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    Shanxi

    Chinesische Christen sollen Christus durch Mao ersetzen

    Regierungsbehörden im chinesischen Shanxi zwingen Christen, die staatliche Unterstützung erhalten, religiöse Symbole in ihrer Wohnung durch Bilder vom ehemaligen Vorsitzenden Mao und Präsident Xi Jinping zu ersetzen. Anderenfalls erhalten sie keine staatliche Unterstützung mehr.

    Messe in China
    Seit 2015 forciert die kommunistische Regierung ein Programm zur „Sinisierung“ der Religion. Seitdem erreichen regelmäßi... Foto: How Hwee Young (EPA)

    Dieser Tage berichtet das sich für Religionsfreiheit einsetzende Online-Magazin „Bitter Winter“, dass im April Beamte der Stadt Linfen in der chinesischen Provinz Shanxi angewiesen wurden, die Wohnungen von Personen, die staatliche Sozialleistungen erhalten, zu inspizieren. Religiöse Symbole sollten aus den Wohnungen entfernt und durch Bildnisse von kommunistischen Führern ersetzt werden. Wer sich darüber beschwere, dem würde die staatliche Unterstützung „entzogen“ werden. Diese Linie gelte auch gegenüber Angehörigen von staatlich geleiteten Kirchen. So habe ein Mitglied der patriotischen „Drei-Selbst-Bewegung“ („Three-Self Church“), der offiziellen protestantischen Denomination der kommunistischen Partei Chinas, Bitter Winter erzählt, dass man Jesusbilder und einen religiösen Kalender von der Wand genommen und diese gegen Mao-Darstellungen ausgetauscht habe.Die derzeitige Coronavirus-Pandemie

    hat auch der chinesischen Wirtschaft arg zugesetzt, was bedeutet, dass immer mehr Menschen in China staatliche Unterstützungen beziehen, um finanziell überleben zu können. Gleichzeitig verstärkt die Regierung ihr bereits sehr hartes Vorgehen gegenüber der Kirche. „Mittellose religiöse Haushalte können vom Staat nicht einfach so Geld erhalten – sie müssen dafür der kommunistischen Partei gehorchen“, sagte das Mitglied der Drei-Selbst-Bewegung gegenüber Bitter Winter. Ein Prediger einer Hauskirche, die normalerweise zwar illegal aber meistens geduldet werde, berichtete, dass sein Kreuz und Bildnisse von Jesus im Mai ebenfalls entfernt und durch ein Bild vom Vorsitzenden Mao ersetzt wurden: „Alle verarmten Haushalte in der Stadt wurden aufgefordert, Bilder von Mao Zedong aufzustellen“, sagte er. „Die Regierung versucht, unseren Glauben auszumerzen, und sie will Gott anstelle von Jesus werden“.

    Invalidenrente wegen Kirchenbesuch gestrichen

    Nicht nur aus Shanxi, sondern auch aus anderen Provinzen, melden Christen eine ähnliche Behandlung durch die Behörden. So berichtete ein Christ aus Jiangxi, wo es im vergangenen Jahr mehrere antichristliche Vorfälle gab, dass wegen seines Kirchenbesuchs seine Invalidenrentenzahlung gestrichen wurde. Seine Frau bemerkte gegenüber Bitter Winter, man habe ihm gesagt, dass sie beide als „parteifeindliche Elemente“ behandelt würden, wenn sie nicht aufhörten, in die Kirche zu gehen. Eine Über-80-Jährige berichtete, dass sie ihre staatliche Unterstützung verlor, nachdem sie beim Erhalt eines Zuschusses „Gott sei Dank“ sagte: „Sie erwarteten von mir, dass ich stattdessen die Güte der kommunistischen Partei preise“. Eine weitere ältere Frau aus der Provinz Henan berichtete, dass ihre Mindestrente gestrichen wurde, als Behördenvertreter an ihrer Haustür ein Kreuz entdeckten. Die Diabetikerin benötigt regelmäßige Injektionen und verlor wegen ihrer religiösen Überzeugung alle staatliche Unterstützung. Und in der Provinz Shandong, so Bitter Winter weiter, durchsuchten Beamte das Heim eines Christen und stellten Bilder von Mao und Xi Jinping auf. Der Christ sagte, dass Mao und Xi Jinping die „größten Götter“ in China seien. 

    Seit 2015 forciert die kommunistische Regierung ein Programm zur „Sinisierung“ der Religion. Seitdem erreichen regelmäßig Berichte über die Zerstörung von Kirchen, die Drangsalierung und Inhaftierung von Priestern und Bischöfen und die zunehmende strenge Zensur das Ausland.

    DT/ks

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