• aktualisiert:

    Teile und herrsche?

    Vertreter von Israels regierender Rechter sind fest entschlossen, die arabischen Christen des Landes künftig gesondert zu behandeln. Yariv Levin, führender Abgeordneter des größten Regierungsbündnisses Likud-Beiteinu, hat jetzt unter anderem einen Gesetzesentwurf eingebracht, wonach Israels arabische Christen nicht länger als Araber, sondern spezifisch als Christen gefördert werden sollen. In erster Lesung ist das Gesetz bereits durch die Knesset gegangen. Dabei geht es um die gesonderte Repräsentation der Christen des Landes in einem Komitee, das sich um die bessere Eingliederung von Israels religiösen und ethnischen Minderheiten in Gesellschaft und Arbeitsmarkt kümmert. Wie seit langem schon die Drusen, Tscherkessen und Beduinen sollen auch die Christen künftig nicht mehr unter die Kategorie Araber gerechnet, sondern eigens gefördert werden.

    „Christ“ anstatt „Araber“? Foto: KNA

    Vertreter von Israels regierender Rechter sind fest entschlossen, die arabischen Christen des Landes künftig gesondert zu behandeln. Yariv Levin, führender Abgeordneter des größten Regierungsbündnisses Likud-Beiteinu, hat jetzt unter anderem einen Gesetzesentwurf eingebracht, wonach Israels arabische Christen nicht länger als Araber, sondern spezifisch als Christen gefördert werden sollen. In erster Lesung ist das Gesetz bereits durch die Knesset gegangen. Dabei geht es um die gesonderte Repräsentation der Christen des Landes in einem Komitee, das sich um die bessere Eingliederung von Israels religiösen und ethnischen Minderheiten in Gesellschaft und Arbeitsmarkt kümmert. Wie seit langem schon die Drusen, Tscherkessen und Beduinen sollen auch die Christen künftig nicht mehr unter die Kategorie Araber gerechnet, sondern eigens gefördert werden.

    Levin schlug auch vor, dass Christen in ihrem Personalausweis in der Rubrik Nationalität künftig „Christ“ anstatt „Araber“ eintragen lassen können. Die arabischen Abgeordneten des Parlaments sowie Vertreter der Linken sind angesichts von Levins Gesetzesentwurf außer sich. Sie wollen erreichen, dass die Initiative zurückgenommen werden muss. Am Mittwoch brachten sie einen diesbezüglichen Antrag an den Parlamentspräsidenten ein. Sie werfen Levin vor, die arabische Gemeinschaft Israels durch eine kolonialistische Politik des „Teile und herrsche“ schwächen zu wollen. Die Christen seien aber fester Bestandteil der arabisch-palästinensischen Gemeinschaft Israels.

    Angeblich, so Levin in einem Zeitungsinterview, ging die Initiative für seinen Gesetzesentwurf von Angehörigen der christlichen Gemeinschaft selbst aus. Ziel sei es nicht, die Christen gegenüber den Muslimen zu privilegieren, sondern die Benachteiligung zu beseitigen, die sich aus der Tatsache ergebe, dass sie nur eine Minderheit innerhalb der überwiegend muslimischen arabischen Mehrheit seien. Nach Angaben des israelischen Statistikamtes lebten 2013 etwa 161 000 Christen in Israel. Sie machen damit etwa zwei Prozent der Gesamtbevölkerung von knapp 8,1 Millionen Einwohnern aus. Etwa achtzig Prozent von ihnen sind Angehörige der arabischen Minderheit des Landes und überwiegend israelische Staatsbürger.

    Seit einiger Zeit bereits bemüht sich die Netanjahu-Regierung um die arabischen Christen des Landes. Deutlichsten Ausdruck fanden diese Anstrengungen in jüngster Zeit in der Frage nach dem Wehrdienst für arabische Christen. Eigentlich sind Araber seit der Staatsgründung vom Zwangsdienst an der Waffe ausgenommen, der in Israel als Schule und Schmelztiegel der Nation gilt und für Männer drei, für Frauen zwei Jahre dauert. Araber können aber freiwillig dienen. Ein vom Militär eingerichtetes Büro kümmert sich mittlerweile eigens um die Rekrutierung christlicher Araber aus dem Raum Nazareth. Verschiedene Vertreter der christlichen Gemeinschaft unterstützen dieses Vorhaben.

    Besonders der griechisch-orthodoxe Priester Gabriel Nadaf aus Nazareth ist hier führend tätig. Er traf sich diesbezüglich bereits mit Regierungschef Netanjahu. Angeblich sollen diese Maßnahmen bereits zu einem signifikanten Anstieg christlicher Wehrdienstleistender geführt haben. Die Kirchen des Landes, orthodoxe wie katholische gleichermaßen, lehnen dies indes strikt ab. Sie distanzieren sich auch von der Initiative zur Gründung einer christlichen Partei, die ein orthodoxer Christ aus Nazareth plant.

    Unterstützt werden die christlichen Aktivisten derweil von der israelischen Rechten nahestehenden Organisationen wie „Im Tirtzu“. Dabei handelt es sich um einen rechtszionistischen Verein, der sich der Stärkung der jüdischen Identität Israels widmet. Im September vergangenen Jahres fand in Jerusalem ein von „Im Tirtzu“ zusammen mit Christen veranstalteter Kongress statt, bei dem auch Vertreter aus dem Büro von Premierminister Netanjahu sprachen. Dabei wurde von christlichen Rednern die dem jetzigen umstrittenen Gesetzesentwurf zugrunde liegende Idee vorgetragen, die Christen Israels seien eigentlich keine Araber. Kulturell und sprachlich seien sie zwar in der arabischen Kultur verwurzelt, ethnisch und national seien sie aber Aramäer, Maroniten, Armenier und so weiter.

    Tatsächlich sahen Zionisten aller Couleur in den orientalischen Christen der Region, wie die Juden eine Minderheit in islamischem Umfeld, zunächst geborene Verbündete Israels. Der linkszionistische Staatsgründer David Ben Gurion äußerte sich in diesem Sinne ebenso wie auch der spätere rechtszionistische Premier Menachem Begin. Besonders deutlich wurde diese Politik im Hinblick auf den benachbarten Libanon mit seiner maronitisch-katholischen Bevölkerung. Während des dortigen Bürgerkriegs alliierten sich maronitische Politiker und Milizionäre des Landes mit Israel, das 1982 Teile des Landes besetzte, um die Palästinenser zu bekämpfen. Erst im Jahr 2000 zog sich die israelische Armee aus dem Süden des Libanon zurück.

    Christliche Libanesen, die mit der Besatzungsarmee kollaboriert hatten und nach deren Abzug Vergeltungsmaßnahmen befürchten mussten, wurden in der Folge in Israel aufgenommen und zu Staatsbürgern erklärt. Viele von ihnen haben das Land in Richtung anderer Staaten oder des Libanon wieder verlassen. Mehrere tausend Maroniten leben indes nach wie vor in Israel.