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    San Salvador

    Traum vom politischen Erlöser

    Der neue konservative Präsident von El Salvador, Najib Bukele, gilt manchen als Hoffnungsträger für ganz Lateinamerika. Er hat ein ungewöhnliches Profil: Sohn palästinensischer Auswanderer, Muslim, Unternehmer, eine spezielle Vorliebe für Israel und Trump-Freund.

    El Salvadors neuer Präsident verspricht «Kampf gegen jede Mauer»
    Wurde von der Bevölkerung gefeiert: Najib Bukele nach seiner Vereidigung zusammen mit seiner Frau Gabriela. Foto: dpa

    El Salvador bedeutet „Der Erlöser“. Das gleichnamige Land ist eines der ärmsten Länder Lateinamerikas. Gut ein Drittel der Bevölkerung lebt in Armut, rund zehn Prozent in extremer Armut. Der Staat hat eine der höchsten Mordraten der Welt. Am 3. Februar wählte das Land Najib Bukele, einen erfolgreichen Unternehmer, zum neuen Präsidenten. Er ist der Sohn eines arabischen Einwanderers mit Wurzeln in Bethlehem in Palästina und einer Salvadorianerin. Mit 37 Jahren ist er das jüngste Staatsoberhaupt Lateinamerikas, auf ihm ruhen die Hoffnungen eines ganzen Landes.

    Als Hoffnungsträger sehen ihn viele, weil er das bisherige Zweiparteiensystem in El Salvador mit der nach dem Bürgerkrieg der 1980er Jahre entstandenen konservativen Alianza Republicana Nacionalista (ARENA, Nationalistische Republikanische Allianz) und der ehemaligen Guerillaorganisation Frente Farabundo Martí para la Liberación Nacional (FMLN, Nationale Befreiungsfront Farabundo Martí) zerbrochen hat. Diese Frontstellung hatte das Land seit dem Ende des Bürgerkrieges gelähmt. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern der letzten Jahrzehnte gehört Bukele weder der Arena noch der FMLN an. Vielmehr gewann Bukele jetzt die Wahl, wie schon die zum Bürgermeister der Hauptstadt San Salvador 2015, als Kandidat der Gran Alianza por la Unidad Nacional (GANA, Große Allianz für nationale Einheit). Die GANA gilt als gemäßigte Abspaltung der konservativen ARENA, diese Partei hat aber im Parlament nur elf von 86 Sitzen, Bukele wird also bis zur Parlamentswahl 2021 gegen eine eigene Mehrheit im Parlament regieren müssen.

    Innenpolitisch sind die berüchtigten „Maras“, die Jugendgangs, die für die höchste Mordrate der Welt verantwortlich sind, das größte Problem des Landes. Sie sind auch der Grund, weshalb Salvadorianer die stärkste Gruppe aus Zentralamerika unter den illegalen Auswanderern in die USA bilden. Obwohl außenpolitisch eher unerfahren, hat sich Bukele bereits sehr früh positioniert und unterstützt weitgehend Trumps diplomatischen Kurs, auch in Bezug auf die Einwanderung. Bukele nannte Venezuelas Präsident Nicolás Maduro nicht nur einen Diktator, sondern lud ihn, genauso wie Nicaraguas Daniel Ortega und Juan Orlando Hernández aus Honduras, ausdrücklich nicht zu seinem Amtsantritt ein. Allen dreien spricht er die diplomatische Legitimation ab. Die Vizepräsidentin des kubanischen Staatsrates, Gladys Bejerano, sowie Boliviens Evo Morales waren dagegen willkommen.

    Seine erste Amtshandlung bestand darin, eine nach dem berüchtigten Kriegsverbrecher Domingo Monterrosa, dem Verantwortlichen des El Mozote-Massakers von 1981 benannte Kaserne umzubenennen. Dadurch dürfte sich Bukele unter den noch immer mächtigen Militärs keine Freunde gemacht haben.

    Bezeichnet sich selbst als Christ

    Im zentralamerikanischen Land El Salvador leben 100 000 palästinensische Migranten. Auch in vielen anderen Ländern Südamerikas, vor allem in Argentinien, Brasilien, Venezuela und Paraguay, bilden arabische Migranten eine wachsende Gruppe der Bevölkerung. Argentinien hatte mit Carlos Menem bereits einen arabischstämmigen Präsidenten. In Venezuela, dessen Vizepräsident bis vor kurzem ein Syrer war, soll es bereits eigene arabische Milizen geben, die Diktator Maduro unterstützen. Najib Bukele ist Nachkomme einer Familie aus Bethlehem in Palästina, sein verstorbener Vater, Armando Bukele Kattán, der bereits in El Salvador geboren wurde, war ein vom Christentum zum Islam konvertierter Imam in El Salvador. Er galt als der muslimische Führer El Salvadors, er hatte ein sehr gutes Verhältnis zu den jüdischen, christlichen, lutherischen, anglikanischen und buddhistischen Gemeinschaften des Landes. Najib bezeichnet sich selbst jedoch als Christ, seine salvadorianische Frau habe sogar jüdische Wurzeln. Bei einem Besuch in Israel im Februar 2018 legte er einen Kranz in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem nieder und betete an der Klagemauer. Damals war er noch Bürgermeister von El Salvadors Hauptstadt San Salvador. Er weilte auf Einladung des damaligen Jerusalemer Bürgermeister Nir Barkat im Heiligen Land, um an der 32. Internationalen Bürgermeisterkonferenz teilzunehmen.

    Die Wahl von Bukele hatte unter den katholischen wie evangelikalen Christen von El Salvador Sorgen hervorgerufen, dass der Präsident durch seine Familie so sehr vom Islam geprägt sei, dass er das Land für den Islam öffnen und verändern könnte. Der Vorsitzende der Evangelischen Allianz El Salvador, Mauricio Castellón, erklärte allerdings gegenüber „Mundo Cristiano“, dass Christen auf seine Wahl mit Nächstenliebe reagieren sollten. In den meisten kleinen Ländern Zentralamerikas haben evangelikale Christen die Katholiken bereits an Anzahl überholt.

    Die Abkehr vom Katholizismus begann in Zentralamerika schon während des Bürgerkrieges in den 1980er Jahren, als katholische Priester und Laien unter dem Einfluss der Theologie der Befreiung oft auf der Seite der Rebellen standen und Sozialreformen und mehr Gerechtigkeit forderten. Für die Behörden „war ein Katholik damals verdächtig“, erklärt der Weihbischof von San Salvador, Chávez. Nach der Ermordung von Erzbischof Óscar Romero von San Salvador 1980 wandten sich viele den evangelikalen Pfingstkirchen zu, daran hat auch seine Heiligsprechung 2018 nichts geändert. Den Islam hatten viele Beobachter dieser Entwicklung bislang nicht auf dem Radar.

    Bukele selbst bezeichnet sich auf Facebook als nicht religiös. Er glaube zwar an Gott, an Jesus Christus, an sein Wort, das in der Heiligen Schrift geoffenbart wurde. Aber er sei sich sicher, „dass es in den Fluren der Krankenhäuser mehr aufrichtige Gebete gibt als in den meisten Kirchen“, schrieb er auf Facebook.

    El Salvador ist flächenmäßig halb so groß wie Israel, hat aber mit 7,5 Millionen fast genauso viele Einwohner. Anders als Israel spielt das Land in der internationalen Politik keine große Rolle. Allerdings hat das Land, wie alle zentralamerikanischen Länder, traditionell gute Beziehungen zu Israel.

    Das Nachbarland Guatemala hat als einziges Land neben den USA im letzten Jahr Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt. Jetzt hofft man in Israel auf eine ähnliche Entwicklung auch in El Salvador.

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