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    Und immer noch kein Regen in Sicht

    In Tourismusbroschüren wird KwaZulu-Natal als „Gartenprovinz Südafrikas“ angepriesen: subtropisches Klima, saftige Wiesen, hellgrüne Zuckerrohrfelder, so weit das Auge reicht. Heute sieht man in der nordöstlichen Provinz Südafrikas ausgetrocknete Erde und abgemagerte Kühe. Die Ernte auf den Feldern ist vernichtet. Viele Farmer schlachten ihr Vieh, das keine Weideflächen mehr findet. Im südlichen Afrika haben Rekordtemperaturen zu einer der schlimmsten Dürreperioden „seit mehr als hundert Jahren“ geführt, so das Internetportal wetter.de.

    Die Hungersnot und die daraus resultierende Mangelernährung im Süden Afrikas trifft am heftigsten die Kinder. Foto: dpa

    In Tourismusbroschüren wird KwaZulu-Natal als „Gartenprovinz Südafrikas“ angepriesen: subtropisches Klima, saftige Wiesen, hellgrüne Zuckerrohrfelder, so weit das Auge reicht. Heute sieht man in der nordöstlichen Provinz Südafrikas ausgetrocknete Erde und abgemagerte Kühe. Die Ernte auf den Feldern ist vernichtet. Viele Farmer schlachten ihr Vieh, das keine Weideflächen mehr findet. Im südlichen Afrika haben Rekordtemperaturen zu einer der schlimmsten Dürreperioden „seit mehr als hundert Jahren“ geführt, so das Internetportal wetter.de.

    Malawi, Sambia, Simbabwe, Lesotho und Swasiland melden akute Nahrungsmittelengpässe infolge der Dürre. Wie zuvor schon die Regierung von Südafrika hat auch Simbabwe in mehreren Landesteilen den Notstand ausgerufen. Die Vereinten Nationen warnen: 14 Millionen Menschen sind vom Hunger bedroht. Südafrika wird dieses Jahr vermutlich einen Ernteausfall von 50 Prozent für Mais haben. Die Kap-Nation ist wichtigster Maisexporteur in der Region. Dieses Jahr wird die Ernte nicht einmal für die Eigenversorgung reichen. Die Behörden am Kap und anderen Ländern der Region stellen sich darauf ein, dass sich die Lage in den kommenden Wochen und Monaten weiter verschärfen wird.

    Das Wetterphänomen El Nino trifft die Ärmsten der Armen

    Als Auslöser für die verheerende Dürre wird das Wetterphänomen El Nino genannt, das in diesem Jahr stärker als je zuvor ausfällt. El Nino sorgt in einigen afrikanischen Staaten für extreme Trockenheit, in anderen wiederum für sintflutartige Regenfälle, die die Ernten zerstören. Der Begriff „El Nino“ kommt aus dem Spanischen und bedeutet „der Junge, das Kind“. Die Wetteranomalie hat ihren Namen von peruanischen Fischern, die das Phänomen zuerst an Weihnachten beobachteten. El Nino trifft die Ärmsten der Armen.

    In Somalia, das schon seit Jahren die Liste der „failed states“, der gescheiterten Staaten, anführt, waren schon zuvor mehr als eine Million Menschen im eigenen Land vertrieben. Weitere Zehntausende, die jetzt vor den Auswirkungen von El Nino fliehen, finden in den Flüchtlingscamps und Notbehausungen kaum mehr Platz. Bei der letzten somalischen Hungerkrise sind von 2010 bis 2012 insgesamt 258 000 Menschen ums Leben gekommen, hieß es in UN-Berichten.

    Auch in Äthiopien, wo derzeit die stärkste Dürre seit dreißig Jahren herrscht, benötigen mehr als zehn Millionen Menschen Nahrungshilfe. Die äthiopische Regierung schätzt die Zahl der Hilfsbedürftigen sogar auf 18 Millionen – knapp ein Viertel der Bevölkerung. Und es ist kein Regen in Sicht.

    Die Folgen sind verheerend: Die Brunnen versiegen, das Vieh verendet, die Preise für Wasser und Lebensmittel explodieren. „In den Dürregebieten sind die Rücklagen vieler Familien bereits aufgebraucht, Wasser und Nahrung sind knapp“, berichtet Ninja Taprogge, Referentin für Medien der internationalen Hilfsorganisation Care, dieser Zeitung. „Während des letzten großen El Nino im Jahr 2002 kam die Lebensmittelhilfe zu spät und viele Menschen hatten über Jahre hinweg mit den Folgen von Unterernährung zu kämpfen.“

    Am schlimmsten trifft es die Kinder. Wer keine Kinder hat, flieht in andere Landesteile oder ins Ausland – oft illegal und unter Lebensgefahr. Vor allem Jugendliche nehmen die Strapazen auf sich. Die katholischen Bischöfe Äthiopiens warnen nach einem Bericht des internationalen katholischen Hilfswerks Kirche in Not in einem Hilferuf vor den Folgen der Fluchtwelle: „Alte Eltern werden ohne die Hilfe ihrer Kinder zurückbleiben, Ehefrauen ohne ihre Ehemänner, die oft die alleinigen Ernährer ihrer Familien sind.“

    Den christlichen Kirchen, denen etwa zwei Drittel der äthiopischen Bevölkerung angehören, kommt eine wichtige Funktion bei der Koordinierung der Hilfsmaßnahmen zu, heißt es in einem Bericht von Kirche in Not: In vielen Pfarrzentren seien Verteilstationen für Nahrungsmittel eingerichtet worden. „Doch auch hier gibt es Schwierigkeiten: Um zu den Pfarrzentren zu kommen, müssen viele einen Fußmarsch von drei bis vier Stunden zurücklegen – eine Wegstrecke, die für vom Hunger Geschwächte nicht zu bewältigen ist.“ Deshalb sei es wichtig, dass die kirchliche Hilfe zu den Menschen kommt. „Eine große Bedeutung haben dabei die Katecheten – Laienhelfer vor Ort, die Kinder und Erwachsene nicht nur im Glauben unterweisen, sondern auch karitative Aufgaben übernehmen. Sie tragen zwar einen großen Teil der Seelsorge auf ihren Schultern, erhalten aber wenig oder gar keinen Lohn.“ Die Dürre treffe sie besonders hart, „da sie zum Überleben komplett auf die Erträge aus der Landwirtschaft angewiesen sind, die sie meist nebenbei betreiben.“ Das Hilfswerk unterstützt deshalb in einem Soforthilfeprogramm über 1 400 Katecheten in dreizehn von der Dürre besonders betroffenen Diözesen, um Lebensmittel zu beschaffen.

    Der Klimawandel verändert die humanitäre Hilfe. Die größte Herausforderung ist heute die Vorsorge vor Katastrophen, um die Ernährung zu sichern. Das geht bei der Suche nach Wasser nicht mit einer Wünschelrute. Wie Caritas international berichtet, leistete das Hilfswerk des Deutschen Caritasverbandes schon in der letzten großen Hungerkrise 2011/2012 in Äthiopien flächendeckende Nothilfe in Form von Wasser, Lebensmitteln und medizinischer Versorgung. Viele Menschen konnten auf diesem Wege gerettet werden. Noch wichtiger sei es jedoch, die Menschen langfristig gegen die Folgen von Dürren zu wappnen und Vorkehrungen zu treffen.

    Lösung der Probleme verlangt einen ganzheitlichen Zugang

    So hat Caritas international schon in den letzten Jahren gemeinsam mit lokalen Caritas-Partnern die Dürreopfer in Äthiopien mit Nahrungshilfe unterstützt. Tierärztliche Dienste wie Impfprogramme für Kamele, Rinder und Schafe der Viehhirten, eine vielseitige Wasserversorgung und dürreresistentes Saatgut sollen zudem dafür sorgen, dass die Menschen in Äthiopien sich wieder eigenständig eine Lebensgrundlage aufbauen können. In mehreren Regionen finanzierte das Hilfswerk außerdem den Bau von Brunnen, Wasserrückhaltebecken und Bewässerungssystemen.

    Auch wenn der Zusammenhang zwischen einem El Nino-Phänomen und dem Klimawandel nicht vollständig und zweifelsfrei bewiesen ist: die Abstände der Katastrophen werden kürzer, die Auswirkungen immer heftiger. „Es gibt nicht zwei Krisen nebeneinander, eine der Umwelt und eine der Gesellschaft, sondern eine einzige und komplexe sozio-ökologische Krise. Die Wege zur Lösung erfordern einen ganzheitlichen Zugang, um die Armut zu bekämpfen, den Ausgeschlossenen ihre Würde zurückzugeben und sich zugleich um die Natur zu kümmern.“ Diese Worte von Papst Franziskus in der Enzyklika „Laudato si“ treffen auf die Situation der Menschen in vielen Regionen Afrikas zu.