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    Syriens Christen in Angst

    Sadad (DT/red/dpa) Der Kampf um den bedeutenden christlichen Ort Sadad geht weiter. Die Agentur „Associated Press“ meldete am Sonntag unter Berufung auf die in Großbritannien ansässige Organisation „Syrian Observatory for Human Rights“, dass eine Rakete auf Sadad abgeschossen worden sei. Dabei seien am Sonntag fünf Menschen ums Leben gekommen. Unklar ist bislang, ob das Geschoss von Regierungstruppen oder von den Rebellen abgefeuert worden ist. Presseberichten zufolge erobern syrische Regierungstruppen den Ort derzeit Stück für Stück zurück. Dabei komme es zu heftigen Kämpfen.

    Islamistische Terroristen fallen zunehmend über christliche Dörfer in Syrien her. Foto: dpa

    Sadad (DT/red/dpa) Der Kampf um den bedeutenden christlichen Ort Sadad geht weiter. Die Agentur „Associated Press“ meldete am Sonntag unter Berufung auf die in Großbritannien ansässige Organisation „Syrian Observatory for Human Rights“, dass eine Rakete auf Sadad abgeschossen worden sei. Dabei seien am Sonntag fünf Menschen ums Leben gekommen. Unklar ist bislang, ob das Geschoss von Regierungstruppen oder von den Rebellen abgefeuert worden ist. Presseberichten zufolge erobern syrische Regierungstruppen den Ort derzeit Stück für Stück zurück. Dabei komme es zu heftigen Kämpfen.

    Die etwa 100 Kilometer nordöstlich der syrischen Hauptstadt Damaskus gelegene Ortschaft ist seit Anfang vergangener Woche Schauplatz von Auseinandersetzungen zwischen Regierungstruppen und islamistischen Rebellen. Etwa 2 000 Kämpfer der extremistischen Rebellengruppen „Al-Nusra“, „Islamischer Staat des Irak und der Levante ISIL“ und der „Grünen Brigaden“ sollen in den am Rande der syrischen Wüste gelegene Ort eingefallen sein. Ein Teil der 15 000 Bewohner hat Sadad deshalb in Richtung der etwa 60 Kilometer entfernten Stadt Homs verlassen. Andere sollen in den westlichen, von Rebellen gehaltenen Ortsteilen eingeschlossen sein.

    Die Ortschaft, in der die überwiegend syrisch-orthodoxen Bewohner noch eine Weiterentwicklung der aramäischen Sprache Jesu Christi sprechen, wird aufgrund ihrer Lage nahe der Autobahn zwischen Homs und Damaskus sowohl von der Regierung als auch den Rebellen als strategisch bedeutsam erachtet. Bislang galt Sadad dennoch als relativ sicher. Tausende aus umstrittenen Landesteilen geflohene Christen fanden hier Zuflucht. Die in Göttingen ansässige „Gesellschaft für bedrohte Völker GfbV“ hatte am Freitag einen Brief an die deutsche Bundesregierung veröffentlicht. Darin ruft die Menschenrechtsorganisation Bundeskanzlerin Angela Merkel auf, sich für einen Waffenstillstand in Sadad einzusetzen, um der eingeschlossenen Zivilbevölkerung zu helfen. Deren Lage gilt als dramatisch. Wörtlich heißt es in dem Schreiben: „Bitte wirken Sie schnellstens sowohl auf die russische Regierung in Moskau, die das Regime in Damaskus mit Waffen beliefert, als auch auf die Regierungen der Türkei und Saudi-Arabiens, die die Islamisten unterstützen, ein, um die eingeschlossene Zivilbevölkerung zu retten.“ Es müsse eine Feuerpause ausgehandelt werden, damit die 15 000 Christen den Ort verlassen könnten. In Sadad, so die GfbV, gebe es keinen Strom mehr. Brot, Milch, Trinkwasser und andere Lebensmittel würden knapp. Dieser Zeitung sagte Kemal Sido, Nahostreferent der GfbV, am Montag: „Nach unseren Informationen haben Regierungstruppen den Ort teilweise zurückerobert. Aber Teile sind immer noch in Rebellenhand. Weil aber noch gekämpft wird, ist der Ort insgesamt nicht zu versorgen. Die Zufahrtsstraßen werden immer wieder angegriffen. Die Lage ist dramatisch.“ Die islamistischen Rebellentruppen glichen eher marodierenden Banden als geordneten Armee-Einheiten, so der gebürtige Syrer Sido. Die Verständigung mit ihnen zu humanitären Zwecken sei deshalb fast unmöglich. „Man weiß nicht, wer der Anführer ist. Absprachen sind deshalb oft sehr brüchig und kaum verlässlich.“ In Sadad lasse sich – wie bereits in Aleppo, Damaskus, dem Tal der Christen und in anderen Landesteilen – beobachten, dass sich Christen zur Selbstverteidigung bewaffneten. „Die Regierung versorgt sie mit Waffen. Sie kämpfen aber nicht, sondern schützen Haus und Familien“, so Sido. Ähnliches geschehe in den von den Kurden kontrollierten Gebieten wie Hazake im Nordosten Syriens.

    Mit Sadad wurde binnen weniger Wochen erneut ein bedeutender christlicher Ort von Islamisten angegriffen. Dasselbe Schicksal ereilte den unweit von Damaskus gelegenen Ort Maalula im Spätsommer. Islamisten hätten die Dorfbewohner beschimpft, Teile der Ortschaft verwüstet und Konversionen erzwungen. Mittlerweile haben Regierungstruppen das Bergdorf wieder zurückerobert. Islamistische Terroristen haben nach Angaben von Aktivisten im syrischen Grenzort Tell Abjad am Montag eine Kirche niedergebrannt. Die maskierten Männer, die in der Nacht zum Montag die armenische Heilig-Kreuz-Kirche zerstört hätten, gehörten der mit Al-Kaida verbundenen Gruppe ISIL an, berichteten Aktivisten in dem Dorf. Das Gotteshaus stammt aus den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Tell Abjad liegt in der Provinz Al-Rakka im Nordosten Syriens an der Grenze zur Türkei. In der Provinz hatten islamistische Terroristen in den vergangenen Monaten mehrere Kirchen angezündet.

    Unter den Christen verbreiten derartige symbolträchtige Angriffe Furcht und Schrecken. 450 000 von einst 1,6 Millionen christlichen Syrern sollen das Land mittlerweile vor allem in Richtung des Libanon verlassen haben. Zehntausende andere sind Flüchtlinge im eigenen Land.