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    Terror erschüttert Nigeria

    Nigeria sucht den Weg zu politischer Stabilität, doch immer wieder erschüttern gewaltsame Konflikte das Land. Vorläufiger Höhepunkt ist der jüngste Gewaltausbruch im bevölkerungsreichsten Land Afrikas. Nigeria war an den Osterfeiertagen von zwei Explosionen erschüttert worden. Wenige Stunden, nachdem am Sonntag in der nordnigerianischen Stadt Kaduna nahe einer evangelikalen Kirche eine Bombe explodiert war und knapp 40 Menschen in den Tod gerissen hatte, gab es wieder einen Anschlag in der etwa 200 Kilometer entfernten Stadt Jos mit mehreren Verletzten. Beide Städte liegen in einer Region, in der der überwiegend muslimisch geprägte Norden in den hauptsächlich von Christen bewohnten Süden des Landes übergeht. Papst Benedikt XVI. nahm in seiner Osterbotschaft Bezug auf die blutigen terroristischen Anschläge der vergangenen Monate in Nigeria und wünschte, dass es gelinge, dort eine friedliche Gesellschaft aufzubauen. Er rief nach dem Ostergottesdienst im Vatikan zum Respekt der Religionsfreiheit in Nigeria auf.

    Eine Autobombe detonierte im nigerianischen Kaduna am Ostersonntag in unmittelbarer Nähe zu einer christlichen Kirche. Foto: dpa

    Nigeria sucht den Weg zu politischer Stabilität, doch immer wieder erschüttern gewaltsame Konflikte das Land. Vorläufiger Höhepunkt ist der jüngste Gewaltausbruch im bevölkerungsreichsten Land Afrikas. Nigeria war an den Osterfeiertagen von zwei Explosionen erschüttert worden. Wenige Stunden, nachdem am Sonntag in der nordnigerianischen Stadt Kaduna nahe einer evangelikalen Kirche eine Bombe explodiert war und knapp 40 Menschen in den Tod gerissen hatte, gab es wieder einen Anschlag in der etwa 200 Kilometer entfernten Stadt Jos mit mehreren Verletzten. Beide Städte liegen in einer Region, in der der überwiegend muslimisch geprägte Norden in den hauptsächlich von Christen bewohnten Süden des Landes übergeht. Papst Benedikt XVI. nahm in seiner Osterbotschaft Bezug auf die blutigen terroristischen Anschläge der vergangenen Monate in Nigeria und wünschte, dass es gelinge, dort eine friedliche Gesellschaft aufzubauen. Er rief nach dem Ostergottesdienst im Vatikan zum Respekt der Religionsfreiheit in Nigeria auf.

    Die islamistische Sekte „Boko Haram“ hatte vor Tagen Anschläge zu Ostern angekündigt. Bereits zu Weihnachten hatte die Gruppierung mehrere Anschläge auf Kirchen in Nigeria mit zahlreichen Toten verübt. Bei dem damaligen Anschlag starben nahe der Hauptstadt Abuja 44 Menschen. Zeitpunkt und Ziel der Anschläge deuten auch jetzt auf die radikalislamische Gruppe hin. „Boko Haram“ sieht sich als Verfechter des wahren Islam. Obwohl seit 1999 die zwölf nördlichen Bundesstaaten Nigerias das Scharia-Strafrecht eingeführt haben, geht „Boko Haram“ die Islamisierung des Landes nicht weit genug. Man will einen islamischen Gottesstaat.

    Präsident Goodluck Jonathan, der aus dem mehrheitlich christlichen Süden des Landes stammt, sagte, die Nigerianer sollten weiter darauf vertrauen, dass sie „die aktuellen Herausforderungen gemeinsam überwinden“. Die Nigerianer seien ein „gläubiges Volk“, das „niemals der Hoffnungslosigkeit verfallen“ dürfe, fügte Jonathan hinzu. Doch Nigerias Regierung wirkt trotz aller zur Schau gestellten Entschlossenheit hilflos. Jonathan hat es bislang versäumt, mit politischen und wirtschaftlichen Reformen für Ruhe zu sorgen. Wirksame Rezepte gegen den Terror hat Nigeria nicht.

    Als Hauptursachen für die Unruhen und das Erstarken von Boko Haram werden von fast allen Kennern der Lage die Korruption in Nigeria und die extremen Gegensätze zwischen Reich und Arm genannt, meint der Nigeria-Referent beim Internationalen Katholischen Missionswerk missio, Toni Görtz. „Stellvertretend mögen zwei statistische Werte deutlich machen, worum es geht: 80 Prozent der Gewinne aus dem nigerianischen Ölgeschäft kommen lediglich einem Prozent der Bevölkerung zugute. Und rund 80 Prozent der Bevölkerung leben unter dem Existenzminimum. In einem solchen Umfeld haben die Extremisten es leicht, Täter zu rekrutieren.“ Auf dem Weg zu einer Lösung sei es den katholischen Bischöfen wichtig, auf keinen Fall eine Lagermentalität zwischen Christen und Muslimen aufkommen zu lassen. Nigeria habe nur dann eine Chance, wenn es gelinge, ein friedliches Zusammenleben der Religionsgruppen zu erhalten. Ohne Dialog sei dies nicht denkbar. Der Erzbischof von Abuja, John Onaiyekan, habe nach Görtz dazu aufgefordert, „jetzt ganz besonders gute Beziehung zu den muslimischen Freunden zu pflegen“. Wenn sich Christen und Muslime entzweien ließen, bedrohe das die nigerianische Nation.

    Allerdings hat radikalislamische Sekte alle Friedensverhandlungen mit den Behörden abgebrochen. Als Grund gab die Gruppe „verlogenes und unaufrichtiges Verhalten der Regierung“ an. Zuvor hatte der Präsident des Obersten Rats für das Scharia-Gesetz in Nigeria, Ibrahim Datti Ahmad, sein Amt als Vermittler in dem Konflikt niedergelegt. Als Grund gab er an, es seien immer wieder Einzelheiten der Gespräche durchgesickert und an die Öffentlichkeit gelangt. Dafür sei die Regierung verantwortlich gewesen. Der wahre Grund aber wird wohl die Vorbedingung der Terrororganisation gewesen sein: Sie forderte die Freilassung aller ihrer inhaftierten Mitglieder.

    Einen ernst zu nehmenden Vorschlag zur friedlichen Lösung des Konflikts hat der Erzbischof von Jos, Ignantius Ayau Kaigama, gegenüber dem Nachrichtendienst Fides zum Ausdruck gebracht. „Die Regierung sollte vielmehr herausfinden, wer die Sekte finanziert“, forderte der Erzbischof. „Es gibt einflussreiche Kräfte, die die Sekte mit Bomben, Fahrzeugen, Geld und Logistik versorgen. Man sollte herausfinden, wer diese Kräfte sind, die böse Absichten gegen Nigeria hegen.“ Wenn man betrachte, wie technologisch hochwertig die Sprengsätze seien, die Boko Haram verwende, „dann wird deutlich, dass deren Mitglieder außerhalb Nigerias bestens ausgebildet wurden“, betont der Erzbischof. Dass es einige Sympathisanten der Sekte unter den nigerianischen Politikern und im Sicherheitsapparat gibt, hatte Jonathan selbst vor kurzem erklärt.