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    Woche für das Leben gestartet

    Berlin/Stuttgart/Saarbrücken (DT/KNA/reh) Jede Form der Sterbebegleitung muss nach Worten der saarländischen Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) von einer lebensbejahenden Haltung ausgehen. Notwendig sei eine Kultur, die den Tod nicht verdränge und in Heime abschiebe, sondern mit dem Tod umgehen könne, betonte Kramp-Karrenbauer gestern in Saarbrücken. Nur so könne aus der Hilfe zum Sterben eine Hilfe beim Sterben werden. Die Ministerpräsidentin hob hervor, wenn Menschen Angst vor Schmerz und Leid hätten, dann sei nicht Beihilfe zur Selbsttötung die Lösung, sondern eine flächendeckende und qualitativ hochwertige schmerzlindernde palliativmedizinische Versorgung. Kramp-Karrenbauer äußerte sich anlässlich der diesjährigen bundesweiten „Woche für das Leben“ der beiden großen Kirchen, die an diesem Samstag beginnt. Sie steht unter dem Motto „Sterben in Würde“.

    Gefragt: Lebens- statt Sterbehilfe. Hospize machen es möglich. Foto: dpa

    Berlin/Stuttgart/Saarbrücken (DT/KNA/reh) Jede Form der Sterbebegleitung muss nach Worten der saarländischen Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) von einer lebensbejahenden Haltung ausgehen. Notwendig sei eine Kultur, die den Tod nicht verdränge und in Heime abschiebe, sondern mit dem Tod umgehen könne, betonte Kramp-Karrenbauer gestern in Saarbrücken. Nur so könne aus der Hilfe zum Sterben eine Hilfe beim Sterben werden. Die Ministerpräsidentin hob hervor, wenn Menschen Angst vor Schmerz und Leid hätten, dann sei nicht Beihilfe zur Selbsttötung die Lösung, sondern eine flächendeckende und qualitativ hochwertige schmerzlindernde palliativmedizinische Versorgung. Kramp-Karrenbauer äußerte sich anlässlich der diesjährigen bundesweiten „Woche für das Leben“ der beiden großen Kirchen, die an diesem Samstag beginnt. Sie steht unter dem Motto „Sterben in Würde“.

    Caritas-Präsident Peter Neher hat zum Auftakt der „Woche für das Leben“ noch mehr Engagement für Sterbende gefordert. Neher betonte gestern in Berlin: „Wir müssen uns noch stärker als bisher mit der Aufgabe auseinandersetzen, wie wir sterbenden Menschen ein würdevolles Leben bis zum Schluss ohne große Schmerzen und mit guter Pflege ermöglichen können.“ „Niemand soll alleine sterben müssen“, so Neher weiter. „In der letzten Phase des Lebens sollte jeder Mensch, der den Wunsch danach hat, entsprechend unterstützt und begleitet werden.“ Die Rahmenbedingungen für eine gute Hospiz- und Palliativversorgung müssten sowohl in den stationären Einrichtungen als auch im ambulanten Bereich so ausgebaut werden, dass schwerstkranke und sterbende Menschen auf Wunsch auch in ihrem gewohnten Umfeld bleiben können. Der Bundestag will noch in diesem Jahr eine Regelung der Sterbehilfe und eine bessere Palliativversorgung in Deutschland verabschieden. Neher forderte eine breite gesellschaftliche Debatte um eine Sterbebegleitung, „welche die Würde des Menschen achtet“. Allzu oft seien das Sterben und der Tod persönliche Tabu-Themen. „Damit lassen wir die betroffenen Menschen aber alleine“, so Neher. Niemand dürfe das Gefühl haben, er falle mit zunehmender Pflegebedürftigkeit den Angehörigen und der Gesellschaft nur noch zur Last. In Einrichtungen der Altenhilfe, in katholischen Krankenhäusern, in Palliativeinrichtungen und Hospizen der Caritas würden sterbende Menschen ebenso begleitet wie ihre Angehörigen. „Hier sind wir in besonderer Weise gefordert, mit einem genauen Blick darauf zu achten, was die Menschen in dieser letzten Lebensphase brauchen und wie wir sie unterstützen können“, so Neher.

    „Wenn sich unsere Politik zum Ziel gesetzt hat, eine Versorgung mit einem Breitband-Netz für schnelles Internet sicherzustellen, dann sind wir erst recht verpflichtet, eine flächendeckende Palliativversorgung auf den Weg zu bringen“, sagte der Rottenburg-Stuttgarter Bischof Gebhard Fürst am Freitag bei einem Besuch des Stuttgarter Hospiz' Sankt Martin.

    Landesbischof Frank Otfried July betonte, christliche Sterbebegleitung sei Lebenshilfe. „Ich wende mich entschieden gegen die Verklärung des Suizids als Freitod, das ist er nie. Wir sind nicht frei in der Entscheidung zu sterben.“ Ebenso wie die Menschenwürde sei auch des Leben des Menschen und sein Ende unverfügbar, mahnte July. Daher sei es christlicher Auftrag, gerade Menschen in ihrer Schwachheit, Krankheit und Sterblichkeit ihre unantastbare Würde erfahren zu lassen. Die Kirchen forderten auch ein Verbot der organisierten Form der Hilfe zur Selbsttötung. Aktive Sterbehilfe und assistierter Suizid bereiteten den Weg in eine inhumane Gesellschaft. „Eine einvernehmliche Tötung ist die Resignation vor der Aufgabe des Bestehens im Sterben“, so Fürst. Er kündigte an, das Bistum Rottenburg-Stuttgart werde sich in den kommenden Monaten mit zahlreichen Aktionen und Veranstaltungen zum Thema Sterbebegleitung zu Wort melden.

    Die Bundesvorsitzende der Aktion Lebensrecht für Alle (ALfA), Claudia Kaminski, begrüßte, dass die Kirchen die diesjährige „Woche für das Leben“ „erstmals wieder unter ein genuines Lebensschutzthema gestellt haben“, das „aktueller“ nicht sein könne. Die Ärztin lobte auch Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU), „dessen richtungsweisender Entwurf eines ,Gesetzes zur Verbesserung der Hospiz- und Palliativversorgung‘ den nachhaltigen Ausbau der Versorgung von Schmerzpatienten und Sterbenden zum Ziel hat“. Der Umgang mit Leidenden und Sterbenden gehöre zu den „Gradmessern des Ausmaßes der Humanität einer Gesellschaft“. „Gerade Deutschland hat allen Grund, den Versuch zu unternehmen, sich darin von niemandem übertreffen zu lassen.“ Die Ärztin verwies darauf, dass „Suizidalität ansteckend“ sei. „Anstatt leidenden und verzweifelten Menschen den Weg in einen assistierten Suizid zu ebnen, muss eine humane Gesellschaft alles daransetzen, körperlichen und seelischen Schmerz zu lindern und leidende sowie vereinsamte Menschen so zu begleiten, dass der Wunsch nach einer Selbsttötung gar nicht erst aufkommt oder aber erkannt und therapiert wird.“ Gestärkt werden müsse auch die Suizidprävention (siehe auch den Leitartikel, Seite 2).