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    „Wer Kinder hat, zahlt drauf“

    Deutsche Eltern sind weitgehend zufrieden mit ihrem Familienleben, klagen aber über eine geringe Wertschätzung in der Gesellschaft. Das geht aus einer in dieser Woche vorgestellten Forsa-Umfrage unter 1 014 Eltern mit Kindern unter elf Jahren hervor. Nach der Untersuchung im Auftrag der Zeitschrift „Eltern“ zeigen sich die meisten Eltern selbstbewusst in der Erziehung und pragmatisch in der Rollenverteilung. Aber: Weit über zwei Drittel haben aber den Eindruck, „wer Kinder hat, zahlt in unserem Land drauf“.

    Deutsche Eltern sind weitgehend zufrieden mit ihrem Familienleben, klagen aber über eine geringe Wertschätzung in der Gesellschaft. Das geht aus einer in dieser Woche vorgestellten Forsa-Umfrage unter 1 014 Eltern mit Kindern unter elf Jahren hervor. Nach der Untersuchung im Auftrag der Zeitschrift „Eltern“ zeigen sich die meisten Eltern selbstbewusst in der Erziehung und pragmatisch in der Rollenverteilung. Aber: Weit über zwei Drittel haben aber den Eindruck, „wer Kinder hat, zahlt in unserem Land drauf“.

    Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit

    Etwa die Hälfte der Befragten meint, sie habe klare Vorstellungen von Erziehung und setze diese auch problemlos um; das gilt besonders für jüngere Paare. 41 Prozent sucht ab und an Rat bei Freunden und Familienmitgliedern oder in Büchern und Zeitschriften. Doch im Gegensatz zu dem weithin verbreiteten Eindruck äußern nur drei Prozent, sie hätten einige Probleme mit den Kindern und würden sich auch Rat von professionellen Erziehungsexperten holen und fünf Prozent räumen ein, sie hätten „einige Probleme“ und hätten sich auch Rat von professioneller Seite geholt.

    Bei der Rollenverteilung zeigt sich zwar eine Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit, doch sind 97 Prozent der Männer und 87 Prozent der Frauen zufrieden. Für knapp zwei Drittel bleibt der Wunsch, dass beide Elternteile berufstätig sind und sich zugleich beide um die Kinder kümmern; wobei nicht ausdifferenziert wird, wie alt jeweils die Kinder sind. Allerdings kann weniger als ein Drittel dies auch verwirklichen.

    Bei 29 Prozent der Familien sind beide Eltern berufstätig, wobei sich die Frau vorrangig um die Kinder kümmert. Das traditionelle Modell des berufstätigen Vaters und der Frau, die sich vorrangig um Kinder kümmert, ist für knapp 30 Prozent Alltag. Aber nur ein Viertel der Eltern sehen dies auch als das Beste an. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gestaltet sich für die meisten Familien weiterhin schwierig. Das gilt nach Angaben der Chefredakteurin der Zeitschrift „Eltern“, Marie-Luise Lewicki, vor allem für einkommensschwächere Schichten. So würden 44 Prozent der Frauen gerne mehr arbeiten. 54 Prozent wünschen sich umgekehrt mehr Zeit für die Kinder, wobei sie zugleich beklagen, dass die Arbeitswelt hierfür kein Verständnis habe. Von den Männern wünschen sich sogar 60 Prozent mehr Zeit für ihre Kinder.

    Für mehr als ein Drittel der Eltern ist Deutschland nicht hinreichend kinderfreundlich. Als Hauptbelastung nennen fast alle Eltern die hohen Lebenshaltungskosten. 82 Prozent verlangen vom Staat mehr finanzielle Entlastung. Drei Viertel der Befragten stufen das Angebot an Kinderbetreuung als unzureichend oder unflexibel ein. Weit über die Hälfte der Befragten klagt über fehlende Bildungschancen, intolerante Mitmenschen und darüber, dass Kinder ein Armutsrisiko seien.

    Scharfe Kritik übte in diesem Zusammenhang Lewicki an der Familienpolitik der Bundesregierung. Denn die Familienpolitischen Leistungen seien „zu sehr fokussiert auf das Viertel der Bevölkerung, dem es ohnehin schon sehr gut geht“. Die sogenannten Vereinbarkeitsprobleme lägen aber meist im unteren Einkommensbereich oder bei höherer Kinderzahl.

    Vor allem jüngere und weniger gebildete Eltern belastet die Sorge um die Zukunft der Kinder. Hier spielen nach Überzeugung von Lewicki auch die prekären Anstellungsverhältnisse vieler Berufseinsteiger eine Rolle. Rund 60 Prozent äußern die Befürchtung, dass es ihren Kindern finanziell später schlechter gehen wird als ihnen selbst. Schlechte Noten erteilen die Befragten dem Bild von Familien in der Öffentlichkeit.

    Negative Einzelfälle werden verallgemeinert

    Zwar begrüßen etwa zwei Drittel, dass die Berichterstattung die schwierige Lage stärker thematisiert. Aber fast ebenso viele klagen darüber, dass die Medien negative Einzelfälle verallgemeinerten und überwiegend in negativen Zusammenhängen über Familien berichteten, wie schlecht erzogene oder vernachlässigte Kinder. Ferner meinen weit über ein Drittel der Eltern, dass viele Bürger bei Kindern inzwischen nur an Fragen wie die Rentenversicherung oder den Bevölkerungserhalt dächten.

    Dabei sind die Kinder für die meisten Eltern Quelle von Glück und Zufriedenheit. 60 Prozent äußerten, dass für sie das Schönste am Leben mit Kindern sei, ihre Entwicklung mitzuverfolgen. 36 Prozent findet, dass sie durch eigene Kinder viel über sich selbst lernen und sich mit ihnen weiterentwickeln. Jeweils ein Drittel finden darin Lebenssinn und das Gefühl, sich geliebt zu wissen.

    Von Christoph Scholz