• aktualisiert:

    Umfragen sehen Clinton vorn

    Washington (DT) Dienstagnacht entscheidet sich, wer als neuer Präsident in das Weiße Haus einzieht: Hillary Clinton oder Donald Trump. Die Katholiken in den USA spielen dabei eine wichtige Rolle. Für die Demoskopen gelten ihre Stimmen als Gradmesser für den Wahlausgang. Das liegt daran, dass Katholiken offenbar einen sicheren Instinkt für den Wahlsieger haben. Seit 1932 stimmten sie in fast allen Wahlen für den Kandidaten, der die Wahl gewonnen hat.

    Stimmabgabe zur US-Präsidentschaftswahl
    Wer ist das kleinere Übel? Vor dieser Frage stehen derzeit nicht nur Katholiken in den USA. Foto: dpa

    Washington (DT) Dienstagnacht entscheidet sich, wer als neuer Präsident in das Weiße Haus einzieht: Hillary Clinton oder Donald Trump. Die Katholiken in den USA spielen dabei eine wichtige Rolle. Für die Demoskopen gelten ihre Stimmen als Gradmesser für den Wahlausgang. Das liegt daran, dass Katholiken offenbar einen sicheren Instinkt für den Wahlsieger haben. Seit 1932 stimmten sie in fast allen Wahlen für den Kandidaten, der die Wahl gewonnen hat.

    Das bedeutet nicht, dass das katholischen Stimmverhalten immer eindeutig ist. Es gibt keinen monolithischen katholischen Wählerblock. Die katholischen Stimmen teilen sich fast gleichmäßig zwischen Demokraten und Republikanern auf. Eine parteipolitische Präferenz gibt es nicht.

    Katholiken können Wahlen entscheiden, weil sie in den USA rund ein Viertel der gesamten Wählerschaft stellen. Wer bei ihnen starke Wählerabwanderungen riskiert, der kann ernsthafte Probleme bekommen, erst recht in Bundesstaaten mit hohem Katholikenanteil, die sowieso schon für das eine oder andere Lager auf der Kippe stehen. Dazu gehören unter anderem Pennsylvania, Ohio oder Florida.

    Glaubt man den Meinungsforschern, so erlebte Donald Trump so eine Wählerabwanderung. Der Kandidat der Republikaner hat in den letzten Monaten drastisch die Unterstützung katholischer Wähler verloren. Im Frühsommer machte das renommierte Pew-Institut einen Umschwung zugunsten Hillary Clintons aus. Damals lag Clinton 22 Prozentpunkte vor Trump. Im September verstetigte sich dieses Stimmungsbild mit zwei weiteren Umfragen des Public Religion Research Institute (PRRI) und der Zeitung „Washington Post“. In der PRRI-Erhebung liegt Hillary Clinton 23 Punkte vor Donald Trump. Weitaus drastischer die Umfrage der „Washington Post“ unter katholischen Wählern: Hier hat Clinton um 27 Prozentpunkte die Nase vorn.

    Diese Wählerwanderung mit dem Wahlverhalten der mehrheitlich katholischen Latinos zu erklären, greift zu kurz. Diese sind früh, angesichts der einwanderungsfeindlichen Rhetorik Trumps, auf Distanz zu Trump gegangen. Laut PRRI-Umfrage würden 76 Prozent der nicht weißen Katholiken ihre Stimme Hillary Clinton geben und nur 13 Prozent würden sich für Trump entscheiden. Noch vor vier Jahren stimmte die Mehrheit der hispanoamerikanischen Katholiken für den Republikaner Romney. Auch bei den weißen Katholiken verspielte Trump in den letzten Monaten seine Sympathien.

    Im März lag Trump, laut Washington-Post-Umfrage, bei diesen noch mit 56 Prozent vor seiner Kontrahentin Hillary Clinton, für die damals nur 29 Prozent gestimmt hätten. Im September dann ein völlig anderes Stimmungsbild: Nun sprechen sich 51 Prozent der weißen Katholiken für Clinton und nur noch 45 Prozent für Trump aus. Dieser Stimmungsumschwung, da sind sich Beobachter sicher, hat nichts damit zu tun, dass man Hillary Clinton besonders sympathisch findet. Im Gegenteil: Viele ihrer Positionen, gerade in der Frage des Lebensrechts, der Ehe oder der Familie, stehen gegen die Auffassung katholischer Wähler. Trotzdem überwiegt die Sorge vor einem Präsident Trump gegenüber den politischen Vorbehalten gegen Hillary Clinton.

    Insbesondere Trumps einwanderungsfeindliche Statements im Wahlkampf haben das Misstrauen vieler Katholiken gegen den Republikaner geweckt. Hier gehen nicht nur hispanoamerikanische Katholiken auf Distanz, sondern auch die weißen Katholiken. Die meisten Einwanderer, gegen die Trump mobilisiert, sind Katholiken, was zur Solidarisierung führt. Viele Katholiken fühlen sich aber auch an die Diskriminierung erinnert, unter der ihre Eltern, Großeltern oder Urgroßeltern leiden mussten, als sie in die USA kamen. Damals herrschte eine feindliche Haltung gegen Katholiken, die meistens Einwanderer waren, die bis heute nicht vergessen ist.

    Aber auch Hillary Clinton hat gerade in den letzten zwei Wochen Sympathien bei den Katholiken verspielt. Die Veröffentlichung eines brisanten E-Mail-Verkehrs aus dem Jahr 2012, in dem John Podesta, Clintons Wahlkampfmanager, eine wichtige Rolle spielt, bringt sie in Bedrängnis. Podesta bezeichnet darin den Katholizismus als eine „Verfälschung des Glaubens“. Andere Veröffentlichungen von WikiLeaks weisen darauf hin, dass Podesta 2012 Organisationen geschaffen und unterstützt hat, die einen „katholischen Frühling“ in der Kirche durchführen sollen. Durch die Unterstützung solcher Organisationen wollte man die ablehnende Haltung der katholischen Kirche gegenüber Verhütungsmitteln durch eine „interne Revolution“ ändern.

    Der New Yorker Erzbischof, Kardinal Timothy Dolan, verlangte eine Entschuldigung Clintons bei den Katholiken. Die Äußerungen seien für Katholiken „bevormundend und beleidigend“. Auch der Erzbischof von Philadelphia, Charles Chaput, forderte umgehend eine Entschuldigung. Was in den E-Mails geäußert wurde, sei „verachtender Anti-Katholizismus“, so Chaput.

    Donald Trump hat in den letzten Wochen noch einmal eine Charmeoffensive gegenüber katholischen Wählern gestartet. Im Interview mit dem katholischen Fernsehsender EWTN bekannte er sich zum Lebensschutz. Im Jahr 1999 hatte er sich noch für die Wahlfreiheit schwangerer Frauen ausgesprochen. Inzwischen habe aber ein Umdenken begonnen, so Trump. Nun sei er unbedingt „Pro-life“ eingestellt.

    Vielen Katholiken wird es diesmal vermutlich wie dem texanischen Politikprofessor David Upham gehen. Dieser sprach vor Wochen im jesuitischen „America Magazin“ von einer „besonders armseligen Wahlmöglichkeit“. Er könne keinem Kandidaten viel Positives abgewinnen.