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    Union hat Flügelprobleme

    Haben nur offizielle Parteivereinigungen eine Stimme in der CDU? Von Sebastian Sasse

    Kramp-Karrenbauer auf 'Zuhör-Tour'
    Bleibt das Unionsgefüge stabil? Als Generalsekretärin muss Annegret Kramp-Karrenbauer darauf achten. Foto: dpa

    Der Link war weg. Auf die „Christdemokraten für das Leben“ (CDL) wird auf der Homepage der CDU-Bundespartei nicht mehr verwiesen. Der Hintergrund: Im Zusammenhang mit der Frage, ob die innerparteilichen Basisbewegungen „WerteUnion“ (konservativ und Merkel-kritisch) und „Union der Mitte“ (liberal und Merkel-freundlich) einen offiziellen Status als Vereinigungen in der Partei bekommen sollen, hatte sich die Partei zu einer konsequenten Linie entschieden. Es wird nur noch auf die Organisationen verwiesen, die über diesen offiziellen Status verfügen.

    Rein formal kann die CDL-Bundesvorsitzende Mechthild Löhr diesen Schritt nachvollziehen, für die innerparteiliche Diskussion sieht sie darin jedoch ein falsches Signal. Sie hat auch bereits um ein Gespräch mit CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer gebeten, das demnächst stattfinden soll. „Wir repräsentieren mit unserem Einsatz für den Lebensschutz den christdemokratischen Markenkern“, betont Löhr. Und sie hebt hervor: „Zu unseren Mitgliedern zählen genau die, die sich überdurchschnittlich für die christdemokratische Sache engagieren.“ Voraussetzung, um bei der CDL mitzumachen, ist nicht unbedingt eine CDU-Mitgliedschaft. Man darf aber auch keiner anderen Partei angehören. Rund 80 Prozent der rund 5 000 CDL-Mitglieder seien bei CDU und CSU eingeschrieben, so Löhr. Und es gebe auch noch einen anderen Effekt: Viele derjenigen, die sich für den Lebensschutz engagieren, finden durch die CDL zur Union. Ein Punkt, den die Parteispitze zur Kenntnis nehmen sollte, ist Löhr überzeugt. In den einzelnen CDU-Landesverbänden ist die Einbeziehung der CDL unterschiedlich geregelt. In manchen werden Vertreter der Lebensschützer in den Landesvorstand kooptiert, in anderen nicht. Löhr jedenfalls, die schätzt, dass die CDL als eingetragener Verein auch organisationsrechtlich von der Partei unabhängig ist, will weiterhin die innerparteiliche Diskussion mitgestalten. Positiv fällt ihr auf, dass in jüngster Zeit gerade von jüngeren Leuten ein Zulauf und ein Interesse an Fragen des Lebensschutzes zu verzeichnen sei.

    Auch Simone Baum, die stellvertretende Bundesvorsitzende der „WerteUnion“, sieht die innerparteiliche Arbeit ihrer Gruppe nicht durch die Verweigerung des offiziellen Status beeinträchtigt. Damit habe man sowieso nicht gerechnet, so Baum gegenüber dieser Zeitung. Allerdings wünscht auch sie sich mehr Wertschätzung für das Engagement, das von der „WerteUnion“ geleistet werde. So seien viele, die bereits der Partei den Rücken gekehrt hätten, wieder eingetreten, um Mitglied der „WerteUnion“ zu werden. Auch die „Union der Mitte“ zeigt sich nicht verstimmt über die Entscheidung, keinen Vereinigungsstatus zu bekommen. Der Gruppe ginge es darum, konstruktiv in der Partei zu arbeiten, man habe kein Interesse, diese an den Pranger zu stellen, so deren Sprecher Stephan Bloch gegenüber dieser Zeitung. Statt auf Streit zu setzen, wolle man „ideologiefrei und nachhaltig“ arbeiten.

    Bearbeitet von Sebastian Sasse

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