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    „Zukunftsberuf Pflege“

    Gesundheitsminister Jens Spahn leitet erste konkrete Schritte gegen den Pflegenotstand ein. Von Benedikt Winkler

    Jens Spahn beim Deutschen Pflegetag
    Der neue Bundesgesundheitsminister Jens Spahn spricht bei der Eröffnung des Deutschen Pflegetags. Foto: dpa

    Eine Woche nach seinem Amtsantritt hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die ersten Maßnahmen ergriffen, um den Pflegenotstand in Deutschland zu bekämpfen. Er brachte eine Verordnung auf den Weg, die die praktische Umsetzung der in der vorigen Wahlperiode beschlossenen einheitlichen Ausbildung von Alten- und Krankenpflegern regelt. Konkret geht es um die noch fehlende Ausbildungs- und Prüfungsordnung, deren Entwurf Spahn letzte Woche zur Abstimmung an die übrigen Ressorts übersandte. „Wir wollen mehr Menschen für den Pflegeberuf begeistern“, sagte Spahn der „Berliner Zeitung“, dazu gehöre eine gute und moderne Ausbildung. „Aufstiegschancen, Motivation und Qualifikation – das ist der Dreiklang für den Zukunftsberuf Pflege“, so der Minister.

    Die neuen Regeln sollen ab 2020 in den Pflegeschulen Grundlage der Ausbildung sein. Das von der Großen Koalition in der vorigen Wahlperiode beschlossene Pflegeberufegesetz sieht eine sogenannte „generalistische Ausbildung“ vor, die den Wechsel zwischen den drei bisher getrennten Berufen Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpfleger erleichtern soll. Davon verspricht sich die Koalition eine höhere Attraktivität des Pflegeberufs und damit mehr Berufseinsteiger.

    Der Katholische Krankenhausverband Deutschlands e.V. begrüßte die Äußerungen Spahns zur generalistischen Pflegeausbildung. „Wir brauchen jetzt Rechtssicherheit und das Signal, dass der Gesetzgeber die zügige Einführung der Generalistik unterstützt“, sagte der stellvertretende kkvd-Vorsitzende Ingo Morell.

    Die Patientenstruktur sowohl in den Krankenhäusern als auch in der Altenpflege hat sich Morell zufolge in den letzten Jahren stark verändert. Die Aufgaben für das Pflegepersonal seien komplexer geworden. Es entstünden häufig Schnittmengen zwischen Alten- und Krankenpflege. „Darauf hat der Gesetzgeber folgerichtig mit dem Gesetz zur generalistischen Ausbildung reagiert“, so Morell. Der Beruf werde durch eine höhere Durchlässigkeit deutlich an Attraktivität gewinnen und den Pflegefachkräften zu vielseitigeren Einsatzmöglichkeiten während ihres Berufslebens verhelfen.

    Der kkvd greift auf eine langjährige Expertise bei diesem Thema zurück und vertritt mehr als 400 katholische Krankenhäuser in Deutschland. Seit Jahren setzt er sich zusammen mit Caritas und Diakonie und den dazugehörigen Fachverbänden für eine Reform der Pflegeausbildung ein. Acht Modellprojekte in achtzehn Einrichtungen unterschiedlicher Träger in mehreren Bundesländern hätten in der Vergangenheit bereits gezeigt, dass die Pflegeschüler die generalistische Ausbildung positiv bewerten. Dieses Ergebnis bestätigt auch eine Evaluationsstudie aus dem Familienministerium.

    Die generalistische Ausbildung bedeute vor allem für die Altenpflege eine Besserstellung in Zukunft, meint Bernadette Rümmelin, Sprecherin der Geschäftsführung des Katholischen Krankenhausverbands Deutschlands gegenüber der „Tagespost“, denn durch die generalistische Ausbildung seien alle Pflegekräfte auch in der Vergütung gleichgestellt. Zur Abwendung des drohenden Pflegenotstands reiche aber eine bessere Bezahlung von Pflegekräften allein nicht aus. Das haben bereits Umfragen unter Pflegekräften ergeben, wonach der Arbeitslohn an nachrangiger Stelle steht. Den Pflegekräften gehe es auch um die Vergütung, aber vielmehr um die Wertschätzung ihres Berufs in der Gesellschaft und auch im kollegialen Miteinander mit den Ärzten und Chefärzten. In der Ausbildung sollen daher nun die Inhalte auf ein höheres Qualifikationsniveau gestellt werden, damit den Pflegern nicht nur Delegations-, sondern auch Substitutionsmöglichkeiten ärztlicher Tätigkeiten zukommen.

    Der Pflegeberuf müsse wieder viel mehr an Renommé gewinnen, findet Rümmelin. „Welcher junge Schulabgänger hat denn Lust, in einen solchen Beruf zu gehen, wenn man die ganze Zeit in der Presse hört, was das für eine Maloche ist, wie schlecht bezahlt er ist, und wie überlastet alle Pflegekräfte in Deutschland sind?“

    Rümmelin ist überzeugt, dass der Pflegeberuf „ein unglaublich sinnhafter Beruf ist, der eine sehr starke soziale Komponente hat, sich um Menschen zu kümmern“. Den Beruf werden auch in Zukunft nicht Pflegeroboter machen können, meint Rümmelin. „Ob ein Pflegeroboter den Menschen ersetzt in einem zuwendungsorientierten Heilungs- und Pflegeprozess am Krankenbett, das wage ich zu bezweifeln. Wenn ich Fragen habe, Schmerzen, Nöte, dann brauche ich die Hilfe und Zuwendung von echten Menschen, nicht von Pflegerobotern.“ Im Moment wirbt der Katholische Krankenhausverband Deutschlands für eine Anschubfinanzierung im politischen Geschehen, um die neuen Richtlinien aus dem Gesundheitsministerium in den Schulen umzusetzen und die drei fachspezifischen Ausbildungen in eine ganz neue einheitliche Form zu überführen. Eine trägerübergreifende Berechnung mit allen freien und gemeinnützigen Schulträgern habe ergeben, dass dafür rund 400 Millionen Euro benötigt werden. Geworben wird auch um Auszubildende: „Wir haben extrem überproportional viele Ausbildungsplätze“, so Rümmelin.

    Bearbeitet von Benedikt Winkler

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