einem Seil zusammengebunden. Alle Hände und Beine der Menschen waren mit dem Seil verbunden. Sie mussten gedacht haben, dass wir uns so nicht verteidigen könnten. Sie haben sich auch gegenüber unseren Frauen schlecht benommen und ihnen am ganzen Körper Fußtritte gegeben. Sie haben uns ins Gesicht und auf den Rücken geschlagen. Es war für uns eine ausweglose Situation“.

    Kein Platz für Christen

    Die Tatsache, „dass ein Mitgliedstaat der Vereinten Nationen toleriert, dass seinen eigenen Bürgern derartige Ultimatum gestellt werden, ist skandalös“, empört sich das ECLJ. Gegenwärtig sei der Menschenrechtsrat über diese Ereignisse unterrichtet. Leider würden diese Verfolgungsberichte aus Indien immer alltäglicher: „Einem Report der Evangelischen Allianz Indien zufolge gab es im Laufe der ersten sechs Monate im Jahr 2020 bereits 135 Fälle von Verfolgung von Christen in Indien“. So wurde beispielsweise der christliche Pastor Rao während eines Krankenbesuchs im Dorf Kolonguda von 150 Personen angegriffen, die das Haus umstellten und riefen: „Indien ist eine hinduistische Nation, und hier gibt es keinen Platz für die Christen“. Dann sei die Menschenmenge in das Haus eingebrochen und habe den Seelsorger durch die Straßen mitgeschleppt, wo sie ihn schlugen“. Er hat den Überfall, bei dem er schwer am Auge verletzt wurde, überlebt.


    Das ECLJ fordert: „Es ist unerlässlich, dass der Menschenrechtsrat auf die indische Regierung einwirkt, um sicherzustellen, dass die Christen beschützt werden und nicht in der Angst leben, bloß aufgrund ihrer Religion attackiert zu werden“.

    Zunehmende Feindseligkeit

    Indien ist eine mehrheitlich hinduistische Nation, erklärt das ECLJ, deren Bevölkerung zu mehr als 80 % den Hinduismus praktiziert. Die zweitwichtigste religiöse Gruppe sind die Muslime mit 13 %. Das Christentum wird nur von 2,3 % der Bevölkerung praktiziert. Im Artikel heißt es weiter: „Obwohl die indische Verfassung die Religionsfreiheit garantiert, verzeichnet Indien eine zunehmende Feindseligkeit und Steigerung der religiösen Gewalt, die auf die Christen und andere religiöse Minderheiten abzielt, was im Widerspruch zur Wiener Erklärung steht. Diese Feindseligkeit manifestiert sich sowohl auf ziviler als auch auf Regierungsebene und stellt eine wachsende Bedrohung dar“. Indien müsse jetzt handeln, „um den Schikanen und dem offensichtlichen Bestreben, das Christentum aus seiner Kultur auszulöschen, ein Ende zu setzen“. DT/ks

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