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    Unseren Werten nah

    Brüssel (DT/KNA) In Belgien wird über die Möglichkeiten für einen muslimischen Religionsunterricht an katholischen Schulen diskutiert. Auslöser ist eine entsprechende Prüfung durch das Sekretariat der Katholischen Schulen (Segec), wie die Tageszeitung „Le Soir“ am Montag berichtete.

    Brüssel (DT/KNA) In Belgien wird über die Möglichkeiten für einen muslimischen Religionsunterricht an katholischen Schulen diskutiert. Auslöser ist eine entsprechende Prüfung durch das Sekretariat der Katholischen Schulen (Segec), wie die Tageszeitung „Le Soir“ am Montag berichtete.

    In vielen katholischen Schulen des französischsprachigen Belgien gebe es zahlreiche muslimische Schüler. Teils bildeten sie sogar die Mehrheit, erklärte der Generalsekretär der Vereinigung „Segec“, Etienne Michel, den Angaben zufolge. Es stelle sich daher die Frage, ob man diesen Schülern nicht auch islamischen Religionsunterricht anbieten müsse. Die Tatsache, dass es dies bislang nicht gebe, würde von vielen muslimischen Schülerinnen und Schülern als Benachteiligung empfunden. Zudem sei es besser, einen Kurs anzubieten, der von jemandem mit entsprechender Ausbildung geleitet werde, als ein womöglich einseitiger Privatkurs im Hinterzimmer eines muslimischen Cafes, so Michel weiter.

    Erst mit einem entsprechenden Unterricht sei auch ein echter Dialog zwischen den verschiedenen religiösen Überzeugungen möglich. Das belgische Bildungsministerium erklärte dem Bericht zufolge, man werde die Durchführbarkeit des Anliegens prüfen, wenn ein offizieller Antrag vorliege. Das Thema sei „komplex“.

    Die katholische Elternschaft begrüßte die Idee. Der Islam sei eine „monotheistische Religion, nah an unseren Werten“, sagte der Präsident der katholischen Elternvereinigung (Ufapec), Pierre-Paul Boulanger. Mit laizistischem Moralunterricht an einer katholischen Schule „hätten wir dagegen ein Problem“.

    Die Bildungsgewerkschaften warfen der katholischen Vereinigung Opportunismus vor. Die Katholiken wollten mit dieser Idee den Marktwert ihrer Schulen steigern. Bislang dürfen nur staatliche Schulen in Belgien islamischen Religionsunterricht anbieten.

    In Flandern besuchen rund zwei Drittel der Schülerinnen und Schüler katholische Schulen. Die Gehälter der Lehrkräfte, auch der Priester und Ordensleute unter ihnen, werden vom Staat bestritten. Das Bildungssystem ist in Belgien weitgehend in der jeweiligen Zuständigkeit der flämischen, der französischen und der deutschsprachigen Gemeinschaft.