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    Vatikan protestiert gegen „Todes-Urteil“

    Rom (gho) Die 37 Jahre alte Komapatientin Eluana Englaro soll nun sterben. Das hat das oberste italienische Berufungsgericht in Rom entschieden. Der Entzug von Nahrung und Wasser soll kommende Woche beginnen. Im Vatikan hat man mit Bestürzung auf das Urteil reagiert. Erzbischof Rino Fisichella, Präsident der Päpstlichen Akademie für das Leben, erklärte gegenüber Radio Vatikan, mit dem Ernährungsabbruch werde die Frau „unter großem Leiden in den Tod geschickt“. Die Patientin sei „eine lebende Person, an keinerlei Apparat angeschlossen, eine Person, die selbsttätig atmet und Empfindungen wahrnimmt“. Wenn sich die Bevölkerung dieses Dramas bewusst werde, so Fisichella, würde die Mehrheit das Urteil der Richter nicht teilen. Es handle sich um eine „sehr schwerwiegende Entscheidung unter allen Aspekten“ und um einen „Anschlag auf das Leben“. Fisichella verlangte zudem eine Gesetzesinitiative, „damit jegliche Praxis passiver oder aktiver Sterbehilfe in unserem Land verhindert wird“.

    Rom (gho) Die 37 Jahre alte Komapatientin Eluana Englaro soll nun sterben. Das hat das oberste italienische Berufungsgericht in Rom entschieden. Der Entzug von Nahrung und Wasser soll kommende Woche beginnen. Im Vatikan hat man mit Bestürzung auf das Urteil reagiert. Erzbischof Rino Fisichella, Präsident der Päpstlichen Akademie für das Leben, erklärte gegenüber Radio Vatikan, mit dem Ernährungsabbruch werde die Frau „unter großem Leiden in den Tod geschickt“. Die Patientin sei „eine lebende Person, an keinerlei Apparat angeschlossen, eine Person, die selbsttätig atmet und Empfindungen wahrnimmt“. Wenn sich die Bevölkerung dieses Dramas bewusst werde, so Fisichella, würde die Mehrheit das Urteil der Richter nicht teilen. Es handle sich um eine „sehr schwerwiegende Entscheidung unter allen Aspekten“ und um einen „Anschlag auf das Leben“. Fisichella verlangte zudem eine Gesetzesinitiative, „damit jegliche Praxis passiver oder aktiver Sterbehilfe in unserem Land verhindert wird“.

    Wie es jetzt zur Entscheidung des römischen Kassationsgerichts kam, ist unklar. Bereits Mitte Juli hatte ein Mailänder Berufungsgericht entschieden, dass die künstliche Ernährung der Frau, die seit einem Autounfall 1992 bewusstlos ist, eingestellt werden kann. Daraufhin hatte aber der italienische Senat das Urteil des Mailänder Berufungsgericht an sich gezogen und es von seiner Verfassungs-Kommission prüfen lassen. Das Gericht habe, so hieß es in dem entsprechenden Antrag, eine neue Gesetzeslage geschaffen. Gesetzesänderungen seien jedoch nicht Aufgabe der Judikative, sondern der Legislative, das heißt des Parlaments. Von der Arbeit dieser Verfassungs-Kommission war in den vergangenen Monaten nichts zu hören gewesen. Darum kam jetzt die Entscheidung des Gerichts überraschend. Eluana Englaro wird in einem Pflegeheim in Lecco von Ordensfrauen betreut und über eine Nasensonde künstlich ernährt. Der Vater, Beppino Englaro, hatte sich schon in den neunziger Jahren an die Gerichte gewandt – zunächst in Lecco, dann in Mailand –, um zu erreichen, dass diese Form der Ernährung beendet werde und seine Tochter sterben könne. Mit Hinweis darauf, dass es sich dabei nicht um eine therapeutische Behandlung, sondern die Zuführung von Wasser und Nahrung eine lebenserhaltende Maßnahme sei, hatten die Gerichte 1999, 2003 und 2006 dieses Ansuchen abgelehnt. Erst das Urteil eines Berufungsgerichts stellte 2007 „die Freiheit und Selbstbestimmung“ der Patientin über den unbedingten Lebensschutz, eine Fortsetzung des Lebens dürfe keinem Kranken aufgezwungen werden. Dabei berücksichtigten die Richter sowohl Äußerungen vor ihrem Unfall sowie Aussagen von Angehörigen und Freunden. Im September 2007 hatte die Glaubenskongregation eine Erklärung zur künstlichen Ernährung von Komapatienten veröffentlicht. Damals erklärte sie, dass „die Ernährung und Wasserversorgung eines Patienten im ,vegetativen Zustand‘ moralisch verpflichtend“ sei: „Ein Patient im ,anhaltenden vegetativen Zustand‘ ist eine Person mit einer grundlegenden menschlichen Würde, der man deshalb die gewöhnliche und verhältnismäßige Pflege schuldet, welche prinzipiell die Verabreichung von Wasser und Nahrung, auch auf künstlichen Wegen, einschließt.“