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    Ukraine: Opposition kritisiert „Ausverkauf“

    Kiew (DT/dpa) Angesichts neuer Milliardenabkommen der Ukraine mit Russland hat die europäisch orientierte Opposition in Kiew Präsident Viktor Janukowitsch den Ausverkauf des Landes vorgeworfen. Der Staatschef habe die Ukraine als Pfand an Russlands Präsident Wladimir Putin verhökert, sagte der Oppositionspolitiker Vitali Klitschko bei Massenprotesten in Kiew.

    Haben offenbar viel Freude miteinander: die Sozialdemokraten Steinmeier und Gabriel mit ihrer Bundeskanzlerin Merkel. Foto: dpa

    Kiew (DT/dpa) Angesichts neuer Milliardenabkommen der Ukraine mit Russland hat die europäisch orientierte Opposition in Kiew Präsident Viktor Janukowitsch den Ausverkauf des Landes vorgeworfen. Der Staatschef habe die Ukraine als Pfand an Russlands Präsident Wladimir Putin verhökert, sagte der Oppositionspolitiker Vitali Klitschko bei Massenprotesten in Kiew.

    Putin hatte Janukowitsch in Moskau einen Kredit über 15 Milliarden US-Dollar (10,9 Milliarden Euro) sowie um ein Drittel günstigere Gaspreise zugesichert. Mit der Vereinbarung will Russland nach Ansicht von Experten den politisch angeschlagenen Janukowitsch nach wochenlangen Dauerprotesten seiner Gegner stützen. Die EU-Kommission betonte, die neuen Abkommen seien kein Hindernis für die spätere Annäherung Kiews an Brüssel. Wenn dadurch Normalität in den Handelsbeziehungen zwischen der Ukraine und Russland hergestellt werde und Kiew seine Verpflichtungen gegenüber der EU einhalte, „dann können wir diese Entwicklung nur begrüßen“, sagte EU-Kommissar Stefan Füle.

    Die Opposition blockiert weiter das Parlament. Sie fordert den Rücktritt der Regierung und eine EU-Annäherung. Hunderte Regierungsgegner übernachteten erneut auf Kiews Unabhängigkeitsplatz. „Nur vorgezogene Wahlen können jetzt noch einen Ausweg aus der Krise bieten“, rief Klitschko den Demonstranten in Kiew zu. „Ich erkläre Janukowitsch zu meinem persönlichen Rivalen. Ich rufe ihn in den Ring.“ Klitschko, der nach Freigabe seines Titels als Schwergewichtsweltmeister nun Champion im Ruhestand ist, will bei der nächsten Präsidentschaftswahl antreten.

    Die Milliardenverträge mit Moskau haben nach Ansicht des ukrainischen Regierungschefs Nikolai Asarow sein Land vor dem Bankrott gerettet: „Dem Land drohte der Kollaps.“ Die wirtschaftliche Stabilität sei nun gesichert. In Moskau betonte der russische Außenminister Sergej Lawrow, die Vereinbarungen seien zum beiderseitigen Vorteil und böten „kolossale Möglichkeiten“. Lawrow warf der EU vor, schweren Druck auf Kiew zur Unterzeichnung eines Assoziierungsabkommens auszuüben.

    Der polnische Friedensnobelpreisträger und Ex-Präsident Lech Walesa hat im Streit in der Ukraine eine Lösung am Runden Tisch angemahnt. Wenn Vitali Klitschko die Macht auf der Straße gewinne, könne er sie genauso schnell wieder verlieren. „Die Ukraine lässt sich nicht wie ein Boxring regieren“, sagte Walesa der Zeitung „Rzeczpospolita“. Dafür sei das Chaos in dem Land zu groß. „Meine Sympathien und mein Herz sind beim ukrainischen Volk und bei Klitschko, aber diese Nation muss bereit sein zu einem Regierungs- und Politikwechsel“, sagte der Friedensnobelpreisträger.