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    USA: Druck auf Abtreiber wächst

    Washington (DT) Planned Parenthood, der größte Einzelanbieter von vorgeburtlichen Kindstötungen in den USA, gerät immer stärker unter Druck. Mehrere Spitzenpolitiker der Republikaner forderten in dieser Woche, der Kongress müsse eine Untersuchung der von Lebensrechtlern gegen Plannend Parenthood erhobenen Vorwürfe einleiten. So erklärte der republikanische Präsidentschaftskandidat Jeb Bush bei einem Besuch des Carolina Pregancy Center in Spartanburg im US-Bundesstaat South Carolina am Mittwoch (Ortszeit), der Kongress solle die Videomitschnitte untersuchen, die Lebensrechtler mit versteckter Kamera gefilmt und veröffentlicht hätten.

    Planned Parenthood-Präsidentin Cecile Richards (hier bei einer Rede zu Eröffnung einer Kampagne im Jahr 2012) weist die ... Foto: Reuters

    Washington (DT) Planned Parenthood, der größte Einzelanbieter von vorgeburtlichen Kindstötungen in den USA, gerät immer stärker unter Druck. Mehrere Spitzenpolitiker der Republikaner forderten in dieser Woche, der Kongress müsse eine Untersuchung der von Lebensrechtlern gegen Plannend Parenthood erhobenen Vorwürfe einleiten. So erklärte der republikanische Präsidentschaftskandidat Jeb Bush bei einem Besuch des Carolina Pregancy Center in Spartanburg im US-Bundesstaat South Carolina am Mittwoch (Ortszeit), der Kongress solle die Videomitschnitte untersuchen, die Lebensrechtler mit versteckter Kamera gefilmt und veröffentlicht hätten.

    Tags zuvor hatte das „Center for Medical Progress“ (dt.: Zentrum für medizinischen Fortschritt) mit Sitz in Irvine im US-Bundesstaat Kalifornien im Internet ein bearbeitetes Video veröffentlicht, das den Eindruck erweckt, Planned Parenthood sei bereit, mit Organen und anderen Körperteilen abgetriebener Kinder zu handeln. Das Video zeigt bearbeitete Ausschnitte eines Gesprächs, das zwei vom „Center for Medical Progress“ engagierte Schauspieler mit Leitenden Plannend Parenthood-Mitarbeitern geführt haben.

    Laut dem TV-Sender CNN sagte Bush: „Es beunruhigt mich, dass sie Körperteile verkaufen würden. Es macht einfach keinen Sinn für mich.“ Der Katholik und frühere Gouverneur des US-Bundesstaates Florida versprach, sollte er Präsident werden, werde er die Regierungsausgaben für Organisationen überprüfen, die eine derart „weitreichende politische Agenda“ besäßen. Laut Bush unterstützt die US-Regierung Planned Parenthood mit 500 Millionen US-Dollar.

    Unterdessen kündigte der 26-jährige Gründer des bis dato eher unbekannten „Center for Medical Progress“, Daniel Daleiden, gegenüber der „New York Times“ an, in den kommenden Wochen „ein Dutzend“ ähnlicher Mitschnitte publik machen zu wollen. In dem am Dienstag veröffentlichten Video geben sich die beiden Schauspieler als Mitarbeiter eines Biotech-Start-Up aus. Im Gespräch mit den Plannend Parenthood-Angestellten geben sie vor, an gut erhaltenen Leichen und Organen abgetriebener Kinder interessiert zu sein.

    Die Planned Parenthood-Angestellte und Ärztin Mary Gatter, die sich als Präsidentin des Rats der medizinischen Direktoren der Organisation vorstellt, kündigt daraufhin an, mit einem Chirurgen zu klären, ob das übliche Abtreibungsverfahren so geändert werden könne, dass sich die Wünsche der vermeintlichen Forscher nach möglichst intakten Körpern und Organen erfüllen lasse. In der Woche zuvor hatte das „Center for Medical Progress“ bereits ein ähnliches Video veröffentlicht. Auch dieses zeigt ein mit versteckter Kamera aufgenommenes Gespräch mit einer Planned Parenthood-Mitarbeiterin. Darin rühmt sich die Senior-Direktorin für medizinische Dienste, Dr. Deborah Nucatola, Planned Parenthood-Abtreibungsärzte seien sehr versiert darin, Abtreibungen so durchzuführen, dass die Leichen der Föten weitgehend intakt blieben. Das Video zeigt Nucatola, wie sie bei Wein und Salat darüber referiert, wie solche Abtreibungen durchgeführt werden.

    Nach der Veröffentlichung des Videos hatte Cecile Richards, Präsidentin von Planned Parenthood in den USA, in einer eigenen Videobotschaft die Vorwürfe zurückgewiesen. „Ich möchte sehr deutlich sagen: Die Behauptung, Planned Parenthood profitiere in irgendeiner Weise von Gewebespenden, ist nicht wahr. Unsere Spender-Programme befolgen – wie die aller Anbieter hochwertiger Gesundheitsdienste – sämtliche Gesetze und ethische Richtlinien.“

    In den USA können Frauen Gewebe ihrer abgetriebenen Kinder wissenschaftlichen Einrichtungen unentgeltlich zu Forschungszwecken zur Verfügung stellen. Der Handel mit Körperteilen abgetriebener Kinder ist gesetzlich verboten. Einrichtungen, welche die „Spende“ von Geweben organisieren, ist es aber erlaubt, sich die Kosten für die Sammlung und den Transport der Leichenteile von Forschungseinrichtungen, die diese verwenden, finanziell erstatten zu lassen. Dagegen ist es Abtreibungseinrichtungen gesetzlich verboten, vorgeburtliche Kindstötungen in Falle einer anschließenden „Gewebespende“ zeitlich oder methodisch so zu steuern, dass dabei die Interessen der Empfänger nach möglichst intakten Föten gewahrt werden.

    Das auch international bekannte Flaggschiff der US-amerikanischen Lebensrechtsbewegung, das „National Right to Life Committee“ (NRLC), erklärte nach der Veröffentlichung des ersten Videos: „zahlreiche Aussagen von Dr. Nucatola schreien nach einer Überprüfung durch den Kongress und andere Ermittlungsbehörden – und zwar schnell.“

    Selbst der als recht liberal geltende Bioethiker Arthur Caplan von der Universität New York kritisierte gegenüber der „Washington Post“ Aussagen der Planned Parenthood-Mitarbeiterinnen: Zwar fielen einige der Passagen in eine „große Grauzone“. Das gelte auch für die Behauptung, Planned Parenthood habe mit dem profitablen Verkauf von fötalem Gewebe und Organen das Gesetz gebrochen. Caplan sagte aber auch: „Ich denke, Planned Parenthood stößt auf diesen Bändern an die Grenze.“ Er wisse, dass die Videobänder bearbeitet seien. „Aber ich denke, sie müssen überdenken, was sie tun, wenn sie auf diesem Feld tätig bleiben wollen.“