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    Ungewisse Zeit für Italien

    Rom (gho) Quälende Wochen der Mehrheitsfindung liegen vor der italienischen Politikerkaste. Und Staatspräsident Giorgio Napolitano kann sich derzeit in Deutschland überlegen, wie er die Quadratur des Kreises hinbekommen will. Denn auf ihn richten sich die Blicke, nachdem die Nationalwahlen am vergangenen Sonntag und Montag eine politische Lage geschaffen haben, die im Grunde nur als „Unregierbarkeit“ zu bezeichnen ist: Mit einer hauchdünnen Mehrheit ist die „Demokratische Partei“ nun stärkste Kraft in der Abgeordnetenkammer, hat aber keine Mehrheit im Senat. Nicht einmal eine Koalition mit dem Unglücksraben Mario Monti, dessen Liste bei zehn Prozent hängengeblieben ist, würde klare Verhältnisse schaffen. Stattdessen hat sich ein Viertel der Wähler den Spaß erlaubt, die Stimme für die sogenannten „Grillini“ abzugeben, die Anhänger des Wutpredigers Beppe Grillo, dessen „Bewegung der fünf Sterne“ zur dritten politischen Kraft aufgestiegen ist.

    Rom (gho) Quälende Wochen der Mehrheitsfindung liegen vor der italienischen Politikerkaste. Und Staatspräsident Giorgio Napolitano kann sich derzeit in Deutschland überlegen, wie er die Quadratur des Kreises hinbekommen will. Denn auf ihn richten sich die Blicke, nachdem die Nationalwahlen am vergangenen Sonntag und Montag eine politische Lage geschaffen haben, die im Grunde nur als „Unregierbarkeit“ zu bezeichnen ist: Mit einer hauchdünnen Mehrheit ist die „Demokratische Partei“ nun stärkste Kraft in der Abgeordnetenkammer, hat aber keine Mehrheit im Senat. Nicht einmal eine Koalition mit dem Unglücksraben Mario Monti, dessen Liste bei zehn Prozent hängengeblieben ist, würde klare Verhältnisse schaffen. Stattdessen hat sich ein Viertel der Wähler den Spaß erlaubt, die Stimme für die sogenannten „Grillini“ abzugeben, die Anhänger des Wutpredigers Beppe Grillo, dessen „Bewegung der fünf Sterne“ zur dritten politischen Kraft aufgestiegen ist.

    Während die Kardinäle nach dem neuen Papst suchen, muss Napolitano Ähnliches tun: Irgendwann wird er jemanden mit der Regierungsbildung beauftragen müssen. Aber die Zeitspannen sind diesseits wie jenseits des Tibers unerquicklich lang: Hier wie dort kommen nun die Tage der informellen Gespräche. Wenn Mitte März das offizielle Konklave beginnt, treten auch zum ersten Mal Abgeordnetenkammer und Senat zusammen, um den jeweiligen Präsidenten und dessen Stellvertreter zu wählen. Signale und Gesprächsangebote wird es bis dahin noch viele geben. Silvio Berlusconi wünscht sich eine große Koalition mit der „Demokratischen Partei“, doch Pierluigi Bersani schielt eher zu Beppe Grillo hin. Muss sich dieser jetzt nicht der Verantwortung stellen? Hat das Parlament neue Präsidenten, leitet der Staatspräsident die offiziellen Konsultationen ein, während in der Sixtinischen Kapelle vielleicht schon die Wahlgänge laufen. Napolitano wird die Präsidenten von Kammer und Senat empfangen, die Chefs der Fraktionen und die Spitzen der Parteien. Wenn über dem Vatikan weißer Rauch aufsteigt, könnte auch der Staatspräsident verkünden, wer das Chaos richten soll. Den Namen kennt heute niemand. Wie niemand weiß, wer demnächst auf die Loggia des Petersdoms tritt.