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    „Wir sind zu arm, um billig zu kaufen“

    Von Stefan Rehder

    Von Stefan Rehder

    „Denn der Mensch ist ein vernunftbegabtes Wesen“, heißt es bei Dante. Dass der Dichter diese Einsicht mit vielen anderen teilte, ist kein Geheimnis. Genauso wenig, wie die Tatsache, dass wir Menschen mit dieser Gabe oft nichts anzufangen wissen. Um dies zu einzugestehen, müssen wir nicht erst die Debatten dieser Tage reflektieren. Es reicht, uns selbst beim Einkauf über die Schulter zu schauen. Wenn wir auf den „Schnäppchenmeilen“ der Supermärkte flanieren, weil es uns an Zeit und Geld mangelt, Gleiches auf den Einkaufsstraßen von Florenz, Düsseldorf oder Paris zu tun und wir dort außer Dingen des täglichen Verzehrs auch noch solche erwerben, die es nirgendwo preiswerter gibt, dann ist dies nicht bloß eine lächerliche, sondern auch eine unmoralische Veranstaltung. Denn vom Topflappen bis zur Jeans und vom Haartrockner bis zum Flachbildschirm werden dort Dinge feilgeboten, die unter unmenschlichen Bedingungen produziert werden und die – wen wundert das – meist aus China kommen. Laut einer Untersuchung der globalisierungskritischen Organisation Südwind werden solche „Schnäppchen“ von Menschen produziert, die bis zu 91 Stunden die Woche arbeiten müssen und deren Lohn dennoch kaum zum Leben reicht. Fehler werden vom Lohn abgezogen. Urlaub kennt man dort genauso wenig wie Wochenende. Zwei arbeitsfreie Tage pro Monat gelten schon als Luxus. Damit nicht genug, spülen solche „Schnäppchen“ Devisen in einen Diktatorenstaat, der Menschenrechte nicht nur in seinen Fabriken mit Füßen tritt. Wem das zu kompliziert ist, sollte schon aus purem Eigennutz anders handeln. Denn da die Qualität der meisten Produkte so ist, dass der gelbe Sack gleich mitgeliefert werden könnte, muss die Moral gar nicht bemüht werden. Es reicht die kluge Maxime: „Wir sind zu arm, um billig zu kaufen.“