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    Unter dem Bild der „Morenita“

    Das Bild der „Morenita“, der Gottesmutter von Guadalupe, thronte über den mexikanischen Bischöfen, den Kardinälen Lateinamerikas und den Vorsitzenden der Bischofskonferenzen des gesamten amerikanischen Kontinents, als sie sich am Sonntagabend mit Benedikt XVI. in der 1765 erbauten Kathedrale Unserer Allerheiligsten Mutter vom Licht zur abendlichen Vesper und damit zum Abschluss des Papstbesuchs in Mexiko zusammengefunden hatten. In gewisser Weise kam damit ein Bogen zu seinem Ende, der mit jener Messe am vergangenen Festtag Unserer Lieben Frau von Guadalupe im Petersdom seinen Anfang genommen hatte: Am 12. Dezember 2011 hatte Papst Benedikt in seiner Predigt die Reise nach Mexiko und Kuba angekündigt. „Unterstützt vom Beistand der göttlichen Vorsehung“, sagte er damals, „beabsichtige ich, vor dem heiligen Osterfest eine Apostolische Reise nach Mexiko und Kuba zu unternehmen, um dort das Wort Christi zu verkünden und die Überzeugung zu stärken, dass dies eine wertvolle Zeit ist, um mit starkem Glauben, lebendiger Hoffnung und brennender Liebe die Evangelisierung zu fördern. Alle diese Vorhaben vertraue ich ebenso wie das gegenwärtige Schicksal der Nationen Lateinamerikas und der Karibik auf ihrem Weg in eine bessere Zukunft der Muttergottes von Guadalupe, unserer himmlischen Mutter, an.“ Und jetzt saß er in einem dunkelblauen Umhang unter dem Gnadenbild der „Morenita“, um den anwesenden Bischöfen des Lateinamerikanischen Kontinents einzuschärfen, dass es nicht die Sünde und das Böse sind, die am Ende obsiegen, sondern stets die Gnade Gottes, der sein Reich auf Erden errichtet.

    Begeisterter Empfang: Jugendliche erwarten die Ankunft Benedikts XVI. Foto: dpa

    Das Bild der „Morenita“, der Gottesmutter von Guadalupe, thronte über den mexikanischen Bischöfen, den Kardinälen Lateinamerikas und den Vorsitzenden der Bischofskonferenzen des gesamten amerikanischen Kontinents, als sie sich am Sonntagabend mit Benedikt XVI. in der 1765 erbauten Kathedrale Unserer Allerheiligsten Mutter vom Licht zur abendlichen Vesper und damit zum Abschluss des Papstbesuchs in Mexiko zusammengefunden hatten. In gewisser Weise kam damit ein Bogen zu seinem Ende, der mit jener Messe am vergangenen Festtag Unserer Lieben Frau von Guadalupe im Petersdom seinen Anfang genommen hatte: Am 12. Dezember 2011 hatte Papst Benedikt in seiner Predigt die Reise nach Mexiko und Kuba angekündigt. „Unterstützt vom Beistand der göttlichen Vorsehung“, sagte er damals, „beabsichtige ich, vor dem heiligen Osterfest eine Apostolische Reise nach Mexiko und Kuba zu unternehmen, um dort das Wort Christi zu verkünden und die Überzeugung zu stärken, dass dies eine wertvolle Zeit ist, um mit starkem Glauben, lebendiger Hoffnung und brennender Liebe die Evangelisierung zu fördern. Alle diese Vorhaben vertraue ich ebenso wie das gegenwärtige Schicksal der Nationen Lateinamerikas und der Karibik auf ihrem Weg in eine bessere Zukunft der Muttergottes von Guadalupe, unserer himmlischen Mutter, an.“ Und jetzt saß er in einem dunkelblauen Umhang unter dem Gnadenbild der „Morenita“, um den anwesenden Bischöfen des Lateinamerikanischen Kontinents einzuschärfen, dass es nicht die Sünde und das Böse sind, die am Ende obsiegen, sondern stets die Gnade Gottes, der sein Reich auf Erden errichtet.

    Den ganzen Weg über im Papamobil konnte der Papst das nochmals erleben, was diese knapp drei Tage im Herzen Mexikos ausgezeichnet hatte: der Jubel und die Freude der Menschen am Straßenrand, die Benedikt auf seinen Wegen begleiteten. Wenn der Papst vorüberfuhr, explodierte die Begeisterung – fast im wörtlichen Sinne, wenn die Konfettibomben krachten und weiße und gelbe Papierschnitzel die Straßen in die Farben des Vatikans tauchten. Was Präsident Felipe Calderón bei der Begrüßung des Papstes am Flugplatz sagte – trotz des Drogenkriegs stehe das Land „noch auf den Füßen“ –, das kann man auch für die Kirche Mexikos sagen: Wenn es eine solche Jugend gibt, dann hat das Christentum hier eine Zukunft.

    Der Papst sprach in seiner Predigt während der Vesper das „Jahr des Glaubens an“ und verwies in diesem Zusammenhang auf die „Misión continental“, die Neuevangelisierung des Kontinents, die die lateinamerikanischen Bischöfe bei der fünften Vollversammlung des CELAM 2007 im brasilianischen Aparecida ausgerufen hatten: eine Erneuerung des kirchlichen Lebens in den einzelnen Ortskirchen, die auf einer vermehrten Katechese und der Verbreitung und Meditation der Heiligen Schriften gründet. Am 12. Dezember hatte Benedikt XVI. im Petersdom gesagt, dass es eine „wertvolle Zeit“ sei, in Lateinamerika den Glauben, die Hoffnung und die Liebe zu fördern. Das wollte er jetzt nochmals unterstreichen.

    Bei seiner Brasilienreise im Mai 2007 hatte der Papst ein portugiesischsprachiges Land besucht, mit seinem wenn auch nur kurzen Aufenthalt in Mexiko hat er nun auch den spanischsprachigen Teil Lateinamerikas erreicht. Die 1,5-Millionen-Stadt León stand Kopf während seines Aufenthalts, von der kleinen Gold- und Silbergräberstadt Guanajuato ganz zu schweigen. Spät am Abend setzten sich die Busse wieder in Bewegung, die die vielen jungen Menschen aus weiten Teilen des Landes in die zentralmexikanische Provinz Guanajuato gebracht hatten. Auffällig war, dass man in diesen Tagen nicht einen einzigen Namen einer kirchlichen Bewegung oder neueren geistlichen Gemeinschaft auf den zahlreichen Spruchbändern und Plakaten hatte lesen können. Der Wunsch der mexikanischen Bischöfe, sich in dem großen Augenblick des Papstbesuchs geeint zu zeigen, hatte wohl auch dies zur Folge. Schon gar nicht traten die Legionäre Christi, die in Mexiko ihren Ursprung hatten, während der Visite des Papstes in Erscheinung. Auch wenn ehemalige Mitglieder oder vereinzelte Opfer der Untaten ihres Gründers immer wieder in den Zeitungen des Landes zur Sprache kamen. Die von manchen erwartete Begegnung Benedikts XVI. mit Opfern des sexuellen Missbrauchs durch Kleriker hat es in Mexiko nicht gegeben. Aber die säkularen Medien haben das nicht zum Anlass genommen, eine antipäpstliche Kampagne zu starten. Wer von der Jugend des Landes so begeistert empfangen wird, dem gebührt Respekt. Und der Tatsache, dass Benedikt XVI. die alten und teilweise in Verfolgungen der Christen ausartenden Spannungen zwischen den laizistischen Regimen und der katholischen Bevölkerung gar nicht mehr groß erwähnt hat, kann man entnehmen, dass Kirche und Staat in Mexiko endgültig versöhnt sind.