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    US-Kulturkampf geht weiter

    Mit dem Mord an dem bekannten Abtreibungsarzt George Tiller ist in Amerika die Diskussion um das Thema Abtreibung neu entfacht worden. Tiller war am Sonntag während eines Gottesdienstes in der lutheranischen Kirche von Wichita im US-Bundesstaat Kansas von einem Mann mit einem einzigen Schuss niedergestreckt worden. Zwei weitere Anwesende wurden außerdem verletzt. Mittlerweile hat die Polizei einen Verdächtigen festgenommen. Scott Roeder gilt als Rechtsextremist. Seine Familie beschreibt ihn zudem als geistig verwirrt.

    Mit dem Mord an dem bekannten Abtreibungsarzt George Tiller ist in Amerika die Diskussion um das Thema Abtreibung neu entfacht worden. Tiller war am Sonntag während eines Gottesdienstes in der lutheranischen Kirche von Wichita im US-Bundesstaat Kansas von einem Mann mit einem einzigen Schuss niedergestreckt worden. Zwei weitere Anwesende wurden außerdem verletzt. Mittlerweile hat die Polizei einen Verdächtigen festgenommen. Scott Roeder gilt als Rechtsextremist. Seine Familie beschreibt ihn zudem als geistig verwirrt.

    Unabhängig davon hat längst die Debatte um die Deutung des Vorfalls begonnen. Vertreter der amerikanischen Linken nutzen den Vorfall, um konservative Medien und die Lebensschutzbewegung insgesamt unter Generalverdacht zu stellen. So wurde der Starmoderator des konservativen Nachrichtensenders „Fox News“ aus New York, Bill O'Reilly, als Stichwortgeber des Attentäters bezeichnet. Dieser hatte den Abtreibungsarzt Tiller in zahlreichen seiner Sendungen als „Tiller the Baby-Killer“ bezeichnet. Der liberale, der Demokratischen Partei der USA nahestehende Blog „Daily Kos“ hat diese Auffassung jüngst vertreten.

    Auch Kim Gandy, Präsidentin der „National Organization for Women“, fordert zur Suche auf nach denen, die hinter diesem Mord stünden. So wird der Eindruck erweckt, es handele sich um eine Verschwörung aus dem Lager der Lebensschützer.

    Vicki Saporta, Präsidentin der „National Abortion Federation“, geht auch davon aus, dass der Kreis der Schuldigen über den Verdächtigen Roeder hinausgeht. Auch einer von Tillers Kollegen, der Spätabtreibungen durchführende Arzt Warren Hern aus Colorado, sieht in dem Mord das Ergebnis einer faschistischen Bewegung in den USA.

    Mittlerweile haben sich die katholischen Bischöfe deutlich von dem Mord distanziert. Der Ortsbischof von Wichita, Michael Jackels, sagte: „Viele Katholiken haben in den vergangenen Jahren vor Tillers Klinik friedlich protestiert. Ich habe mich ihnen bei Gelegenheit angeschlossen. Diese Position und Hoffnung aber können nicht als Rechtfertigung für andere Sünden und Verbrechen herhalten, wie der willentlichen Beschädigung von Eigentum oder gar Mord.“

    Kardinal Justin Rigali von Philadelphia, Beauftragter der US-Bischöfe für Lebensschutzfragen, äußerte sich ähnlich. „Solches Töten ist das Gegenteil von dem, wofür wir stehen und wofür unsere Kultur stehen soll: dem Respekt für das Leben eines jeden menschlichen Wesens von seinem Anfang bis zu seinem natürlichen Ende. Wir beten für Dr. Tiller und seine Familie.“

    Auch der Präsident der konservativen US-Bürgerrechtsvereinigung „Catholic League“, William Donohue, verurteilte den Mord an dem „Serien-Killer Tiller“ eindeutig. Gegenüber dem Sender CBS sagte er: „Wir müssen die Botschaft rüberbringen, dass wir jedes Leben respektieren müssen, auch das von jemand so bösem wie Dr. Tiller.“

    Tiller unterhielt in Wichita eine Abtreibungsklinik, die auf die Durchführung von Spätabtreibungen spezialisiert ist. Er gehörte der „Lutheran Church of the Reformation“ an. Wie der lutheranische Theologieprofessor Uwe Siemon-Netto aus St.Louis gegenüber dieser Zeitung sagte, sei Tiller ursprünglich Mitglied der konservativen Lutheraner der Missouri-Synode gewesen. Aufgrund seines Berufes sei ihm dann von seinem Pastor der Ausschluss aus der Gemeinde angedroht worden. Daraufhin sei Tiller zur liberalen „Evangelical Lutheran Church in America“ übergetreten. In einer ihrer Gotteshäuser trug sich dann am Sonntag das Attentat zu.

    Dieses hat Präsident Barack Obama in einer Stellungnahme scharf verurteilt. Wörtlich sagte er: „Ich bin geschockt und empört. Wie tief auch immer unsere Differenzen als Amerikaner in Bezug auf strittige Fragen sein mögen, sie können nicht durch hasserfüllte Akte der Gewalt gelöst werden.“ In einer umstrittenen Ansprache an der katholischen Elite-Universität Notre Dame hatte er am 17. Mai eine neue Debattenkultur in den Auseinandersetzungen um Fragen wie Abtreibung gefordert.

    Von Oliver Maksan