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    Verfall einer Diktatur

    Die Auflösungserscheinungen des Regimes Mugabe in Simbabwe vollziehen sich in immer schnelleren Drehungen. So hat die vom protestantischen Pastor Evan Mawarire im Frühjahr dieses Jahres ausgelöste Protestbewegung #ThisFlag inzwischen breite Bevölkerungsschichten in den Großstädten des rohstoffreichen und fruchtbaren Landes mit seinen rund 14 Millionen Einwohnern erfasst. Zunächst war es durch den inzwischen in die USA geflohenen Mawarire zu einer Vernetzung vor allem junger Simbabwer in den sozialen Medien des Internets gekommen. Doch der Funke ist übergesprungen und hat entzündet, was viele Simbabwer schon lange umtrieb, aber bislang nicht auf die Straße getragen hatten: ihren Zorn über die in Korruption, Betrug und Gewalt verstrickte politische Klasse des Landes.

    Zimbabwe Armed Forces Day
    Auf Erden hat glücklicherweise alles ein Ende. Wird daher bald Geschichte sein: Simbabwes Diktator Robert Mugabe. Foto: dpa

    Die Auflösungserscheinungen des Regimes Mugabe in Simbabwe vollziehen sich in immer schnelleren Drehungen. So hat die vom protestantischen Pastor Evan Mawarire im Frühjahr dieses Jahres ausgelöste Protestbewegung #ThisFlag inzwischen breite Bevölkerungsschichten in den Großstädten des rohstoffreichen und fruchtbaren Landes mit seinen rund 14 Millionen Einwohnern erfasst. Zunächst war es durch den inzwischen in die USA geflohenen Mawarire zu einer Vernetzung vor allem junger Simbabwer in den sozialen Medien des Internets gekommen. Doch der Funke ist übergesprungen und hat entzündet, was viele Simbabwer schon lange umtrieb, aber bislang nicht auf die Straße getragen hatten: ihren Zorn über die in Korruption, Betrug und Gewalt verstrickte politische Klasse des Landes.

    Proteste gegen den auf großem Fuß lebenden 92-jährigen Mugabe, den wirtschaftlichen Niedergang und behördliche Willkür flammen vor allem in der simbabwischen Hauptstadt Harare seit Wochen immer wieder auf. Zwar hat sich Mugabe in seinen 36 Regierungsjahren bislang kaum davon beirren lassen, doch die jüngsten Demonstrationen verlaufen mit deutlich mehr Nachdruck. Bei einem Protest am vergangenen Freitag sind nach Angaben der Veranstalter sieben Demonstranten und drei Polizisten schwer verletzt worden. Die Teilnehmer liefen in Harare auf das Parlamentsgebäude zu und forderten Mugabes sofortigen Rücktritt. Dabei kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei. Seine Regierung werde sehr scharfe Maßnahmen gegen jede Partei, Organisation oder Einzelperson treffen, die gewalttätige Demonstrationen durchführe, sagte Mugabe vor Mitgliedern seiner Partei. „Unsere Geduld ist am Ende.“ Neuwahlen schloss er aus.

    Markige Worte, doch der im simbabwischen Guerillakrieg gegen das frühere Rhodesien geschulte Mugabe ist zunehmend isoliert. Am vergangenen Mittwoch hatte ein Gericht ein temporäres Verbot von Oppositionsprotesten durch die Polizei als unzulässige Beschneidung der Freiheitsrechte aufgehoben. Mugabe hatte zuvor Richtern gedroht, es sei fahrlässig, Proteste zuzulassen, bei denen es zu Gewalt kommen könne.

    Die nächste Parlamentswahl steht im Jahr 2018 an. Derzeit sieht es nicht nach einem friedlichen Übergang aus. „Es herrscht eine Kultur der Gewalt, die von den politisch Verantwortlichen gepflegt wird und breite Bevölkerungsschichten erfasst hat. Wir müssen diese Kultur der Aggression überwinden und uns wieder auf unsere bewährten Grundsätze besinnen: Familie, Fleiß, Eigeninitiative, Gastfreundschaft, Heimatverbundenheit“, sagt der bekannte simbabwische Publizist und Ordensmann Oskar Wermter SJ im Gespräch mit der Tagespost.

    Die katholische Kirche Simbabwes, etwa zehn Prozent der Bevölkerung bekennen sich zu ihr, versucht im Rahmen ihrer Möglichkeiten, Hilfe zu leisten. „Es ist Zeit für eine Erneuerung der politischen Führung in Simbabwe, und die Kirche könnte in diesem Veränderungsprozess eine entscheidende Rolle spielen“, sagte der Generalsekretär der simbabwischen Bischofskonferenz, Frederick Chiromba, in der vergangenen Woche in Radio Vatikan. Erst kürzlich haben die Bischöfe eine klare Nachfolgeregelung für Mugabe angemahnt. „In ihrer jüngsten Stellungnahme haben die Bischöfe die aktuellen Herausforderungen herausgearbeitet, denen sich das Land gegenübersieht. Momentan hat Simbabwe keine eigene Währung, sondern hängt am US Dollar, doch neben den wirtschaftlichen Belangen gibt es vor allem einen Punkt, der den Kirchenführern am Herzen liegt: Eine Verjüngung der politischen Führungsriege auf allen Ebenen“, berichtet Chiromba.

    Der Machtapparat befinde sich in einem Auflösungsprozess. So laufe das Gerangel um die Mugabe-Nachfolge auf Hochtouren, verschiedene Gruppierungen positionierten sich. Selbst innerhalb der führenden Partei, der ZANU-PF, gebe es keine Einigkeit. „Angesichts der vielen rivalisierenden Kräfte haben wir momentan noch das Glück, dass sich keine Milizen gebildet haben, doch wenn die politischen Kräfte in verfeindete Lager zerfallen, besteht die Gefahr, dass sie entstehen“, erklärt Chiromba. Die letzten beiden Wahlen 2008 und 2013 waren von massiven Betrugsvorwürfen begleitet. Doch die aktuelle Opposition scheine, so Chiromba, keine ernsthafte Alternative zur Regierung Mugabes darzustellen. „Die Stärke der Opposition bestand bisher vor allem darin, Opposition gegenüber Präsident Mugabe zu sein. Die schwere Herausforderung ist es nun, eine klare Politiklinie für die Nation zu fahren, die alle einbezieht. Und leider haben wir aktuell eine uneinige Opposition.“ Eine Situation, in der die Vermittlung der Kirche gefragt sein könnte. „Ich denke, es ist Zeit für die Kirche, sich einzumischen und den Leuten zu vermitteln, sei allen Menschen zu Diensten und der Letzte von allen.“ Die einzige Institution, die diesen Menschen so gut es gehe helfe, sei oft die Kirche, so Chiromba. Doch die Kirche habe nicht die Mittel, die Familien finanziell dauerhaft zu unterstützen.

    Tatsächlich belastet eine in vielen Landesteilen grassierende Hungersnot das Land zusätzlich. Darunter leiden vor allem die Familien. Mit Blick auf die kirchliche Arbeit sagt der deutschstämmige Bischof von Chinhoyi in Nordsimbabwe, Dieter Scholz SJ: „Wir können die immensen Problem nicht lösen, wenn wir aber den Eltern in den Dörfern über die Hungersnot hinweghelfen, werden ihre Kinder nicht in die Hauptstadt flüchten, um dort zu betteln.“ So wäre schon manches erreicht.