• aktualisiert:

    Trügerischer Schein

    Touristen sehen in Kuba oft nur ein Urlaubsparadies. Doch in Wirklichkeit hat das Regime dort einen Polizeistaat errichtet. Von Michael Leh

    Tourismus auf Kuba
    Fröhlich lachen sie von den Plakatwänden: Die Revolutionsführer. Doch von dieser „Revolutionsromantik“ sollten sich deut... Foto: dpa

    Ende Februar wird in Kuba über eine neue Verfassung abgestimmt. Das Regime gibt dieses Referendum als Beispiel für eine neue Pluralität aus. Doch an dieser Propagandaformel wird Kritik geübt. So hat die katholische Kirche in Kuba hat nun bewusst scharfe Kritik an einer „fehlenden Pluralität“ in der geplanten neuen kubanischen Verfassung geübt. In einer am vergangenen Wochenende auf ihrer Internetseite verbreiteten Stellungnahme bemängelte die Kubanische Bischofskonferenz, dass die neue Verfassung ausschließlich die marxistisch-leninistische Ideologie zulasse. Andere Vorstellungen über die Menschen, die Gesellschaft und die Welt würden ausgeschlossen. Konkret kritisierten die Bischöfe, dass es in der Präambel der neuen Verfassung heiße, dass nur im Sozialismus und im Kommunismus der Mensch seine komplette Würde entfalten könne. Dies schließt nach Meinung der Bischöfe Pluralität und verschiedene Meinungen über den Menschen und der Ordnung der Gesellschaft aus. Diese Pluralität müsse aber von der Verfassung gewährleistet werden, forderten die Bischöfe.

    Regime schadet der Natur

    In Deutschland werden diese innerkubanischen Konflikte kaum wahrgenommen. Oft herrscht der Eindruck vom Urlaubsparadies vor. Deutsche Touristen sollten aber bedenken, dass das Regime auch rigoros mit der Umwelt umgeht. So gibt es innerhalb der kubanischen Opposition auch starke Stimmen, die sich für Umweltschutz engagieren. Etwa den 44-jährigen kubanische Molekularbiologen und Naturschützer Ariel Ruiz Urquiloa aus Havanna. Zurzeit ist er nur aufgrund einer Haftverschonung („licencia extrapenales“) auf freiem Fuß. Sie kann jederzeit widerrufen werden. Seine Stelle als Professor an der Universität Havanna hatte er 2016 wegen seiner Kritik an der Regierung verloren. Ruiz fand mit DNA-Analysen heraus, dass bedrohte Meeresschildkröten, welche die kommunistische Regierung wegen ihrer wertvollen Schildpatt-Panzer nach Japan verkaufen wollte, überwiegend in den Gewässern Mexikos und Puerto Ricos zur Welt kommen und nicht vor Kubas Küsten. Das Forschungsergebnis passte der Regierung nicht. Als seine Schwester Omara, eine Professorin für Kunstgeschichte an der Universität Havanna, an Brustkrebs erkrankte und nicht die notwendigen Medikamente erhielt, prangerte Ruiz dies öffentlich an. „Ein Sohn Fidel Castros kann im Mittelmeer für 2 000 Euro pro Nacht Urlaub machen, aber für Medikamente für meine Schwester soll kein Geld da sein“, beschwerte er sich. Ruiz hatte wiederholt Umweltschäden und mangelnden Naturschutz in Kuba kritisiert, auch die Missachtung der Menschenrechte. Im Mai 2018 geriet er auf seiner Bio-Farm in Vinales in der Provinz Pinar del Rio westlich von Havanna mit zwei Forstaufseherinnen aneinander. Das Regime benutzte das dazu, ihn wegen „Beleidigung“ zu einem ganzen Jahr Gefängnis zu verurteilen. Amnesty International sprach ebenso wie eine Arbeitsgruppe der UNO von einem willkürlichen Urteil. Erst nach einem Hungerstreik und wohl nur aufgrund des internationalen Aufsehens entließ man ihn im Juli unter Auflagen aus der Haft.

    In den Fängen des Polizeistaates

    Die Überfischung des Meeres sei aktuell das größte Problem, so Ruiz. Zugleich verweist er aber auch auf die Verschmutzung durch ungeklärte Abwässer. Auf Kuba mit seinen elf Millionen Einwohnern gibt es nur etwa elf Kläranlagen. Keine Bucht in der Karibik ist so kontaminiert wie die von Havanna. Trotz der Repressionen des Regimes will Ruiz weiter kämpfen, versichert er im Gespräch mit der Tagespost“. Leicht sei es nicht: „Wenn man in Kuba etwas Produktives unternehmen will und stimmt dabei nicht mit den Machthabern überein, dann wird man gestoppt. Sie stecken einen ins Gefängnis. Man wird bekämpft und zerdrückt wie eine Küchenschabe.“

    Weitere Artikel